Einführung im Haus Venusberg

Bonner machen Freiwilliges Soziales Jahr

Max Walter und Hussin Jama freuen sich auf ihre Tätigkeit als Freiwillige. Walter will seine Zeit sinnvoll nutzen, Jama später eine Ausbildung im sozialen Bereich beginnen.

Max Walter und Hussin Jama freuen sich auf ihre Tätigkeit als Freiwillige. Walter will seine Zeit sinnvoll nutzen, Jama später eine Ausbildung im sozialen Bereich beginnen.

Bonn. Jugendliche nutzen die Zeit zwischen Schule und Ausbildung für den Freiwilligendienst beim Erzbistum. Und machen dabei interessante Erfahrungen.

Zwischenstopp oder berufliche Orientierung, die Gründe sich nach der Schule für ein Freiwilliges Soziales Jahr zu entscheiden sind vielschichtig. Am Donnerstag trafen sich etwa 120 Freiwillige im Haus Venusberg zum Einführungstag der Freiwilligen Sozialen Dienste im Erzbistum Köln.

Für Hussin Jama stand nach einigen Semestern VWL fest, dass dieser Bereich nicht das ist, was er sich für ein erfülltes Berufsleben wünscht. Statt sich um unternehmerische Gewinnmaximierung zu kümmern, bestimmen nun minderjährige unbegleitete Flüchtlinge seinen Arbeitsalltag. „Für mich ist die Volkswirtschaftslehre nichts. Ich möchte den Menschen in den Mittelpunkt meiner Tätigkeit stellen, etwas Gutes tun und helfen“, sagt Jama. In einem sechswöchigen Praktikum hat er zunächst getestet, ob ihm die Arbeit Spaß machen würde. Und das tut sie, wie er sagt. Seine Augen leuchten, wenn er über seine Aufgaben spricht. Er begleitet die Jugendlichen bei Behördengängen, unternimmt in der Freizeit etwas mit ihnen und unterstützt sie, damit sie in Bonn Fuß fassen.

Schon jetzt steht für ihn fest, dass er nach dem Jahr der Freiwilligenarbeit einen sozialen Beruf ergreifen möchte. „Mein Favorit ist eine Erzieherausbildung“, sagt er, überlegt kurz und ergänzt, dass auch ein Studium der Sozialen Arbeit Spaß machen könnte.

Den Vormittag über waren er und 58 weitere Freiwillige, die im Juli und August bereits ihren Dienst angetreten haben, im Haus Venusberg, um sich kennen zu lernen. Am Nachmittag kam die nächste Gruppe. Die 16- bis 26-Jährigen wirken noch etwas schüchtern. Auch deshalb werde der Kennenlerntag angeboten, erklärt Sprecherin der Freiwilligen Sozialen Dienste im Erzbistum Köln, Panagiota-Johanna Alexiou. „Es ist ein bisschen wie der erste Schultag. Alles ist neu“, sagt sie. Jeder trägt sichtbar ein Namensschild an seinem Shirt oder Pullover. Rollenspiele, Impulsvorträge, all das soll dazu beitragen, die Freiwilligen zu stärken.

Die Freiwilligen arbeiten in Seniorenheimen, Kindertagesstätten oder anderen sozialen Einrichtungen. Neben der praktischen Arbeit nehmen sie an so genannten Bildungstagen im Haus Venusberg teil. Dabei haben sie die Möglichkeit, sich auszutauschen und sich ihrer Stärken und Ziele bewusst zu werden.

Bezüglich seiner Ziele ist Max Walter schon einen Schritt weiter gekommen. Bevor er sich für die Freiwilligenarbeit entschieden hat, machte er etliche Praktika, beim Schreiner, beim Bootsbauer und anderen Handwerksbetrieben. Jetzt arbeitet er in Bad Godesberg in der technischen Abteilung eines Altenheims. „Ich kümmere mich dort um alles Mögliche, eben um technische Dinge, übernehme aber auch Fahrdienste zum Arzt oder dergleichen“, erzählt der 19-Jährige. Er werde aber voraussichtlich kein ganzes Jahr dort bleiben, denn Walter möchte sich bei der Bundespolizei bewerben. „Gutes tun und ein bisschen Action haben“, sagt der junge Mann, das wäre der optimale Job für ihn.

Eine Verletzung hatte ihn länger aus dem Verkehr gezogen, auch deshalb will er die verbleibenden Monate bis zum Einstieg in eine Ausbildung sinnvoll nutzen. „Ich verliere sonst zu viel Zeit“, erklärt er. Viele andere, die an diesem Vormittag ins Haus Venusberg gekommen sind, denken ähnlich.