Nach dem Tod von Jan Loh

Bonner erinnern sich an den "Alle-mal-malen-Mann"

Sein Stammlokal "James Joyce" erinnert an den "Alle-mal-malen-Mann".

Sein Stammlokal "James Joyce" erinnert an den "Alle-mal-malen-Mann".

Bonn. Bonns bekanntester Stadtmaler ist tot. Viele Tausende Bilder malte Jan Loh in seiner Zeit als "Alle-mal-malen-Mann" in Bonner Kneipen und Biergärten. Für viele Bonner bleibt er eng mit ihrer Heimatstadt verbunden.

Er war Bonns bekanntester Stadtmaler. „Darf ich euch alle mal malen hier?“, mit dieser Frage lief der Mann, der sich als Jan Loh ausgab und in Bonn als der „Alle-mal-malen-Mann“ bekannt wurde, von Kneipe zu Kneipe, von Tisch zu Tisch, von Gast zu Gast – und wurde in der Bundesstadt und darüber hinaus zur Ikone. Am Montag wurde nach GA-Recherchen bekannt, dass Jan Loh vergangene Woche an den Folgen eines Sturzes verstarb.

Welche Bedeutung der „Alle-mal-malen-Mann“ für Bonn hat, lässt sich nur erahnen. Sein Tod wird nach Bekanntwerden binnen Stunden zum Stadtgespräch, auf der Facebook-Seite des General-Anzeigers hinterlassen Tausende Menschen Kommentare und Reaktionen. Auch bekannte Größen aus der Politik äußern sich dazu.

 

 

In seinem Stammlokal „James Joyce“ im Mauspfad brennt am Montagabend in Gedenken an ihn eine einzelne Kerze neben einer Zeichnung des Künstlers auf dem Tresen der Bar. Während von draußen Rufe einer Kurdendemo herüber hallen, läuft drinnen das Lied „Bitter Sweet Symphony“ von „The Verve“, ausgerechnet. „Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem er in den letzten zehn Jahren nicht da war – bis auf vergangene Woche“, sagt Kneipenwirt Stefan Bernhard. Am Freitag hatte er einen Suchaufruf gestartet, nachdem Loh mehrere Tage lang nicht aufgetaucht war.

Fotoecke im James Joyce

„Er wird uns extrem fehlen“, sagt Bernhard, der trotz emsiger Betriebsamkeit zwischen dem Jonglieren mit Gläsern und Flaschen seine Betroffenheit nicht verbergen kann. „Seine Zeichnungen, auch wenn sie einfach waren, hatten eine enorme Ausdrucksstärke“, sagt er. Obwohl er sich häufig mit Loh unterhalten habe, über das Privatleben des 86-Jährigen wisse er wenig. „Darüber hat er kaum gesprochen“, sagt Bernhard. Trotzdem habe er sich durch seine stetige Präsenz wie Familie angefühlt.

Maximilian König ist an diesem Abend Gast in der Kneipe und bleibt lange vor der Zeichnung am Tresen stehen. Am 17. Februar habe er ein Bild mit einer Frau zeichnen lassen, die er damals zu einem Rendezvous getroffen habe. Heute seien sie ein Paar. „Ich bin schockiert über seinen Tod, weil ich die Erinnerung an diesen Abend noch lebhaft vor mir habe“ sagt er. Bald schon soll laut Bernhard im James Joyce eine Fotoecke an den Stadtmaler erinnern und ein Versprechen erfüllen: „Die Erinnerung an ihn bleibt so lange, wie diese Kneipe existiert.“

"Er wird Bonn fehlen"

Auch im Bönnsch an der Sterntorbrücke war Jan Loh täglich Gast, erinnert sich Kellnerin Annchristin Henseler. „Wenn er nur wüsste, wie sehr die Leute sich jetzt an ihn und seine Zeichnungen erinnern“, sagt sie.  „Er war ein Bonner Original, das fehlen wird.“ Mit Loh verbindet der 27-jährige Kneipengast Martin seine Studienzeit. „Ich habe zwar genug Bilder von ihm, trotzdem wird er in Bonn fehlen“, so der ehemalige Medizinstudent

Doch nicht jeder Kneipenwirt ist auf Loh gut zu sprechen. „Er war häufig aufdringlich“, sagt einer, der nicht namentlich genannt werden will. In den vergangenen Jahren sei er zunehmend plump zu den Gästen geworden. Für einen ruppigen Kommentar bei einer Ablehnung war Loh durchaus bekannt. Gleichzeitig blieb der Mensch hinter der Figur des „Alle-mal-malen-Mannes“ für die Bonner ein Rätsel.

 

Der Mann auf dem klapprigen Fahrrad

„Obwohl er ständig auf seinem Fahrrad in der Stadt zu sehen war, bleibt er ein Mythos, um den sich Tausende Thesen ranken“, sagt Julia, die im Pawlow in der Bonner Altstadt den Abend bei einem Bier ausklingen lässt. Selten habe sie einen Menschen gesehen, der scheinbar so einsam gewirkt habe, schildert sie ihren Eindruck. Und das, obwohl er nicht aus Bonn wegzudenken sei. „Es bleibt das Gefühl jemandem verloren zu haben, der Bonn charakterisiert hat“, sagt die 36-Jährige.

Die vielen Tausend Bilder, die Jan Loh in seiner Zeit als Stadtmaler gezeichnet hat, sie bleiben letztendlich ungezählt und was ihn antrieb, bleibt vielen ein Rätsel. Nur wenig gab Loh von sich preis. Doch der Mann auf dem klapprigen Fahrrad wird vielen Bonnern fehlen, seine Bilder und sein Auftreten werden in Erinnerung bleiben. Damit hat sich Loh in Bonn ein Denkmal geschaffen. James-Joyce-Chef Bernhard drückt es so aus: „Der „Alle-mal-malen-Mann“ ist in Bonn bekannter als der Bürgermeister.“

Im Trauerportal des General-Anzeigers kann kostenlos eine Beileidsbekundung für den "Alle-mal-malen-Mann" hinterlassen werden. Bei der Traueranzeige zu Jan Loh geht das im Menü bei "Kerze entzünden".