Vorfall am Bertha-von-Suttner-Platz

Bonner nach Schüssen bei Hochzeitskorso verurteilt

Vor Gericht: Der 21-Jährige mit seinem Anwalt Martin Kretschmer.

Vor Gericht: Der 21-Jährige mit seinem Anwalt Martin Kretschmer.

Bonn. Teuer zu stehen kommen einen Hochzeitsgast mehrere Schüsse mit einer Schreckschusspistole bei einem Konvoi am Bertha-von-Suttner-Platz. Nun wurde der 21-Jährige verurteilt.

Rauchwolken, Hupkonzert und Schüsse: Bedrohlich wirkte das Szenario am 22. Oktober 2017, als ein Konvoi mit 15 Autos den Bertha-von-Suttner-Platz passierte. Beim Stopp vor einer Ampel stieg ein Mann aus, zog eine Waffe, richtete sie gen Himmel und schoss. Zwei, drei Mal. Panik brach aus. Ein Terrorakt?

In der Einsatzleitstelle im Polizeipräsidium gingen zahlreiche Telefonate ein. Schießerei in der Innenstadt! Am helllichten Tag. Sofort wurde die ganze Maschinerie in Gang gesetzt, ein Großeinsatz ausgelöst. Mindestens sechs Streifenwagen wurden in den Einsatz geschickt, auch Hubschrauber angefordert. Tatsächlich jedoch waren es „Freudenschüsse“ einer türkischen Hochzeitsgesellschaft, die auf dem Weg nach Köln war. Die Gäste hatten in Bonn den Bräutigam abgeholt und waren in Feierlaune. Auch der Schütze.

Das Bonner Amtsgericht hat den 21-Jährigen am Dienstag wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt. Auf der Anklagebank zeigte sich der junge Mann, der zurzeit eine Ausbildung zum Mechatroniker macht, durchaus geknickt und entschuldigte sich für die „große Dummheit“. Er habe in die Luft geschossen, um – wie alle anderen auch – irgendwie Lärm zu machen. Sein Anwalt Martin Kretschmer ergänzte: An die gravierenden Folgen, die so eine Schussabgabe auslösen könnte, habe sein Mandant überhaupt nicht gedacht. Auch nicht, dass Menschen in Panik geraten könnten.

Der Polizei hatte die Kolonne damals am Verteilerkreis gestoppt und die feingekleidete Hochzeitsgesellschaft kontrolliert. Der Schütze jedoch war nicht mehr darunter, auch nicht die Schreckschusspistole, die der Angeklagte zu Unrecht und ohne eine Berechtigung geführt hatte. „Als ich merkte, was da los ging, habe ich sie in den Rhein geworfen“, sagt der 21-Jährige vor Gericht. Nachdem die Beamten bei den Hochzeitsgästen nichts weiter Verdächtiges gefunden hatten, erhielt die Kolonne freie Fahrt in die Domstadt, wo die Braut wartete.

Die „Freudenschüsse“ werden dem 21-Jährigen – neben seiner Verurteilung – noch teuer zu stehen kommen. Auch die Kosten für den Großeinsatz der Polizei muss er tragen. Wie Frank Piontek, Sprecher der Bonner Polizei, auf Anfrage bestätigte, werden ihm für den ganzen „Spaß“ 3200 Euro in Rechnung gestellt.