220 rote Handabdrücke

Bonner Studenten protestieren gegen Kindersoldaten

Janna Lena Schriegel und Mitglieder der UNICEF-Hochschulgurppe übergeben "rote Hände gegen Kindersoldaten" an Ulrich Kelber

Janna Lena Schriegel und Mitglieder der UNICEF-Hochschulgurppe übergeben "rote Hände gegen Kindersoldaten" an Ulrich Kelber

Bonn. Die Unicef-Hochschulgruppe überreichte 220 rote Handabdrücke als Zeichen gegen Kindersoldaten an den Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber.

„Ob ich die am Montag ins Flugzeug bekomme?“, fragte sich SPD-Bundestagsabgeordneter Ulrich Kelber lächelnd, als er fünf Tapetenrollen voller roter Handabdrücke in den Armen hielt. Zum internationalen Aktionstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten hatte die Bonner Hochschulgruppe der Unicef in den Mensen Professoren und Studenten dazu angehalten, ihre Handabdrücke als Zeichen gegen die Ausbeutung von Minderjährigen in Kriegen auf Papier zu bringen. Am Dienstag übergaben die Bonner Studenten 220 Abdrücke an den Politiker.

Jedes Jahr werden deutschlandweit rote Handabdrücke von Unicef gesammelt, um auf die Situation der Kindersoldaten aufmerksam zu machen. „Die Menschen mit der Signalfarbe aufzuwecken ist das Ziel der Aktion“, so Amelie Groß von der Hochschulgruppe. Die rote Hand sei ein Stoppsignal, das an Blut und die jungen Opfer erinnern soll. „Über 250 000 Kindersoldaten gibt es weltweit“, sagt die Leiterin der Unicef-Gruppe, Janna Schriegel. Sie erklärt: „Dazu zählen nicht nur die Minderjährigen an den Waffen, sondern auch Kinder, die als Spione eingesetzt oder mit Soldaten zwangsverheiratet werden.“ Damit werde gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen, die seit 2002 den Kriegseinsatz von unter 18-Jährigen verbietet.

Trotz seiner lockeren Reaktion auf die Menge der Handabdrücke diskutierte Kelber ernsthaft mit den Bonner Studenten. Die Mitglieder des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen wollten mit dem Abgeordneten auch über Deutschlands Anteil an Konflikten im Nahen Osten sprechen. Kelber stand Rede und Antwort zu Waffenexporten in den Jemen und nach Saudi Arabien. „Die eigentlichen Massenvernichtungswaffen sind kleine Waffen wie Maschinengewehre. Wir müssen daran arbeiten, deren Exporte aufzuhalten“, betonte der SPD-Mann. Die Unicef-Gruppe fordert, „auch ins eigene Land zu gucken“.

In Deutschland würden ebenfalls Minderjährige von der Bundeswehr „geködert“, in sie aufgenommen und ausgebildet. Bei dieser Thematik bleibt Kelber ganz auf Parteilinie: eine Ausbildung ohne Waffe solle auch unter 18-Jährigen offen stehen.

Kelber zumindest will – wie auch immer er es anstellen mag – die meterlangen Tapetenrollen im Flugzeug mit nach Berlin nehmen. Er versprach, nicht die letzte Station der roten Hände zu sein, sondern diese an die Verteidigungsministerin weiterzugeben. „Das ist schon ein Thema, das mich bewegt“, sagte Kelber.