Nach Befreiung im Kreis Ahrweiler

Bonner Tierheim kümmert sich um gerettete Hunde

Einer der geretteten Hunde im Bonner Tierheim.

Einer der geretteten Hunde im Bonner Tierheim.

Bonn. Das Bonner Tierheim hat elf der 136 geretteten Hunde eines Züchters aus dem Kreis Ahrweiler aufgenommen. Zahlreiche Bürger haben bereits ihre Hilfe angeboten und sich bereit erklärt, die verwahrlosten Tiere aufzunehmen.

Flöckchen ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Obwohl völlig zerzaust und abgemagert bis auf die Knochen, wackelt die schwarze Dackelhündin trotzdem am Donnerstagmittag neugierig aus der Box im Bonner Tierheim, wo sie seit Mittwoch untergebracht ist. „Der Hund könnte locker sieben Kilo wiegen, wiegt aber nur drei“, sagt Tierpflegerin Julia Zerwas. Flöckchen ist einer von 136 Hunden, die, wie berichtet, am Mittwoch in einem konzertierten Einsatz von Polizei, Amtstierärzten des Kreises Ahrweiler und neun Tierheimen aus der Region im Haus eines Tierhändler-Paars in der Eifel beschlagnahmt und in Sicherheit gebracht wurden.

Den Grund für Flöckchens Zustand haben Zerwas und die Hausveterinärin des Tierheims schnell herausgefunden. Flöckchens Zähne sind nicht nur völlig verfault und stinken, sie sind auch schmerzhaft mit Haaren verwachsen. Trockenfutter kann der Hund gar nicht mehr beißen, er hat aber wohl seit langer Zeit nichts anderes bekommen, erklärt Zerwas. Sie reicht der Hundedame einen Napf mit fettreicher Suppe zum Schlürfen.

Neben einem Wurf von sechs Dackelwelpen hat Tierpflegerin Zerwas die ältesten und gebrechlichsten Hunde aus dem Haus des Tierhändlerpaars in Bonner Obhut genommen. Zwei Tage nach der Aktion sind die Tiere den Umständen entsprechend wohlauf. Mitarbeiterinnen und eine Veterinärin haben sie noch am Mittwochabend untersucht, gewaschen und mit Mitteln gegen Würmer und Flöhe behandelt. Flöckchen wurden noch in der Nacht die Krallen geschnitten. Die waren so lang gewachsen, dass die Hündin gar nicht mehr stehen konnte und ständig zur Seite kippte.

„Die Tiere wurden teils in Kleintierställen oder Transportboxen gehalten und lagen in ihren eigenen Ausscheidungen“, berichtet Zerwas. „Ich glaube nicht, dass die überhaupt mal ausgeführt wurden.“ Vor zwei Jahren hat die Tierpflegerin das größte Tierheim Europas in Rumänien besucht. Die Zustände in dem Eifelhaus seien um Längen schlimmer gewesen. Ihre eigenen Augen hätten durch das Ammoniak in der Luft getränt, sagt Zerwas.

In der Nachbarbox ist „Corali“ eingezogen. Die angeblich 16 Jahre alte Hündin leidet an einem Säugetumor, der operativ entfernt werden muss. Zerwas hat sie aus einem Hasenstall geholt. In ihrem Körbchen muss sich die Hündin ständig kratzen. Die vielen Flohstiche setzen ihr erheblich zu. Trotzdem ist sie sehr anhänglich. Die geretteten Dackelwelpen sind wegen ihrer Würmer zwar im Quarantänehaus, wuseln aber dort aufgeregt durcheinander und knabbern an Zerwas Schnürsenkeln.

Nach Bekanntwerden des Falls haben zahlreiche Bonner ihre Bereitschaft zur Aufnahme eines der in Obhut genommenen Hunde erklärt. Bis diese vermittelt werden können, wird es aber noch etwas dauern. Zunächst müssen sie aufgepäppelt und ihre Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Einige soll das Ehepaar aus der Eifel bereits interessierten Käufern versprochen haben. Von den Tierheim-Mitarbeitern verlangten die Eheleute dem Vernehmen nach, die Zuchtwelpen nicht unter 1 000 Euro das Stück abzugeben.

Tierheim-Chefin Barbara Töpfer ist empört über den Fall. Es sei ihr völlig unbegreiflich, wie die Mitbewohner des Dorfes dem Treiben offenbar jahrelang zugesehen und vor allem zugehört hätten. „Die Hunde waren lauter als die in unserem Tierheim“, sagt sie. Der Handel mit Rassehunden müsse ein Ende haben. Das Tierheim in Troisdorf hätte gerne geholfen, teilte aber auf Anfrage mit, dass man zurzeit viel sogenannte Fundhunde aufgenommen habe und deshalb aus Kapazitätsgründen keine Hunde aus der Eifel habe aufnehmen können.

 

Infos auf tierheimbonn.de