Kultobjekt Mercedes-Stern

Bonner Wahrzeichen kommt nach Bayern

Bonn Center

Bonn Center

Bonn. Das Markenzeichen des ehemaligen Bonn-Centers bleibt nicht in der Bundesstadt - das geplante Mercedes-Museum im bayerischen Ornbau bekommt das sich Jahrzehnte drehende Bonner Wahrzeichen.

Das Geheimnis ist gelüftet: Der Mercedes-Stern, der fast 50 Jahre lang auf dem im März gesprengten Bonn-Center prangte, kehrt nicht mehr zurück in die Bundesstadt Bonn. Er soll an diesem Donnerstag dem „Mercedes-Benz Markenclub vdh“ in Ornbau, ein Städtchen in Bayern im mittelfränkischen Landkreis Ansbach, überreicht werden. Das teilte Frank Mühling, Sprecher der Mercedes-Benz Museum GmbH in Stuttgart am Mittwoch dem GA auf Nachfrage mit.

Der Club will Mühling zufolge den Stern zu einem zentralen Exponat einer Ausstellung zu Ehren der Marke Mercedes-Benz und ihrer Fahrzeuge in einem eigens dafür geplanten Gebäude in Ornbau machen. Die Eröffnung ist für 2019 vorgesehen. Damit hat sich die Hoffnung vieler Bonner zerschlagen, der Stern könnte dem in Bonn ansässigen Haus der Geschichte überlassen werden.

Durchmesser von acht Metern

„Im geplanten Museum des Clubs vdh erhält dieses wichtige historische Kulturgut künftig ein neues Zuhause“, sagte Mühling. Mercedes-Benz unterstreiche mit diesem Projekt gleich zweifach das Engagement in der aktiven Pflege der Markenhistorie: Zum einen werde die Arbeit eines der engagierten Markenclubs gefördert. Aber der Bonner Stern sei auch aus Perspektive der Markengeschichte bedeutsam. „Bei diesem Stern handelt es sich um einen weißen Stern, wie er früher verwendet wurde. Heute glänzen die Markenzeichen metallisch-silbern, wie es die als Kühlersymbol verwendeten Mercedes-Sterne schon immer tun“, so Mühling.

Der Stern hat einen Durchmesser von acht Metern und ist damit ungefähr so hoch wie ein zweistöckiges Haus. Er wurde nach Fertigstellung des Bonn-Centers 1969 auf dem Gebäude installiert und drehte sich seither alle zwei Minuten einmal um die eigene Achse. Nachts wurde er zudem angestrahlt, sodass der leuchtende Stern auch in der Dunkelheit weithin sichtbar blieb. Für viele war der Mercedes-Stern das Symbol für die Wirtschaftskraft Deutschlands und die satten Jahre der Bonner Republik. Er ist über Foto- und Fernsehaufnahmen in der ganzen Welt berühmt geworden.

Das Bonn-Center zählte lange zu den ersten Adressen Bonns. In den oberen Stockwerken beherbergte es viele Jahre lang das Steigenberger Hotel, in dem oftmals berühmte Persönlichkeiten logierten, darunter der Großreeder Aristoteles Onassis. 1988 begann der Niedergang des Gebäudekomplexes, das einmal die neue Mitte Bonns bilden sollte: Das Steigenberger zog aus. Die Zimmer wurden in Büros umgewandelt, die Deutsche Post zog ein und wieder aus. Seither gab es immer mehr Leerstand. Das Pantheon räumte im Sommer 2016 nach fast 30 Jahren seine Theaterräume im einstigen Forum des Bonn-Centers und zog um in die Halle Beuel.

EU-Arzneimittelagentur als Mieterin im Gespräch

2014 erwarb die Art Invest aus Köln den gesamten Komplex. Er wurde zunächst entkernt, dann entschieden sich die Investoren für die Sprengung. Sie erfolgte am Sonntag, 19. März, um punkt 11 Uhr. In wenigen Sekunden war das Bonn-Center Geschichte. Neben Tausenden von Schaulustigen verfolgten auch rund 100 Journalisten, darunter Teams aus Russland und Albanien, das Spektakel aus sicherer Entfernung von der Reuterbrücke aus. Sprengmeister Eduard Reisch war eine bilderbuchmäßige Sprengung gelungen. Inzwischen sind die Riesenschuttberge abgeräumt. Das Areal wartet nun darauf, bebaut zu werden. Hielt sich Art Invest bisher mit Angaben zu künftigen Nutzern zurück, so ist jetzt die EU-Arzneimittelagentur (EMA) mit mehr als 900 Mitarbeitern als künftige Mieterin am Bundeskanzlerplatz im Gespräch – vorausgesetzt Bonn erhält von der EU den Zuschlag als neuer Standort für die EMA. Wie berichtet, muss die Agentur nach dem Ausstieg von Großbritannien aus der EU (Brexit) London verlassen.

Das dürfte indes den Mercedes Club in Ornbau – mit rund 7 000 Mitgliedern einer der größten offiziell anerkannten Mercedes Clubs in Deutschland– wohl nicht so sehr interessieren. Dort freut sich Club-Chef Horst Stümpfig, dass „dieser geschichtsträchtige Mercedes-Stern uns übergeben wird und wir ihn in unserem neuen Museum als zentralen Mittelpunkt ausstellen können“.