Dialogveranstaltung in Dottendorf

Bonner Seilbahnpläne spalten die Anwohner

Bonn. Die Diskussion um die Seilbahnpläne bei der Dialogveranstaltung des GA in Dottendorf zeigte noch einmal, wie unterschiedlich die Positionen sind. Einigkeit gab es in einem Punkt: Verkehrsentlastung kann die Stadt gebrauchen.

Es bleibt ein Thema, das polarisiert und die Bonner in zwei Lager zu scheiden vermag. Andererseits aber führt es sie auch zusammen. So wie bei der Dialogveranstaltung des General-Anzeigers am Dienstagabend im Ortsteilzentrum Dottendorf. Weit über 100 Bürger vom Säuglings- bis zum Greisenalter füllten den Saal und trugen zu einer teilweise leidenschaftlich geführten Debatte bei – eine Debatte für und gegen die Pläne für eine Seilbahn, die dereinst als Alternative zu Auto, Fahrrad, Bus uns Bahn den Beueler Süden, das Bundesviertel und Kessenich und den Venusberg linear verbinden könnte.

Das würde sie, so es ausschließlich nach Wolfgang Holzgreve ginge, dem Vorstandsvorsitzenden des Uniklinikums Bonn. Anhand steigender Zahlen zum Verkehrs- wie beim ambulanten Patientenaufkommen legte er dar, warum von einer Seilbahn nicht nur die Belegschaft und Klientel der Uniklinik, sondern die ganze Stadt – und nicht zuletzt die Kessenicher und Dottendorfer – profitieren würden. Holzgreve: „Wir reden hier nicht über Phantome.“ Denn nicht nur vom Medizinbetrieb würde die Robert-Koch-Straße laut Holzgreve entlastet, auch stünde den Ausflüglern am Wochenende eine zusätzliche Verbindung ins Naherholungsgebiet Kottenforst zur Verfügung.

Als Vertreter der Verwaltung hatte da schon Stadtbaurat Helmut Wiesner einen Überblick über den Stand des Verfahrens gegeben. Demnach liegt gemäß Ratsbeschluss inzwischen eine Machbarkeitsstudie vor, die auch bereits Gegenstand von öffentlichen Diskussionen war. Als nächstes gelte es, das Seilbahnprojekt hinsichtlich seines volkswirtschaftlichen Nutzens sowie seiner betrieblichen Rentabilität zu untersuchen und je nach den daraus resultierenden Erkenntnissen durch die Politik – möglicherweise im Frühsommer 2019 – ein Planungsverfahren in Gang zu setzen.

"Seilbahn wäre ein wichtiger Netzschluss in Ost-West-Richtung"

Als ausgewiesener Befürworter der Seilbahn hatte Karl-Heinz Rochlitz auf dem Podium Platz genommen, der mehrere Interessenverbände zum Thema Verkehr vertritt und in Kessenich lebt. Zwar sei der Ortsteil wie Dottendorf mit der Straßenbahn angebunden, doch funktionierten die Querverbindungen nicht. „Insofern wäre die Seilbahn ein wichtiger Netzschluss in Ost-West-Richtung“, sagte Rochlitz, in dessen Augen die Pläne „Notwehr“ gegen das hohe Verkehrsaufkommen seien. Dabei betonte auch Rochlitz das Junktim, die Interessen der Anwohner in einem möglichen Planungsverfahren ausdrücklich zu würdigen.

Und gerade diesbezüglich wächst unter den Bürgern offenbar der Argwohn, je näher man sich der ins Auge gefassten Seilbahntrasse nähert. Schon vor dem Saal hatten Vertreter der Erich-Kästner-Schule, unterstützt von Kindern, wegen vermeintlich auf dem Gelände zu errichtender Tragpfeiler gegen die Seilbahn „demonstriert“, was ihnen vom Podium aus prompt den Vorwurf der Instrumentalisierung einbrachte. Doch sind beileibe nicht nur Grundschüler gegen die Bahn, sondern offenbar auch viele Erwachsene – wie Gundolf Reichert von der Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“. Er bezweifelt unter Berufung auf eigene Messungen vor allem das von den Befürwortern erhoffte Maß der Verkehrsentlastung, welche die Seilbahn für die Robert-Koch-Straße schaffen würde. Zudem sei ein Umsteigen von Auto oder Zug in die Seilbahn, etwa an der Haltestelle „UN-Campus“, zu umständlich und mutmaßlich zu teuer, argumentierte er.

"Wir wollen keine Seilbahn, die nicht genutzt wird"

Nicht zuletzt entsprächen die durch das Kraftwerk erzeugten Emissionen den Abgasen von 7000 Autofahrten, während nach Schätzungen der Befürworter nur 1700 Fahrten eingespart würden. Reichert: „Wir wollen keine Seilbahn, die nicht genutzt wird.“ Zahlreiche Hände reckten sich, als GA-Redakteur Rolf Kleinfeld als Moderator auch das Plenum einbezog. Nach Wortmeldungen, Zwischenrufen und Beifallsbekundungen zu urteilen, schienen Pro und Contra im Saal gleichmäßig verteilt. Die Debatte verspricht munter zu bleiben.