Neue Substitutionsambulanz

Bonner fürchten neue Drogenszene in der Südstadt

Stein des Anstoßes: Die neue Substitutionspraxis an der Niebuhrstraße in einer ehemaligen Sparkassenfiliale.

Stein des Anstoßes: Die neue Substitutionspraxis an der Niebuhrstraße in einer ehemaligen Sparkassenfiliale.

Bonn. Die Verwaltung der Stadt Bonn will eine Substitutionsambulanz an der Niebuhrstraße in der Südstadt genehmigen. Anwohner beschweren sich, dass die Patienten an Fassaden urinieren.

Neuer Aufreger in der Südstadt: In der Niebuhrstraße richtet sich der Unmut von Anliegern gegen einen Arzt, der in der ehemaligen Sparkassenfiliale offensichtlich ohne Erlaubnis eine Substitutionspraxis eröffnet hat. Darüber hatten sich Anwohner bei der Stadt beschwert. Dem Arzt droht nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, er kann allerdings weiter praktizieren. Die Stadt darf ihm eine Genehmigung nicht verweigern.

Sie muss den Antrag des Arztes auf eine Nutzungsänderung der früheren Sparkassenräume in eine „Praxis für psychiatrische und psychosomatische Störungen“ genehmigen, antwortete die Verwaltung auf eine Große Anfrage des Bürger Bunds Bonn (BBB). Dabei verweist sie auf die Umgebungsbebauung, in der sich bereits Arztpraxen, Anwaltskanzleien, Steuerberater und andere Institutionen niedergelassen hätten.

In diesem Zusammenhang erläutert die Verwaltung auch, dass planungs- und bauordnungsrechtlich sogenannte Substitutionspraxen nicht von „normalen Praxen“ unterschieden würden. Nach Klärung diverser bauordnungsrechtlicher Fragen könne in Kürze eine Baugenehmigung erteilt werden. Allerdings hat die Stadt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Mediziner eingeleitet. In solchen Fällen können laut Andrea Schulte vom Presseamt bis zu 500.000 Euro fällig werden. Wie hoch die Geldstrafe für den Arzt ausfällt, dürfe die Stadt öffentlich nicht sagen.

Anwohner hatten BBB-Fraktionschef Marcel Schmitt informiert, dass offensichtlich der Drogenszene zugehörige Personen an Fronleichnam und dem darauffolgenden Wochenende vor der einstigen Sparkassenfiliale in größeren Gruppen auf Einlass gewartet hätten. Dabei sei es im nahen Umfeld zu Belästigungen von Passanten durch Bettelei gekommen.

Michelle Zimmermann betreibt mit ihrem Mann die gegenüberliegende Bäckerei und kann die Sorgen der Anwohner nachvollziehen, obgleich sie sich neutral verhalten wolle. „Wir haben die Bäckerei hier schließlich nur gepachtet.“ Einige Anwohner, so erfuhr der GA, haben sich inzwischen einen Anwalt genommen. „Die Anlieger sind noch nicht einmal über diese Ansiedlung informiert worden“, beschwert sich Georg Köhler. Der 62-Jährige wohnt zwar jenseits der Bahnschranke, kauft aber regelmäßig in der Bäckerei ein und nutzt den Geldautomaten, der neben der Praxis hängt. „Dort werde ich in Zukunft kein Geld mehr abheben“, sagt Köhler. Er befürchte wie auch die unmittelbaren Nachbarn der Praxis, dass sich die Drogenszene rund um die Niebuhrstraße verlagern werde.

Seit die Praxis geöffnet habe, klagten Anwohner, dass die Patienten an Fassaden urinierten und Bier auf der Straße trinken würden. „Das habe ich auch schon beobachtet.“ Dabei gingen viele Kinder dort entlang, sagte Köhler mit Verweis auf mehrere Kitas in dem Quartier. Auf GA-Nachfrage, warum die Anwohner nicht über die Neuansiedlung der Praxis informiert wurden, erklärte das städtische Presseamt: „Eine Informationspflicht besteht weder seitens der Verwaltung noch seitens des Praxisinhabers.“

Marcel Schmitt fordert nun in einem Antrag für den Unterausschuss Bauplanung, die Verwaltung solle keine Genehmigung erteilen. Zumal bekannt sei, dass Bonner Substitutionspraxen nicht nur von hier ansässigen Drogenabhängigen aufgesucht würden, sondern auch von Suchtkranken aus der Region und nicht selten auch aus Köln. Der Ratsherr erinnerte daran, dass just dieser Arzt bereits in Beuel eine Substitutionspraxis eröffnet hatte und sie wegen fehlender Genehmigung wieder habe schließen müssen. Von dem Arzt selber war trotz mehrfacher telefonischer Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.