Projekt "Soundcouch"

Bonner wollen Schwung in die Kulturszene bringen

Die Organisatoren der "Soundcouch": Elvin Ruic (links) und Lukas Heß. FOTO: THOMAS KÖLSCH

Die Organisatoren der "Soundcouch": Elvin Ruic (links) und Lukas Heß.

BONN. Wer feiern will, muss nach Köln gehen? Stimmt nicht, sagen Elvin Ruic (23) und Lukas Heß (26) und schütteln den Kopf. Zumindest abseits des Mainstreams und der Großraum-Diskotheken, in der sogenannten Subkultur, kann man auch in Bonn viel Spaß haben.

Man muss nur wissen, wo. "Es gibt hier sehr viele Nischenveranstaltungen, die aber oft nur wenige kennen", sagt Ruic. Dabei seien gerade diese ein Zeichen jener kulturellen Vielfalt, die in einer Stadt wie Bonn wünschenswert sein sollte.

Und es doch oft nicht ist. Genau hier setzen er und Heß an: Die beiden verstehen sich als "Zentrale für Freiraum und Subkultur", als Netzwerker, Veranstalter und Unterstützer jener, die ohne Subventionen und ohne Konventionen agieren wollen. "Wir wollen Bonn als offene Stadt etablieren, in der Pluralismus großgeschrieben wird", erklärt Heß. Ein hehres Ziel, für das das Duo sich mächtig ins Zeug legt. Und so ganz nebenher noch eigene, unkonventionelle Events auf die Beine stellen.

"Angefangen hat alles vor ein paar Jahren, als ich zum Studium von Köln nach Bonn gezogen bin", berichtet Ruic. "Über einen gemeinsamen Freund habe ich Lukas kennengelernt, und wir haben schnell gemerkt, dass wir beide gleich ticken. Wir wollten Partys abseits der Norm machen, auf denen sich die Leute wie zu Hause fühlen, wo der Wohlfühlcharakter alles und das Geld zweitrangig ist."

Gesagt, getan: Seit Anfang des Jahres decken die beiden ein breites Spektrum ab, organisieren mit "Curious!" eine regelmäßige Veranstaltung, die sich vorwiegend an schwules, lesbisches und transsexuelles Publikum richtet, hatten auf dem Township viel Spaß mit einer Balkan- und Klezmer-Party und bringen am Sonntag, 31. Mai, ab 14 Uhr die zweite Ausgabe der Soundcouch in die Fabrik 45.

"Wir stellen dabei Sofas auf und präsentieren elektronische Live-Acts, denen man ganz in Ruhe lauschen kann", erklärt Ruic. "Das machen wir bewusst nicht abends, weil wir keine Disco-Atmosphäre generieren wollen - bei uns gibt es das. Alles bei Kaffee und Kuchen. Beim ersten Mal hatten wir dadurch Gäste zwischen sechs und 70, darauf hoffen wir jetzt auch." Die große Vision verliert das Duo dabei nicht aus den Augen. "Unser Traum ist es, Bonn 2025 als europäische Kulturhauptstadt etablieren zu können", sagt Heß und lacht.

"Unserer Meinung nach muss eine Stadt Kultur in allen Facetten als Leitbild einer dynamischen und toleranten urbanen Gesellschaft begreifen. Wir brauchen die Oper und den Kunst!Rasen - aber eben auch das verträumte, lebhafte, das sich oft in Hinterhöfen abspielt. Das sagen ja auch immer mehr Experten. Und so langsam deutet sich tatsächlich ein Paradigmenwechsel in Politik und Verwaltung an."

Bei diesen Worten sprühen Heß und Ruic nur so vor positiver Energie. Kritik? Nicht von ihnen, auch wenn klar ist, dass noch längst nicht alle Probleme aus der Welt geschafft sind. Stichwort Lärmdebatte. "Natürlich muss noch viel passieren. Aber wir wollen nicht meckern, das machen schon zu viele. Wir wollen lieber etwas erschaffen." Wenn doch nur alle so denken würden.

Der nächste Termin: "Soundcouch #2", 31. Mai, 14 bis 20 Uhr, Fabrik 45, Hochstadenring 45. Kostenbeitrag fünf Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.