Sendemast auf dem Venusberg

Bonns unscheinbarer Riese

VENUSBERG. Mit seinen 180 Metern Höhe und den rot-weißen Signalfarben ist Bonns höchstes Bauwerk, der Sendemast auf dem Venusberg, eigentlich unübersehbar. Und bleibt trotzdem häufig irgendwie unbemerkt.

Zumindest hat auch Udo Leber, der den Mast gemeinsam mit Sendetechniker Peter Trier-Hesse betreut, die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nicht so genau wissen, was es mit diesem unübersehbaren Riesen aus Stahl eigentlich auf sich hat.

Der Mast gehört dem WDR, der Radio- und Fernsehprogramme in die Köln-Bonner Region ausstrahlt, ein sogenannter Grundnetzsender. 1949 wurde der erste Sendemast auf dem Venusberg aufgebaut, 1982 wurde der Mast durch den heute genutzten ersetzt.

"Der WDR besitzt neun dieser Sender in der Größe", berichtet Udo Leber. Und in erster Linie dient der Sender der Programmverbreitung der Rundfunkanstalt. Aber wenn so ein Stahlriese schon mal steht, kann die somit vorhandene Infrastruktur, soweit das statisch machbar ist, auch von anderen genutzt werden. Zum Beispiel von Behörden oder auch den vier großen Mobilfunkunternehmen.

Auf den freien Flächen können sie ihre Antennen anbringen. Wie viele Zusatznutzer sich auf den Antennenträger draufsetzen können, hängt also von der Statik und der Standsicherheit ab. Für die sorgen neun dicke Stahlseile, über sie ist die Antenne auf drei Ebenen gesichert. Und nur sie halten den Mast, der auf einem Fundament steht, aber nicht eingelassen ist.

Alle sechs Jahre müssen die Stahlseile überprüft werden. "Die ganze Anlage wird jährlich umfangreich inspiziert", berichtet Udo Leber. Ein externer Vermessungsingenieur überprüfe dann die Lotrechtstellung und ob die Seilkräfte reguliert werden müssen. Im Inneren des Stahlrohrs mit 1,60 Meter Durchmesser kann man bis in die Spitze des Sendemasts klettern. "Der eigentliche Mast ist 167 Meter hoch", weiß Leber. Den Abschluss bildet ein Kunststoffzylinder, in dessen Inneren eine DVBT-Sendeantenne angebracht ist. 13 Meter hoch ist dieser Zylinder, womit der ganze Mast 180 Meter hoch ist.

Vom Venusberg aus wird aber nicht nur ins Umland gesendet, die Antenne empfängt auch Signale, die dann verarbeitet und ausgestrahlt werden. Dies geschieht über die Richtfunkspiegel, die aussehen wie überdimensionierte Trommeln. Der Sender transformiert diese Informationen dann auf die Hochfrequenzebene, die weiter reicht als Schallwellen. Die Antenne des Autos zum Beispiel nimmt die Hochfrequenzen dann wieder heraus.

Hat man sich von der Spitze des Mastes auf 114 Meter heruntergearbeitet, verlässt man eigentlich schon den Bereich, der für den ursprünglichen Verwendungszweck des vorgesehen ist. Jetzt folgen Meter für Meter nach unten hin die Mobilfunkunternehmen, für die Nutzung des Mastes zahlen sie ein Nutzungsentgelt. "Die freien Flächen werden durch unsere Tochter, die WDR-Mediagroup, zu marktüblichen Preisen vermietet", sagt Uwe-Jens Lindner von der Pressestelle des WDR.

Dadurch verdiene der Sender jedoch kein Geld. Die Kommission, die regelmäßig den Finanzbedarf der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ermittel, kalkuliere dabei auch diese Einnahmen ein. Sie seien Bestandteil des Haushaltes und fließen in die Gebührenrechnung ein.

Den Bonner Sendemast nutzen unter anderem die Telekom, Vodafone, Eplus und Telefonica , außerdem Radiosender wie der Deutschlandfunk oder Radio Bonn/Rhein-Sieg.