Maike van den Boom

Bonnerin bereist die 13 glücklichsten Länder der Erde

Maike van den Boom am Flughafen Köln/Bonn.

Bonn. Auch wenn sich die Deutschen in den weltweiten Rankings der internationalen Glücksforscher gewöhnlich weit abgeschlagen positionieren, scheinen sie dennoch unentwegt dem Glück nachzujagen: Googelt man das deutsche Wort für den ersehnten Seelenzustand, spuckt die Internet-Suchmaschine 489 Millionen Ergebnisse aus.

Maike van den Boom will wissen, was es mit dem Glücklichsein auf sich hat und warum sich die Deutschen so schwer damit tun. Und so beschloss die 41-jährige Wahl-Bonnerin und Bürokraft in der Virologie der Universitätskliniken vor einem Jahr, Urlaub und Erspartes zusammenzukratzen und in die 13 glücklichsten Staaten dieser Erde zu reisen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Zehn Länder hat sie schon geschafft, drei stehen noch aus: Kanada, Schweiz, Luxemburg. Als Datenbasis hat die Tochter eines Hamburgers und einer Holländerin nicht die Rankings der OECD oder des amerikanischen Gallup-Instituts genommen, sondern die Studien eines der Pioniere der Glücksforschung: Professor Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität Rotterdam. 3000 Umfragen, 10 000 Studien, potenzielle Glücksfaktoren in sechsstelliger Zahl - und ein überraschendes Ranking (s. Auszug als Grafik).

Maike van den Boom hat die Länder nicht in der Ranking-Reihenfolge, sondern nach geografischen Gesichtspunkten bereist. Denn es existieren erstaunliche Ballungszentren des Glücklichseins auf diesem Planeten: Zum Beispiel finden sich sämtliche skandinavischen Länder unter den Top 13 des Rotterdamer Professors, aber auch vier lateinamerikanische Staaten (Deutschland liegt auf Platz 26 der Weltrangliste).

Manche Länder konnte sie nicht länger als vier Tage besuchen, aber in jedem Land hat sie einen anerkannten heimischen Wissenschaftler aufgesucht, der sich beruflich mit dem Thema Glück befasst, ferner ganz normale Menschen vom Manager bis zum Slumbewohner und stets noch einen ausländischen Bewohner, der das jeweilige Land seit längerer Zeit aus kultureller Distanz beobachtet. Alle Interviewpartner haben sich zudem von ihr filmen lassen.

Und was hat sie bei ihren Reisen über das Glück gelernt? "Sehen Sie mal nach draußen", sagt sie und schaut aus dem Fenster ihrer Südstadt-Wohnung. "Der Himmel ist zweigeteilt: über uns blauer Himmel, in der Ferne dunkle Wolken. Wir haben die Wahl: Wir können uns jetzt an dem blauen Himmel erfreuen oder aber schon mal darüber ärgern, dass es in zwei, drei Stunden regnen wird."

So einfach ist das mit dem Glücklichsein? "Was du ausstrahlst, kriegst du auch von deinen Mitmenschen zurück. Wie heißt das deutsche Sprichwort? Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus." Natürlich gibt es noch weitere Garanten der längerfristigen glücklichen Grundstimmung. Aber Wohlstand spielt dabei überhaupt keine Rolle - sofern die Existenz nicht durch erheblichen materiellen Mangel bedroht ist.

Die Experten nennen das die "hedonistische Tretmühle": Das Glück durch Besitz hat einen schnellen Abnutzungseffekt, und schon müssen neue Attribute des Wohlstandes angeschafft werden. "Der glücklichste Mensch, den ich auf meinen Reisen getroffen habe, war ein Altpapiersammler in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá."

Will ich einfach nur glücklich sein, oder will ich unbedingt glücklicher sein als meine Mitmenschen? "Das Vergleichen ist ein Totengräber des Glücks." Und Neid ein absoluter Glückskiller. Ferner existiert offenbar ein Zusammenhang zwischen Glück und Vertrauen: "70 Prozent der Dänen vertrauen ihren Mitmenschen, aber nur 38 Prozent der Deutschen." An erster Stelle bei den Glücksfaktoren stehen jedoch weltweit Familie, Freunde, soziale Beziehungen.

Die gelernte Kunsttherapeutin, die ihr Studium in Leeuwarden 1992 mit einer Examensarbeit über Burn-out bei Männern abschloss (Titel: "Die müden Helden"), anschließend unter anderem als Exportmanagerin für Rohstahl arbeitete ("Arbeitsschutzschuhe Größe 36,5"), mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter zwei Jahre in der mexikanischen Hauptstadt lebte und seit 2009 in Bonn wohnt, will ihre Reisen auf der Suche nach dem Glück zu einem Sachbuch verarbeiten, außerdem einen Dokumentarfilm produzieren und ihr gesammeltes Wissen in Vorträgen auch Unternehmen anbieten.

Und wenn man sie so erzählen hört, dann glaubt man bald, dass sie das alles auch schaffen wird. Weil sie es will. "Von der Glücksforschung können sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer profitieren. Glückliche Menschen sind leistungsstärker, widerstandsfähiger, kreativer und produktiver."

Es gibt jedenfalls viel zu tun im deutschen Glücks-Entwicklungsland. Erst im April 2013 veröffentlichte Unicef eine Studie über die Lebenszufriedenheit von Kindern in 29 europäischen und nordamerikanischen Staaten: Die Niederlande belegen Platz 1, Deutschland liegt weit abgeschlagen auf Platz 22.

Weitere Infos über Maike van den Booms Projekt unter www.maikevandenboom.com und auf facebook.com/thehappyones.