Anwohner fordern Alkoholverbot

Bonner klagen über Drogenszene am Kaiserbrunnen

Wegen Absperrungen rund um die Baustelle am Maximiliancenter weicht die Szene an den Kaiserbrunnen aus.

Wegen Absperrungen rund um die Baustelle am Maximiliancenter weicht die Szene an den Kaiserbrunnen aus.

Bonn. Anlieger und Passanten berichten am Kaiserbrunnen vor der Unterführung zur Poppelsdorfer Allee in Bonn von Drogenkonsum auf offener Straße. Die Stadt will die Situation beobachten.

Anderthalb Jahre hat Ruhe geherrscht rund um den Kaiserbrunnen an der Unterführung zur Poppelsdorfer Allee. Damals hatte die Stadt Bonn dem Pächter des Kiosks in der Unterführung ein Alkoholverkaufsverbot erteilt, weil das Billigbier, das der Mann verkaufte, viele Alkohol- und Drogenkranke anlockte, die sich dann dort aufhielten, und es immer wieder zu Prügeleien untereinander und Belästigungen der Passanten gekommen war. Der Kioskbetreiber kündigte, die Stadt vergab das Lokal an einen neuen Betreiber. Jetzt ist die Alkohol- und Drogenszene zurück. Zum Ärger der Geschäftsleute und vieler Passanten.

Grund für die Rückkehr ist offenbar die Baustelle rund um das Maximiliancenter: Seit einigen Tagen ist das überdachte Rondell an der Rampe zur U-Bahn – bisher Haupttreffpunkt dieser Szene – mit einem Bretterzaun abgesperrt. „Die macht sich jetzt hier am Kaiserbrunnen breit“, beklagt der Betreiber der vegetarischen Imbissbude, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er habe seither einen deutlichen Kundenrückgang zu verkraften, weil die meisten Passanten nur noch schnell weg wollten aus dem unwirtlichen Bereich. „Meine Tochter und ich haben sogar schon beobachtet, wie diese Leute hier auf offener Straße ungeniert Drogen konsumieren“, berichtet der Mann.

Zustand ist unerträglich

Er habe deswegen beim städtischen Ordnungsamt angerufen. Doch ein Mitarbeiter habe ihm mangelndes Verständnis für diese Menschen vorgeworfen. Monika Lunge verkauft nebenan Blumen und beobachtet, dass der Platz am Kaiserbrunnen vor allem morgens von der Alkohol- und Drogenszene bevölkert wird. „Nächste Woche beginnt die Schule, da gehen wieder viele Kinder durch die Unterführung. Ich kann nur hoffen, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamts, wie man uns versprochen hat, die Situation im Auge behalten. Bisher fühlen wir uns hier alle von der Stadt allerdings im Stich gelassen.“

Lunge hatte den Stein ins Rollen gebracht, als es um das Alkoholverkaufsverbot ging. Damals hatte es öfter Schlägereien direkt vor ihrem Blumenstand gegeben.

Henriette Reinsberg, die ganz in der Nähe der Pop-Unterführung wohnt, ist ebenfalls schon mehrfach von Bürgern auf die neue Situation rund um den Kaiserbrunnen angesprochen worden. „Dieser Zustand ist nicht akzeptabel“, sagt die CDU-Stadtverordnete, zumal es sich dort um eine der zentralsten Unterführungen in Bonn handele, die täglich von vielen Tausend Menschen durchquert werde. Sie wisse, dass man im Grunde nicht viel dagegen machen könne, dass sich diese Personen dort aufhielten. „Wir haben schon einmal vergeblich versucht, ein Alkoholkonsumverbot für diesen Bereich zu erreichen.“ Das sei aber an bestimmte Bedingungen geknüpft. So müsse zuvor eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit vorgelegen haben. „Ich habe dem Leiter des Stadtordnungsamts geschrieben und ihn gebeten, tätig zu werden und konsequent bei Verfehlungen durchzugreifen.“ Sie wolle das Problem rund um den Kaiserbrunnen in ihrer Fraktion thematisieren.

„Nach Ostern haben Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern den Stadtordnungsdienst erreicht, dass in der Nähe des Kaiserbrunnens Drogen konsumiert werden“, bestätigt Stefanie Zießnitz vom Presseamt. Der Ordnungsdienst arbeite diesbezüglich eng mit der Polizei zusammen: Der Drogenhandel und -konsum würden entsprechend sanktioniert, wie auch wildes Urinieren und aggressives Betteln. Wenn nötig, würden Platzverweise ausgesprochen: „Wir werden die Situation weiter beobachten.“