Gutachter stellt Sparszenarien vor

Bonner SPD lehnt Kürzung der Kulturausgaben ab

„Die Zauberflöte“ läuft noch zweimal im Dezember, ist aber ausverkauft.

„Die Zauberflöte“ läuft noch zweimal im Dezember, ist aber ausverkauft.

Bonn. Die SPD ist sich einig mit Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU): Eine massive Kürzung der Kulturausgaben kommt für die Genossen nicht infrage.

„Diesem Kahlschlag werden wir nicht zustimmen“, erklärte SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Fenja Wittneven-Welter am Donnerstag im Kulturausschuss. Die SPD sei für die vorgeschlagenen Optimierungsmaßnahmen bei Oper, Schauspiel und Orchester – etwa verbessertes Marketing –, die bis 2023 rund 840.000 Euro Ersparnis bringen sollen.

Den „Kahlschlag“ konterte Wilfried Löbach (FDP) mit dem Hinweis auf Ex-Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. Der SPD-Mann wollte in der Kultur (Budget: rund 60 Millionen Euro im Jahr) bekanntlich acht Millionen Euro streichen und die Oper mit der in Köln fusionieren. Löbachs FDP sowie ihre Koalitionspartner CDU und Grüne reduzierten das Sparziel auf 3,5 Millionen Euro ab 2023. Das Fachbüro Actori sollte beleuchten, wie diese Summe erreichbar ist – und welche Folgen die Szenarien hätten.

Geschäftsführer Maurice Lausberg präsentierte sie im Kulturausschuss, ohne „eine Wertung abgeben“ zu wollen. Sein Vortrag wimmelte dann aber von Vokabeln wie „schrecklich“ und „erschreckend“. „Es ist unmöglich, die 3,5 Millionen Euro ohne schlimme Einschnitte zu erreichen“, lautete sein Fazit. Solche Beschlüsse würden vor dem Beethoven-Jubiläumsjahr „Schockwellen“ erzeugen. Das Land würde zudem wohl die angekündigte Zuschusserhöhung für das Theater zurückziehen.

„Die betroffenen Leitungen haben angekündigt, unter diesen Umständen ihre Funktionen in Zukunft nicht weiter ausüben zu wollen“, berichtete Lausberg. In die Actori-Untersuchung flossen auch Besucherzahlen der freien Theater ein: Die verkaufen nach eigenen Angaben etwa 400.000 Karten im Jahr. Oper und Schauspiel liegen zusammen bei 192.000.

Das Actori-Gutachten kostet laut Stadt 194.684 Euro. Zusammen mit zwei weiteren Untersuchungen zu Sparpotenzial beim städtischen Theater und zu Instandsetzung oder Neubau der Gebäude erhält Actori rund 445.000 Euro.

Auch die Linke lehnt die Sparszenarien ab. „Wir haben den schriftlichen Beweis, dass es nicht geht“, so Ralf Jochen Ehresmann. Um Kürzungen werde man nicht herumkommen, entgegnete Johannes Schott (Bürger Bund). „Die Gesellschaft muss abwägen, wie wichtig die Kultur ist.“ Die Grünen meldeten Beratungsbedarf in ihrer Fraktion an. Die Debatte wird später fortgesetzt.