Kommentar zum Frankenbad

Botschaft mit hohem Preis

Die Zukunft des Frankenbads ist offen, die notwendige Sanierung politisch umstritten.

Die Zukunft des Frankenbads ist offen, die notwendige Sanierung politisch umstritten.

Bonn. Der Beschluss zur schnellen Sanierung des Frankenbaddachs ist ein Schildbürgerstreich und Wahltaktik der Grünen, findet GA-Redakteur Andreas Baumann.

Auf den ersten Blick mag es eine gute Entscheidung sein, das Dach des Frankenbades so schnell wie möglich zu sanieren. Jahrzehntelanges Wegschauen hat bekanntlich in ganz Bonn zu einem Sanierungsstau an städtischen Gebäuden geführt, der gigantische Ausmaße hat. Allein in die Sportstätten, so berichtete gerade der zuständige Amtsleiter, müsste die Stadt 50 Millionen Euro investieren. Doch bei genauem Hinsehen entpuppt sich der Frankenbadbeschluss als das, was er in Wahrheit ist – ein echter Schildbürgerstreich.

Zwar ist klar, dass die Stadt das Baudenkmal irgendwann sanieren muss. Ob es ein Hallenbad bleibt, steht aber noch in den Sternen. Die Art der Nutzung hat jedoch, logisch, Konsequenzen für mögliche Umbauten, die Gebäudetechnik, die Art der Sanierung. Erneuert man das Dach schon vorher, warnen die Experten, könnten deshalb nachträgliche Korrekturen nötig sein, die schwer ins Geld gehen. Im schlimmsten Fall müsste das neue Dach während der Gebäudesanierung geöffnet werden, um Lasten in den Bau zu heben.

CDU, FDP und die Allianz für Bonn wollten deshalb vernünftigerweise abwarten. Doch gemeinsam mit dem Rest der Opposition setzte der grüne Koalitionspartner im Ausschuss die schnelle Dachsanierung durch. Das Motiv dahinter: Die Nordstadt ist eine Hochburg der Grünen, und die Erhaltung des Frankenbades als Schwimmhalle war eine ihrer zentralen Forderungen im letzten Kommunalwahlkampf. Unter größten Schmerzen hat sich der Kreisverband vorerst von dieser Forderung verabschiedet, um die geplante Bürgerbeteiligung zur Bonner Bäderfrage nicht mit einer Vorfestlegung zu belasten. Die Dachsanierung ist nun ein Signal an die eigenen Wähler, dass zumindest das Gebäude nicht infrage gestellt wird.

Für diese wahltaktische Botschaft nehmen die Grünen einen Preis in Kauf, den die Steuerzahler zu begleichen haben: Mehrkosten von möglicherweise mehreren Hunderttausend Euro. Während dieses Geld mit leichter Hand unnötig aufs Spiel gesetzt wird, diskutiert man an anderer Stelle über freien Museumseintritt für Minderjährige, der läppische 4000 Euro im Jahr kostet. Es ist dieses Ungleichgewicht, das die Bonner Finanzpolitik für viele Bürger nur schwer nachvollziehbar macht.