„Deutscher Nobelpreis“

Bonner Professor erhält Leibniz-Preis

Bonn/Köln. Gleich zwei Forscher aus der Region Köln/Bonn werden mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für das Jahr 2018 ausgezeichnet. Dieser ist auch als "Deutscher Nobelpreis" bekannt.

Das Preisgeld von je 2,5 Millionen Euro (zwei der elf Geehrten teilen es sich) dürfen die Preisträger „bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden“.

Professor Doktor Eicke Latz (47) ist Direktor des Instituts für Angeborene Immunität am Universitätsklinikum Bonn (UKB). „Wir befassen uns mit den molekularen und zellulären Mechanismen, die im menschlichen Körper Entzündungsreaktionen auslösen“, erklärt er. „Insbesondere beschäftigen wir uns mit der Frage, wie bestimmte Botenstoffe durch »Inflammasome« aktiviert werden. Zum Beispiel haben wir herausgefunden, dass das »NLRP3-Inflammasom«, ein Komplex aus mehreren Proteinen, durch aggregierte oder kristalline Substanzen aktiviert werden kann.

Die Aktivierung führt dann zum Freiwerden von Botenstoffen, die eine Entzündung im Gewebe hervorrufen. Es kann vom Erbgut des Menschen abhängen, ob das zum falschen Zeitpunkt oder im falschen Ausmaß erfolgt. Dies ist derzeit noch Grundlagenforschung, könnte aber in Zukunft bei der Behandlung von Krankheiten wie Atherosklerose, Diabetes oder Alzheimer helfen.“ Mit einem biotechnischen Unternehmen arbeite sein Team derzeit an neuen Wirkstoffen, die Inflammasome „inhibieren“, also ihre Wirkung hemmen können.

Die Preisvergabe sieht der Bonner Forscher als „eine große Anerkennung“ – auch für sein gesamtes Team, „das sich sehr engagiert für die Forschung einsetzt.“ Für den Einsatz des Preisgeldes gebe es „viele Ideen, die nur auf entsprechende Forschungsmittel warten. Wir freuen uns nun loszulegen und werden zum Beispiel weiter untersuchen, wie Umwelteinflüsse auf Entzündungsreaktionen wirken und welche molekularen Mechanismen zu einer Aktivierung von Zellen des Angeborenen Immunsystems führen.“

Latz freut sich zudem „ganz besonders, dass der Preis mit Professor Veit Hornung geteilt wird. Wir haben schon seit langer Zeit miteinander gearbeitet, tauschen uns regelmäßig aus und verfolgen ähnliche Ziele gemeinsam.“ Hornung (41) wirkt am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU); 
früher war er am Bonner Uni-
Klinikum Professor für Klinische Biochemie und 2014/15 dort 
Direktor des Instituts für Mole-
kulare Medizin.

Zweiter rheinischer Preisträger ist Professor Jens Beckert (50), Soziologe am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Er forscht auf dem Gebiet der „Neuen Wirtschaftssoziologie“: Sie versucht, ökonomische und sozio-
logische Vorgänge gemeinsam zu analysieren, also zum Beispiel her-auszufinden, woran sich der „Wert“ von Wein oder Kunst bemisst. „Wirtschaftliches Handeln ist eine Form des sozialen Handelns“, sagt Beckert. „Die wirtschaftlichen Entscheidungen von Akteuren können wir daher nur verstehen, wenn wir den gesamten sozialen und politischen Hintergrund einbeziehen.“

Feierlich überreicht werden die Preise am 19. März 2018 in Berlin.