Viktoriakarree in Bonn

Café Kurzlebig und Bäckerei: Einige Mieter müssen raus

BONN. Das Café Kurzlebig in der Rathausgasse zieht zum 31. März aus dem Viktoriakarree aus. Wie Geschäftsführerin Sandra Hinze dem General-Anzeiger sagte, wird die Immobilieneigentümerin Signa Holding den Mietvertrag nicht verlängern.

Auch der Bäcker an der Ecke zur Stockenstraße befürchtet, dass es für ihn nicht weitergeht. „Ich habe noch keine Signale bekommen. Auf meine Schreiben hat sich der Vermieter bisher nicht gemeldet“, erklärte Betreiber Abdallah Rahi. Sein befristeter Halbjahresvertrag endet offiziell zum 30. Juni dieses Jahres. In den vergangenen Jahren hatte er zur selben Jahreszeit immer schon seine neuen Verträge abgeschlossen.

Dem Vernehmen nach haben bislang keine anderen Mieter von Signa Holding, die einen Großteil der Häuser gekauft hatte, eine weitere Verlängerung in Aussicht gestellt bekommen. Dabei ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar, wie es auf dem Areal weitergehen wird, nachdem der Stadtrat den ursprünglichen Beschluss für eine Neubebauung mit einer Shoppingmall nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren gekippt hat.

Die Signa selbst hält sich zu ihren Plänen in einer Stellungnahme kurz und knapp: „Signa prüft in aller Ruhe allfällige nächste Schritte und die weitere Vorgehensweise und wir werden uns zu gegebener Zeit melden“, teilte Pressesprecher Robert Leingruber auf Anfrage mit.

Keine Antworten gab es auf Fragen nach der künftigen Strategie des Unternehmens für das Karree und nach Gründen dafür, für das offenbare Nichtverlängern von Mietverträgen. Auch die Frage nach möglichen Rechtsschritten gegen die Stadt Bonn, um gegebenenfalls Schadenersatz zu bekommen, weil es einen positiven Ratsbeschluss für eine Neubebauung gab, der wieder rückgängig gemacht wurde, wurde nicht beantwortet.

Die Stadt teilte unterdessen mit, dass die Kommunalaufsicht eine Beschwerde der Signa gegen den jüngsten Ratsbeschluss zurückgewiesen hat. „Sie ist damit unserer Argumentation hinsichtlich der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens gefolgt“, so Stadtsprecher Marc Hoffmann. Die Ausschreibung sei aufgehoben worden, um den Ratsbeschluss hinsichtlich Bürgerwerkstatt und anschließendem Bebauungsplanverfahren umzusetzen. Zurzeit entwickele die Stadtverwaltung das Verfahren der Bürgerwerkstatt, die nach bisherigem Stand im Herbst beginnen könnte.

Sandra Hinze vom Kurzlebig bedauert, dass es für ihr Café und die 18 Aushilfen nicht weitergeht. Die beiden Festangestellten werden in ihrem Café Schwarz & Weiß am Kunstverein weiterbeschäftigt. Sie war – daher auch der Name Kurzlebig – zunächst für ein dreimonatiges Projekt angetreten, das mittlerweile seit 41 Monaten besteht. Gram ist sie nicht. „Wir waren um jedes Jahr der Verlängerung froh.“ Nun sucht die Betreiberin nach neuem, geeignetem Ersatz, „aber die großen Ketten sind einfach früher an den Immobilien dran und zahlen mehr“. Abdallah Rahi ist in ähnlicher Lage: „Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird.“

Einige der jetzigen Mieter befürchten, dass die Signa möglicherweise die Strategie verfolge, das Quartier herunterkommen zu lassen, um so Druck gegenüber der Stadt aufzubauen. Die Leerstände – in den oberen Etagen sind einige Räume seit Längerem unvermietet – kritisiert auch der Verein Viva Viktoria, der das Bürgerbegehren angestrengt hatte. „Es gibt ja eigentlich keinen Grund mehr, die Räume nicht auf Zeit zu vermieten“, sagte Axel Bergfeld von Viva Viktoria.

Mit einem Leerstand würde die Eigentümerin schließlich auf erhebliche Einnahmen verzichten. Viva Viktoria sehe sich in der Rolle eines positiven Impulsgebers: Der Verein habe alle Gewerbetreibenden im Viktoriakarree zu einem Treffen eingeladen. Zurzeit wird ein Holzmodell des Quartiers gebaut. Mit Fertigstellung soll auch der rote Container auf der Franziskanerstraße offiziell an den Start gehen, in dem Bürger Vorschläge und Anregungen für das Viertel liefern können.