"Mediation fördern"

Bonner Verein vermittelt, wenn Konflikte eskalieren

Mediator Klaus Cox und Konfliktlotsin Birgit Rösch klären Passanten über die Möglichkeiten einer Mediation auf.

Mediator Klaus Cox und Konfliktlotsin Birgit Rösch klären Passanten über die Möglichkeiten einer Mediation auf.

Bonn. Wenn der Streit mit Familie, Kollegen oder Mitbewohnern so heftig wird, dass er kaum noch zu lösen ist, kommen sie ins Spiel. Die Konfliktlotsen des Bonner Vereins "Mediation fördern" helfen dabei, eine Lösung zu finden.

„Um was geht es eigentlich?“, ist eine Frage, die sich Konfliktparteien in den seltensten Fällen selbst stellen. Oft verhakt man sich in Streitfällen derart, dass es immer unmöglicher wird, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Wer einmal selbst die scheinbare Ausweglosigkeit in einem Konflikt erfahren hat oder sogar mittendrin steckt, konnte sich am Montag auf dem Münsterplatz über Hilfsangebote informieren. Zum Tag der Mediation standen Konfliktlotsen und Mediatoren aus dem Verein „Mediation fördern“ als Ansprechpartner zur Verfügung. Mit einem Fragebogen gingen sie dort auf die Passanten zu, um zu erfahren, was sie sich unter Mediation vorstellten. Für viele der Angesprochenen war der Begriff neu. Man kannte Streitschlichter, wusste jedoch nicht, dass man sich auch bei Mediatoren Hilfe holen kann.

In persönlichen Gesprächen erfuhren die Konfliktlotsen und Mediatoren von ungelösten Problemen in der Familie, im Beruf oder Studium. Dabei bestätigte sich für Birgit Rösch, die sich als Mediatorin des Vereins auch ehrenamtlich als Konfliktlotsin für kostenlose Beratungsgespräche zur Verfügung stellt, das Vorurteil, dass eher die angesprochenen Frauen auf dem Münsterplatz bereit waren, über Konfliktsituationen zu sprechen, als die Männer. „Hier ist das Spektrum der Probleme bereits sehr groß gewesen“, so Rösch. Es reichte von der Frauenärztin, die über Konflikte in ihrer Praxis genauso sprach, bis zum Studenten, der Ärger in seiner Wohngemeinschaft hatte. „In meinem Beruf habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Leute einfach nicht miteinander sprechen. Jetzt kann ich ihnen einen Weg zeigen, wie man zu einer Lösung kommt“, sagte sie. Dabei kann es schon mal passieren, dass sie mit einem Problem einen ganzen Tag beschäftigt ist. „Wenn Sie vor Gericht ziehen, dann spricht ein anderer über Sie das Urteil“, erklärt Rösch, „bei der Mediation finden beide Parteien gemeinsam eine Lösung“, das sei der bedeutsame Unterschied.

Hilfe für Seehofer und Merkel?

„Der Mediator hilft, einen Perspektivwechsel hinzukriegen, mal seine eigene Sicht zu verlassen und den Konflikt von außen zu betrachten.“ Heinz Pilartz, der sich als Mediziner unter anderem auf die Mediation zwischen Arzt und Patient spezialisiert hat, ergänzt, dass das Fragen die Kunst der Mediatoren sei: „Aktiv zuhören und fragen. Nur dadurch gelingt es uns ‚hinter die Kulissen‘ zu sehen.“ Dabei kommen die Mediatoren aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Neben der Personalleiterin und dem Mediziner war mit Klaus Cox auch ein Jurist ansprechbar, für den seine zusätzliche Mediationsausbildung auch vor Gericht kein Nachteil ist. Er war sich sicher, dass viele aktuelle Konflikte („Merkel und Seehofer“) durchaus mithilfe von Mediatoren gelöst werden könnten. Während die Mediatoren der Konfliktlotsen kostenlos zur Verfügung stehen, wird das Honorar der oft hauptberuflich tätigen Mediatoren frei vereinbart. Als Richtwert wurden etwa 100 Euro pro Stunde genannt.

Die Konfliktlotsen sind unter 01 51/95 44 08 92 und über die Seite www.konfliktlotse-bonn.de erreichbar.