Ergänzung für UN-Campus

Bund soll ehemalige NRW-Landesvertretung übernehmen

Die ehemalige NRW-Landesvertretung von oben. Im Hintergrund das ehemalige Bundeskanzleramt, heute Sitz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Bonn. In direkter Nachbarschaft zum UN-Campus und zum Entwicklungsministerium im ehemaligen Bundeskanzleramt könnte mittelfristig ein Campus für umwelt- oder entwicklungspolitisch tätige Nichtregierungsorganisationen entstehen. Zu diesem Zweck soll die ehemalige Landesvertretung Nordrhein-Westfalens beim Bund in Bonn ihren Besitzer wechseln.

"Wir sprechen mit dem Bund über den Verkauf", bestätigt Staatskanzleichef Franz-Josef Lersch-Mense in Düsseldorf auf GA-Anfrage. Die Landesregierung wolle jetzt die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass ein Verkauf an den Bund auf der Basis eines Wertgutachtens und ohne Bieterverfahren möglich sei. "Wenn der Bund diese Kaufoption wahrnimmt, könnten sich in direkter Nähe zum UN-Campus zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen ansiedeln und Aktivitäten entfalten, was die Attraktivität des Standortes weiter steigert", erklärt Lersch-Mense.

1952 hatte das Land das 15.000 Quadratmeter große Grundstück in direkter Rheinlage gleich neben dem Bundeskanzleramt erworben und 1954/55 bebaut. Zuletzt war es trotz der Entscheidung für den Regierungsumzug nach Berlin noch von 1992 bis 1995 erweitert worden. Nachdem die Landesvertretung im Sommer 2000 nach Berlin umgezogen war, wird das Gebäude seit 2004 vom Bonn-Aachen International Center for Information Technology (B-IT) genutzt.

Die mit Mitteln des Bonn-Berlin-Ausgleichs ausgestattete Stiftung ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Universität Bonn, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Sie bemüht sich darum, Informatik-Studiengänge auf Eliten-Niveau internationaler aufzustellen und zu verkürzen.

Dazu passen weite Wege naturgemäß nicht. Wenn der Campus Poppelsdorf der Universität im kommenden Jahr fertig wird, werden deshalb auch die B-IT-Mitarbeiter ihre Koffer packen, bestätigt Klaus Herkenrath aus der Pressestelle der Universität. Sie ziehen unter ein Dach mit den Informatikern der Universität. "Was das Land dann mit der Liegenschaft anfängt, betrifft uns nicht mehr", sagt Herkenrath.

Stefan Wrobel, einer der drei B-IT-Geschäftsführer, freut sich schon auf den Umzug. "Das wird die IT-Forschung in Bonn nachhaltig stärken", sagt er. Da Bund, Land, Stadt und Universität im Stiftungsrat des B-IT vertreten seien, werde über eine Nachnutzung der ehemaligen Landesvertretung intensiv gesprochen. Dabei seien verschiedene Varianten denkbar, so auch eine Vernetzung internationaler Forschung mit regionalen Wissenschaftseinrichtungen. 

"Eine Nachnutzung an diesem Standort muss in das Gesamtkonzept des neuen UN-Campus passen", fordert Elke Apelt, die Vorsitzende im Ratsausschuss für Internationales und Wissenschaft. "Die Ansiedlung einer oder mehrerer hochkarätiger Organisationen wird die Internationalität Bonns weiter festigen." Das Bundesumweltministerium habe die Federführung der Gespräche übernommen. "Es ist allen Beteiligten daran gelegen, dass in dieser Premiumlage kein langer Leerstand entsteht", betont Apelt.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als möglicher Käufer äußert sich zurückhaltend. Ein möglicher Ankauf setze einen konkreten Bedarf mit einem konkreten Nutzungskonzept voraus. Dies werde derzeit erörtert, erklärt auf Anfrage die Pressestelle.