Münster-Carré in Bonn

Bundestagskandidaten diskutierten über Europa

Auf dem Podium: Katja Dörner (v.l.), Alexander Graf Lambsdorff, GA-Redakteur Kai Pfundt, Claudia Lücking-Michel und Ulrich Kelber.

BONN. Selten war Europa so präsent im deutschen Wahlkampf wie derzeit - allerdings fast ausschließlich in Form von Rettungspaketen und Sparprogrammen. Auch bei der Podiumsdiskussion unter dem Titel "Deutschland hat die Wahl", zur der die Europa-Union Bonn/Rhein-Sieg Mittwochabend die Bonner Bundestagskandidaten ins Münster-Carré geladen hatte, stand vor all die Bewältigung der Euro-Krise im Vordergrund.

Mit dem rigiden Sparprogramm, dass die Bundesregierung den von der Pleite bedrohte europäischen Staaten aufnötige, werde die Krise verschärft, sagte SPD-Direktkandidat Ulrich Kelber. "Bei all den Vergleichen mit der Agenda 2010 wird immer unterschlagen, dass diese Strukturreform in Deutschland auch von Investitionen begleitet war, beispielsweise in die Ganztagsschulen."

Auch die Analyse der Bundesregierung, die Krise sei durch die hohen Staatsschulden der betroffenen Länder verursacht worden, sei unvollständig, sagte Grünen-Kandidatin Katja Dörner. "Ein wichtiger Faktor sind auch die nicht regulierten Finanzmärkte."

Hoher Druck auf Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien sei nötig, um strukturelle Reformen voranzutreiben, befand hingegen Claudia Lücking-Michel (CDU) im weiteren Verlauf der Diskussion, die von GA-Redakteur Kai Pfundt moderiert wurde. Zudem gebe es sehr wohl unterstützende Programme, beispielsweise gegen die wachsenden Jugendarbeitslosigkeit. "Wir tun einiges", sagte auch der liberale Europa-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff, der den FDP-Direktkandidaten Guido Westerwelle auf dem Podium vertrat.

Einig waren sich die Politiker allerdings darin, dass auf lange Sicht nur eine weitere politische Integration Europas, also auch der Verzicht auf nationale Kompetenzen zugunsten Brüssels, die europäische Union fit für die Zukunft machen könne.