Bauprojekte in Bonn

Bund: Venusbergtunnel ist auch allein möglich

16.11.2015 Bonn. Der Venusbergtunnel und der sogenannte Ennertaufstieg ließen sich nach Ansicht der Bundesregierung auch als eigenständige Projekte umsetzen. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion hervor.

Die beiden Teilprojekte der Südtangente, die die A 565 und die A 3 zwischen Hardtberg und Dambroich verbinden soll, "besitzen einen eigenständigen Verkehrswert", heißt es da. Die Straßenspange soll, wie mehrfach berichtet, in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden.

Die Bonner Bundestagsabgeordnete Katja Dörner (Grüne), die die Kleine Anfrage mit Valerie Wilms, der Obfrau der Grünen im Verkehrsausschuss des Bundestags gestellt hatte, findet das "skandalös", weil die Bundesregierung das umstrittene Bauvorhaben über eine "Salamitaktik" durchdrücken wolle. Besonders ärgert die Politikerin, dass der Bund trotz der ablehnenden Haltung der Landesregierung und weitere Teile der Region an dem Vorhaben festhält. Aus der Antwort geht hervor, dass lediglich "Gespräche mit Mandatsträgern" stattgefunden hätten. Von offiziellen Gesprächen der Kommunen ist keine Rede. Dörner: "Meine Befürchtung hat sich bestätigt. Nicht aufgrund sachlicher Erwägungen, sondern aufgrund von Einflüsterungen hinter verschlossenen Türen plant die Bundesregierung faktisch eine neue Autobahn durch Bonn."

Der Bund geht derzeit von einer Gesamtsumme von 683,4 Millionen Euro aus, die die vierspurige Südtangente kosten soll. Davon fielen 418 Millionen Euro auf den Bau des Venusbergtunnels. Alternativen zur Südtangente sieht der Bund offenbar nicht, zumindest würden keine untersucht, heißt es in der Antwort. "Das ist unverantwortlich", so Dörner.

Sechsspuriger Autobahnausbau als Alternative

So blende der Bund völlig aus, dass der "Tausendfüßler", also das auf Stelzen gebaute Autobahnteilstück zwischen Nordbrücke und Endenich, in absehbarer Zeit komplett erneuert werden muss. Der sechsspurige Ausbau der A 565 müsse bei der Bewertung der Südtangente mit in Betracht gezogen werden. Die Kosten für den Neubau der Strecke fielen ja sowieso an. Durch einen Ausbau der Bestandsstrecken wären hier schneller und kostengünstiger Verbesserungen für den Verkehr in Bonn und das Gesamtnetz zu erreichen, so die Grünen. Hierauf müssten alle Anstrengungen im Bundesverkehrsministerium ausgerichtet sein.

Dörner sagt: "Die Bundesregierung arbeitet unseriös und nicht im Interesse von Stadt Bonn und Region. Das bestätigt die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage." Sie missachte den Willen der Menschen vor Ort. Außerdem bagatellisiere die Bundesregierung die Kosten für die Südtangente. "Die Bundesregierung plant ein Milliardengrab", behauptet die Grünen-Politikerin. "Der Nutzen für Bonn wäre mickrig und die Schäden für Mensch und Natur gewaltig." (Cem Akalin)