Ärger um Sportstättengebühr

Bonner Vereine sollen Plätze selbst pflegen

Der BSV Roleber soll sich künftig an der Pflege seines Kunstrasenplatzes beteiligen. Auch mit dem FC Blau-Weiß Friesdorf und dem Oberkasseler FV 1910 will die Stadt sprechen.

Der BSV Roleber soll sich künftig an der Pflege seines Kunstrasenplatzes beteiligen. Auch mit dem FC Blau-Weiß Friesdorf und dem Oberkasseler FV 1910 will die Stadt sprechen.

Bonn. Müssen Vereine, die sich nicht an der Pflege städtischer Sportstätten beteiligen, demnächst Gebühren zahlen? Ein Blick in den aktuellen Haushaltsentwurf für 2019 und 2020 legt das nahe.

Müssen Vereine, die sich nicht an der Pflege städtischer Sportstätten beteiligen, demnächst Gebühren zahlen? Laut aktuellem Haushaltsentwurf für die Jahre 2019 und 2020 könnte das so kommen. Dort hat Kämmerin Margarete Heidler jeweils 375.000 Euro als Einnahmen veranschlagt. Im Sportausschuss löste das Thema am Mittwochabend eine heftige Debatte aus, nachdem die SPD kritisch nachgehakt hatte. Die Gebühr ist seit Jahren umstritten.

„Ja, diese Einnahme muss realisiert werden“, bestätigte Kämmereileiter Michael Schütte in der Sitzung. Das Verfahren sei innerhalb der Stadtverwaltung abgestimmt, und es werde ein Konzept erarbeitet, wie die Vereine Eigenleistungen statt Zahlungen erbringen könnten. Hintergrund: Schon seit 2015 will die Stadt mithilfe der Vereine die Kosten senken. Der städtische Sportstättenpflegedienst ist bisher mit zwei Millionen Euro im Jahr angesetzt, 1,5 Millionen davon sind Personalkosten. Sportamtsleiter Stefan Günther schließt nicht aus, dass mehr Personal nötig sein könnte. Die Kennzahlen des Pflegedienstes würden gerade überprüft.

Als Sparziel unter Mitwirkung der Vereine hat sich die Stadtverwaltung jene 375.000 Euro gesetzt. Die stehen aber schon seit 2015 nicht als Einsparung im Haushalt, sondern als Einnahme – laut Verwaltung aus formalen Gründen. Allerdings konnte bisher noch kein einziger Verein offiziell loslegen, und Geld ist auch nicht geflossen.

Stadt lässt drei Kunstrasenplätze einzäunen

„Es gibt keine Rechtsgrundlage dafür, Rechnungen zu schreiben“, erklärte Sportamtsleiter Günther. Man könne die Vereine auch nicht mit einer Summe belasten, die „womöglich nicht erreichbar“ sei. Günther, der seit knapp zwei Jahren im Amt ist, kritisierte die Vorgehensweise der Stadt als „falsch“. Bevor Summen in den Etat eingestellt würden, müsse zunächst ein Konzept stehen, um die Vereine zu mehr Eigenleistung zu motivieren.

Genau das soll mit einem Pilotprojekt angeschoben werden, das der Sportausschuss einstimmig absegnete. Drei Vereine sollen sich an der Pflege ihrer Kunstrasenplätze beteiligen. Dazu würde auch das nach Herstellervorgaben nötige tägliche Entfernen von Herbstlaub gehören, das die Stadtverwaltung bisher nicht sicherstellen kann. Details will das Sportamt noch mit dem FC Blau-Weiß Friesdorf, dem BSV Roleber 1919 und dem Oberkasseler FV 1910 besprechen. Um dem grassierenden Vandalismus vorzubeugen, lässt die Stadt die drei Kunstrasenplätze einzäunen. Sie müssen allerdings von 8 bis 22 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Den Zugang in dieser Zeit sollen die Vereine notfalls mit einer telefonischen Rufbereitschaft sicherstellen. Das Interesse an diesem Pilotprojekt sei auch bei anderen Vereinen groß, berichtete Günther.

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) unterstützt das Projekt. Um so irritierter reagierte Geschäftsführer Bernd Seibert im Sportausschuss darauf, dass die 375.000 Euro noch im Haushaltsentwurf stehen. Viele Vereine erbrächten zudem längst Eigenleistungen, die nirgends angerechnet würden, betonte er. Grünen-Politiker Rolf Beu wunderte sich über die „unterschiedlichen Stimmen aus der Stadtverwaltung“. Einig war sich der Ausschuss, dass die Vereine nicht finanziell belastet werden sollen. „Das ist Konsens“, stellte der Vorsitzende Christos Katzidis (CDU) fest. „Wir wollen nur die Eigenbeteiligung stärken.“ Peter Kox (SPD) kritisierte die Verwaltung, sie habe im Haushalt an diesem Punkt „nicht die nötige Seriosität“ gezeigt. Die Genossen kündigten einen Antrag an, die 375.000 Euro aus dem Entwurf zu streichen.