Ökumenische Veranstaltung

Bonner beten im Münster für Frieden in Syrien

Ex-Botschafter Alfred Vestring und seine Frau Ulrike hoffen, dass ein US-Militärschlag verhindert werden kann.

BONN. Mit einem selbst gebastelten Schild bezog Alfred Vestring am Samstagabend vor dem Münster Stellung. "Dialog und Verhandlung schaffen Frieden" stand darauf. "Das sind die aktuellen Worte von Papst Franziskus zum Syrien-Konflikt", erklärte Vestring den vorbeieilenden Menschen. Mancher ließ sich in ein Gespräch verwickeln - und ins Münster zum abendlichen Friedensgebet einladen.

Dazu hatten Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher, der evangelische Superintendent Eckart Wüster und der griechisch-orthodoxe Erzpriester Sokrastis Ntallis aufgerufen. "Wir beten als Teil einer weltweiten Gebetskette zeitgleich mit Papst Franziskus in Rom für den Frieden in der Welt", erklärte Schumacher, als er nach Zeiten der Stille immer wieder zu gemeinsamen Gebetseinheiten lud. Besuchern wurden Texte und Kerzen gereicht. Nach und nach flackerte am Altar ein Meer von Lichtern unter dem großen Kreuz.

Er sei deutscher Botschafter in Saudi Arabien, Pakistan, Madagaskar und dem Jemen gewesen, kenne die Krisenregion also sehr genau, erläuterte Alfred Vestring, der Mann mit dem Protestschild, dem GA. Man möge den Beweisen der US-Geheimdienste für die Schuld an der Giftgaskatastrophe in Syrien "mit großer Skepsis" begegnen, riet der Ex-Diplomat. "Vor allem löst ein militärischer Schlag derzeit gar nichts." Vestring hielt ein weiteres Schild noch: "Gewalt ruft Gewalt hervor".

Sie habe, nachdem "Friedenspapst" Franziskus zum Syrien-Konflikt genau diese Aussagen gemacht habe, sofort beim Stadtdechanten angefragt, "was jetzt in Bonn passiere", ergänzte Vestrings Ehefrau Ulrike. Mit ihren Mitstreitern des Bonner Friedensbündnisses sei sie an diesem Abend hier im Münster. "Man steht ja als Pazifist meist allein. Ein gemeinsamer Abend aber stärkt uns. Wir können so letztlich auch Einfluss auf unsere Regierung nehmen."

Immer mehr Menschen nahmen im Münster Platz, um zu beten. Einige englischsprachige Touristen schauten sich irritiert um. Nachdem ihnen der Zweck des Abends erklärt wurde, diskutierten sie leise - und zündeten dann ebenfalls Kerzen an. Über 150 betende Menschen wurden am späten Abend gezählt.

Auch Bonner wie Margret von Haehling: Wenn sich auch viele Menschen zeitgleich auf Pützchens Markt amüsierten, spüre doch jeder sicher derzeit eine Ohnmacht, eine Hilflosigkeit, dass gar nicht so weit entfernt weitere Menschen getötet werden sollten, sagte die Vorsitzende des Bonner Katholikenrates: "Das Letzte, was da überhaupt noch hilft, ist das Beten."