Mit Rock und Jazz gegen den Regen

Bonner Stadtmusik-Fest versucht den Sommer zu beschwören

Einige Bonner trotzen dem Regen und jubeln dem Duo Meoneo zu.

Einige Bonner trotzen dem Regen und jubeln dem Duo Meoneo zu.

Bonn. Es ist nass. Und trüb. Und trotzdem gut. Das diesjährige Stadtmusikfest, das seit ein paar Jahren im Rahmen der Stadtgartenkonzerte an einem Samstag im August die Innenstadt erklingen lässt, lässt sich von dem herbstlichen Wetter nicht stören.

Wozu gibt es schließlich Regenschirme? Und Musik, die zumindest akustisch den Sommer erahnen lässt? Zumindest gelingt es den auftretenden Bands an diesem Nachmittag immer wieder, die Schauer zu vertreiben und vor den Bühnen am Markt-, Bottler- und Friedensplatz für Stimmung zu sorgen. Jazz und Rock, Pop und Folk, Reggae und Weltmusik gehen Hand in Hand und lassen alles andere vergessen. „Es ist großartig, dass die Stadt so etwas möglich macht“, sagt etwa Anna Rosenthal. „Das Wetter ist da doch völlig egal.“

Vor allem am Bottlerplatz wird ausgelassen getanzt, und das obwohl Viertelbar-Betreiber Saman Haddad, der diese Bühne verantwortet, gleich zwei Bands kurzfristig ersetzen musste. Doch mit der Johnny Reggae Rub Foundation und der beliebten Hop Stop Banda geben zwei exzellente Formationen Gas, ebenso wie übrigens auch BonnIndo, die indonesische Musik mit afrikanischen, arabischen und chinesischen Klängen anreichert und damit etwas Einzigartiges schafft.

Somit beschallt das Stadtmusikfest nicht nur den öffentlichen Raum, sondern animiert auch zum Blick über den Tellerrand. „Ich finde das klasse“, sagt auch Annette Leipertz, „Veranstaltungen wie diese gibt es in Bonn noch viel zu wenig. Die Stadtgartenkonzerte sind ja toll, da ehe ich auch gerne hin, aber eigentlich müsste die Stadt solche Ideen noch stärker fördern, statt immer nur die Kultur zusammenzustreichen.“ Zumal die Zuhörer aus allen Generationen stammen, Kinder, Studenten, Eltern und Senioren sind, geeint im kollektiven  
Erleben guter Musik.

Jazzbäckerei


Wer die Weltmusik satt hat, geht derweil weiter zum Markt, wo die Jazzbäckerei ihre Zelte aufgeschlagen hat. Unter einem überdimensionierten Regenschirm hockt Veranstalter Alexander Sobocinski und grinst trotz des Nieselregens. „Am Anfang hatte ich ja ein bisschen Sorge, dass es richtig zu schütten anfängt, aber so geht das“, sagt er. „Natürlich könnte das Wetter besser sein, dann wäre es sicherlich noch deutlich voller, aber es ist mehr los, als man auf den ersten Blick meint. Unter den Schirmen der Cafés sitzen durchaus einige Gäste und hören zu, und einige Passanten bleiben auch stehen oder kommen ganz gezielt zu uns. Ich finde es schön, dass die sich nicht so einfach abhalten lassen.“

Ähnlich sieht es am Friedensplatz aus, wo die Musikstation des Kleinen Muck mit ehemaligen Teilnehmern des toys2masters-Bandnachwuchs-Wettbewerbs von Stunde zu Stunde rockiger wird. Ließ es Singer-Songwriter Aaron Dulfer mit hervorragenden deutschen und englischen Texten und sonorer Stimme noch eher ruhig angehen, zeigt sich die Taubengang später weitaus rotziger und Ultraschall deutlich wuchtiger. Auch das kommt an.

Hoffentlich keine Lautstärke-Beschwerden

„Ich hoffe nur, dass sich keiner der Anwohner wegen der Lautstärke beschwert, sonst passiert das selbe wie mit der Klangwelle“, erklärt Bodo Schaff, der auf seine Frau wartet und das wilde Treiben zufrieden betrachtet. „Meiner Meinung nach ist es eine tolle Idee, die musikalische Vielfalt an verschiedenen Stellen in der Stadt erlebbar zu machen. Es wäre schade, wenn das irgendwann nicht mehr möglich sein sollte, nur weil es wieder vereinzelte Klagen gibt. Laute Musik gehört doch zum Stadtleben dazu, vor allem für die jungen Leute. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass auch so etwas in Bonn möglich ist.“

Gegen Abend verlagert sich das Geschehen schließlich zum Alten Zoll, wo unter anderem David Nevory und Millenia für Stimmung sorgen. Letztlich kann Hans-Joachim Over, der als Rock- und Pop-Beauftragter sowohl die Stadtgartenkonzerte als auch das Stadtmusikfest organisiert, somit zufrieden sein. Trotz des Wetters. Das ist irgendwann auch egal.