Beratungsstelle in Bonn

Broschüre bietet Bonnern Hilfe bei sexueller Belästigung

Coony Schulte (Links) + Kornelia Kirf von der Beratungsstelle gegen Sexualisierte Gewalt mit neuer Info-Broschüre

Coony Schulte (Links) + Kornelia Kirf von der Beratungsstelle gegen Sexualisierte Gewalt mit neuer Info-Broschüre

Bonn. Die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Bonn hat eine neue Broschüre für Opfer von sexueller Gewalt herausgegeben. Die Informationen richten sich aber auch an Menschen, die nicht betroffen sind.

Wie aktuell das Thema sexuelle Belästigung ist, zeigen Zahlen der Europäischen Grundrechteagentur: 2014 befragte die Agentur über 42 000 Frauen in der EU zu Erfahrungen mit physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt. 55 Prozent der Frauen berichteten bereits unterschiedliche Formen der sexuellen Belästigung erlebt zu haben. Unter den berufstätigen Frauen gaben sogar 75 Prozent an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein.

Grund genug für die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, in Bonn, eine neue Broschüre zu dem Thema herauszugeben. Mit finanzieller Unterstützung der Hannah-Stiftung gegen sexuelle Gewalt haben die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle eine bereits bestehende Broschüre neu aufgelegt. „Gerade aufgrund der Aktualität und der vielfältigen Nachfragen“, erläutert Geschäftsführerin Conny Schulte.

Auf rund 20 Seiten informiert die Broschüre sowohl allgemein über das Thema sexuelle Belästigung als auch über die drei speziellen Bereiche sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und digitale Gewalt. Durch die Informationen in der Broschüre soll Betroffenen Mut gemacht werden, sich mit ihren Erlebnissen an Beratungsstellen oder ähnliche Institutionen zu wenden.

Mit den Informationen zu Prävention und Umgang richtet sich die Broschüre aber auch an Nicht-Betroffene, denn das Thema betreffe nicht nur Opfer. „Wir brauchen einen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel. Eine Positionierung gegen sexuelle Übergriffe sollte zum „Qualitätsmerkmal zum Beispiel bei Arbeitgebern werden“, so Schulte.

Fortbildungen für Betroffene und Fachkräfte

Von den 500 bis 600 Betroffenen, die sich im vergangenen Jahr an die Beratungsstelle wandten, berichteten rund zehn Prozent von sexueller Belästigung. Die Bandbreite der Fälle sei dabei sehr groß und reiche von Fragen zum Umgang mit unangemessenen Kommentaren über lang zurückliegende Missbrauchserfahrungen bis hin zu erst kurz zurückliegenden Vergewaltigungsfällen, in denen die Mitarbeiterinnen akute Krisenhilfe leisten. Auch bei Belästigung und Missbrauch in sozialen Netzwerken hilft die Beratungsstelle, etwa wenn Bilder und Videos unerwünscht ins Internet gestellt wurden. Diese Facette betrifft auch Schüler.

Für das Umfeld von Betroffenen oder Fachkräfte werden Fortbildungsmöglichkeiten, aber auch akute Hilfe beim Umgang mit einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch angeboten. Für die Psychologin Kornelia Kirf ist dabei sehr wichtig, dass jeder zur Beratungsstelle kommen darf, „auch wenn man selbst nicht überzeugt ist, ob der eigene Fall nicht vielleicht zu harmlos ist“.