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Bonner Student schreibt Buch über Flucht aus Nordkorea

Marcus Theis

Marcus Theis

Bonn. Politikstudent Marcus Theis hat ein spannendes Buch über das Leben in der kommunistischen Diktatur geschrieben. Er erzählt die Geschichte zweier Geschwister in Nordkorea.

Warum ein Bonner Student der Soziologie und Politik über Nordkorea schreibt? „Korea fasziniert mich vor allem in Hinblick auf die Parallelen und Unterschiede zu Deutschland“, sagt Marcus Theis. Der Süden und der Norden Koreas seien in eine kapitalistische und kommunistische Zone geteilt. Es sei sogar zum Krieg gekommen. „Seither ist eine Wiedervereinigung in weiter Ferne und wird insbesondere in Südkorea von vielen auch gar nicht mehr gewollt“, sagt der 22-Jährige. Er hat auf Rucksackreisen in Neuseeland südkoreanische Freunde kennengelernt und viel mit ihnen diskutiert. „Danach hat sich der Gedanke in mir manifestiert, einen Roman über Nordkorea zu schreiben.“

Er studierte Dokumentationen, las Bücher und hörte Vorträge von Hilfsorganisationen wie Amnesty International. „So konnte ich mit Menschen sprechen, die während der großen Hungerkatastrophe dort gelebt haben.“ Sie hätten ihm Bilder von Wäldern gezeigt, wo bei jedem Baum die Rinde abgeblättert worden sei, um sie zu kochen und zu essen. Theis konnte es nicht fassen. Die wichtigsten Quellen für sein Projekt aber fand er beim Besuch in Südkorea. „Ich konnte dort direkt mit einem Geflüchteten aus Nordkorea sprechen.“ Zudem habe er Kontakt zu einem Mann bekommen, der im Korea-Krieg auf Seiten des Nordens gekämpft hatte. Diese Erinnerungen und plastischen Schilderungen der Lebensumstände flossen nun in seinen Roman „Schatten ohne Licht“ ein.

Ein isoliertes Land

Darin erzählt der 22-Jährige die Geschichte zweier Geschwister, die in diesem isoliertesten Land der Welt aufwachsen. Ihr Alltag ist von Hunger, Kälte, harter Arbeit und purer Gewalt geprägt. Die ganz normale Familie lebt aber trotzdem im ungebrochenen Glauben an den „geliebten Führer“ der Diktatorendynastie. Sogar noch, als der abgemagerte Großvater den Hungertod stirbt.

Doch dann beginnt das indoktrinierte Lebensbild in den Enkeln zu bröckeln. Theis lässt sie heimlich verbotene Fotos vom paradiesischen Südkorea betrachten und todesmutig ihre Flucht planen: Ihnen drohen Verrat, Gefangenschaft, Vergewaltigung, erzwungene Prostitution und Abtreibung sowie die bestialische Folter auch der zurückgelassenen Eltern. All das beschreibt Theis mitreißend und trotz seiner Sachlichkeit letztlich herzzerreißend.

Auf Fakten beruhend

„Meine fiktive Geschichte beruht auf Fakten“, betont Theis. Er habe sich aber dagegen entschieden, direkt in Nordkorea recherchieren zu wollen. Er hätte dort doch nur als ständig bewachter Tourist ein Zerrbild der Wirklichkeit wahrgenommen. Außerdem fürchtete er, das Schicksal des kürzlich in Nordkorea verstorbenen US-amerikanischen Studenten zu erleiden. „Aber ich will zum Nachdenken anregen.“

Die aktuellen Drohgebärden von Nordkoreas Diktator sähen seine Freunde in Südkorea übrigens recht entspannt. „Man ist sich der eigenen Überlegenheit bewusst.“ Andererseits sei die Anspannung mit der Wahl Donald Trumps stark gestiegen. „Meine Freunde denken, dass Kim Jong Un auf jede Drohung Trumps mit einer Provokation antworten muss, um sich innenpolitisch zu halten.“ Ließe man Nordkorea in Ruhe, werde es sich nicht expansiv verhalten, da es im eigenen Land genug Probleme habe.

„Schatten ohne Licht“, Marcus Stephan Theis, Schardt Verlag 2017, ISBN 978-3-96152-092-3, 12,80 Euro