Aschermittwoch und Fastenzeit

Bonner verzichten auf Überfluss

Martine Leminski (roter Schal), Benedikt Rothweiler (Lederjacke) Damian Sternberg (Brille, blauer Schal) und Sophia Rothweiler freuen sich auf die Fastenzeit.

Martine Leminski (roter Schal), Benedikt Rothweiler (Lederjacke) Damian Sternberg (Brille, blauer Schal) und Sophia Rothweiler freuen sich auf die Fastenzeit.

BONN. Zum Beginn der Fastenzeit haben Katholiken das Aschekreuz in der Remigiuskirche empfangen. Mit dem Aschermittwoch hat wieder die sechswöchige Fastenzeit begonnen, in der sich Christen auf das Osterfest vorbereiten.

„Wir hatten zu Hause früher eine Fastentrommel“, erinnert sich Damian Sternberg. „Das war eine große Blechdose mit allen im Karneval gesammelten Süßigkeiten“, so der Bonner, der am Aschermittwoch seine Mittagspause genutzt hatte, um mit der Familie seiner Freundin Sophia Rothweiler in der Remigiuskirche das Aschekreuz zu empfangen. Mit dem Aschermittwoch hat wieder die sechswöchige Fastenzeit begonnen, in der sich Christen auf das Osterfest vorbereiten. Und so wie zu seinen Kindheitstagen die Fastentrommel bis Ostern im obersten Regal vor den Zugriffen der Kinder geschützt wurde, so will der Rechtsanwalt nun in den kommenden Wochen Bierkasten und Weinflaschen im Keller lassen.

Die Fastenzeit hat offenbar für viele Bonner eine Bedeutung. Ob aus religiösen Gründen, wie bei Sternberg und seiner Freundin samt der Familie, oder einfach nur aus Tradition: Die Gottesdienst- und Gebetsangebote in der Remigiuskirche wurden am Aschermittwoch vielfach genutzt und in allen Gottesdiensten waren die Besucher eingeladen, das traditionelle Aschenkreuz zu empfangen.

Die erste Gelegenheit dazu bot sich den Gläubigen bereits um neun Uhr in der Früh. Es folgten gut drei Stunden darauf die Heilige Messe, die auch Sternberg und seine Begleiter besucht hatten, sowie ein Mittagsgebet und eine weitere Andacht; den Abschluss bildeten zwei Heilige Messen um 18 und 20 Uhr. Wer aber aus welchen Gründen auch immer keine Zeit gefunden hatte, selber in die Kirche zu gehen, der konnte die Fastenzeit auch am Bürocomputer oder am Smartphone einleiten: Und zwar bei der Facebook-Live-Andacht mit Stadtdechant Wilfried Schumacher auf der Seite der Bonner Katholiken in dem sozialen Netzwerk.

Persönlicher Kirchgang als Tradition

Eine nette Idee, die aber für die meisten Gläubigen vor Ort eher nicht infrage kommt: Auch Ursula und Hans-Michael Veith tragen das schwarze Kreuz auf der Stirn, als sie aus dem Gotteshaus in den strahlenden Sonnenschein treten. „Der persönliche Kirchgang gehört für uns zur Tradition. Wir haben Karneval gefeiert und nun bereiten wir uns mit der Fastenzeit auf das Osterfest vor“, erzählt das Paar aus Bonn. Worauf genau sie in den vor ihnen liegenden Wochen verzichten wollen, hätten sie noch gar nicht so klar festgelegt, so der Mann. „Fastenzeit heißt ja nicht, dass man nur einfach weniger isst, sondern, dass man über die Themen Überfluss und Verzicht nachdenkt“, so seine Frau.

Das sah Sternbergs Freundin genauso, dennoch hat sie sehr konkrete Vorstellungen: „Ich werde – wie Damian – sowohl auf Süßigkeiten als auch auf Alkohol verzichten“, erzählte die junge Dortmunderin. Und auch der Rest der Familie hält es eher traditionell: „Für uns ist das auch eine gute Gelegenheit, generationsübergreifend christliche Traditionen zu bewahren“, so Sophias Tante Irene, deren Sohn zu den Karnevalstagen von seinem Ausbildungsort am Bodensee zum Rest der Familie gestoßen war.