Kriminalstatistik 2018

Bonner Polizei erhöht Druck auf Straftäter

An der Haltestelle UN-Campus werden häufig Fahrräder gestohlen – wie auch an anderen Bahnhöfen, sagt die Polizei.

An der Haltestelle UN-Campus werden häufig Fahrräder gestohlen – wie auch an anderen Bahnhöfen, sagt die Polizei.

Bonn. Betretungsverbote für den Hofgarten, sinkende Fallzahlen in Bad Godesberg und weiterhin viele Fahrraddiebstähle prägen die Bonner Kriminalstatistik 2018. Die Polizei hat bei der Vorstellung am Freitag angekündigt, den Druck auf die potenzielle Straftäter zu erhöhen.

Hochkonjunktur für Fahrraddiebe, Einbrecher auf dem Rückzug und mehr Druck der Polizei auf Personengruppen, die zuletzt immer wieder in der Öffentlichkeit aufgefallen sind. Das ist der rote Faden, der sich in der polizeilichen Kriminalstatistik für 2018 durch alle vier Bonner Stadtbezirke zieht. Nach der Präsentation der Zahlen für ihren gesamten Aufgabenbereich hat die Polizei nun nachgelegt und Details zur Statistik ihrer vier Bonner Direktionen genannt.

Stadtbezirk Bonn

Auch im vergangenen Jahr fand ein stattlicher Teil des Dienstalltags der Bonner Ordnungshüter rund um den Hofgarten statt: Auf 17.500 Stunden beziffert Polizeidirektor Manfred Kaiser, Leiter der Polizeidirektion 1, die Zeit, in der seine Behörde mit den städtischen Mitarbeitern der Innenstadtwache „Gabi“ ein Augenmerk auf das Geschehen vor der Universität hatte. Wie sehr die Polizei dort seit einem guten Jahr ihre Kräfte bündelt, verdeutlicht Kaiser an zwei weiteren Zahlen: 35 Sondereinsätze kämen ebenso hinzu wie 3500 Stunden der Bereitschaftspolizei.

Das Ergebnis waren jeweils Szenen, wie sie Passanten dort zuletzt regelmäßig beobachten konnten: Polizisten in Mannschaftsstärke kontrollieren junge Migranten wegen des Verdachts des Drogenhandels. Sofern ein Teil der Stammklientel dort zuletzt nicht gesichtet wurde, hat das seinen Grund: „Gegen insgesamt 23 Personen wurden Betretungsverbote für den gesamten Bereich von Hofgarten, Altem Zoll bis hinunter zum Brassertufer verhängt“, so Kaiser.

Wer dagegen verstößt und erwischt wird, muss 250 Euro Zwangsgeld zahlen – was zuletzt aber nur ein Mal vorkam. Wie sich die Situation entwickelt, wenn die Verbote demnächst nach der gesetzlich festgeschriebenen Höchstdauer von drei Monaten auslaufen, werde man sehen. Notfalls, so Kaiser, gebe es im Falle neuer Auffälligkeiten eben neue Betretungsverbote.

Zudem weiß auch der leitende Polizeibeamte: Die Kriminalität im Hofgarten steigt mit den Außentemperaturen. Zur Open-Air-Saison an der Hofgartenwiese haben die Behörden in diesem Jahr ihren Teil beigetragen, wie Kaiser berichtet: Mit Verwaltung, Uni, Stadtwerken und Caritas habe man verschiedene Verbesserungen erreicht. Die reichen von mehr und hellerer Beleuchtung über den Rückschnitt der Sträucher bis hin zur regelmäßigen Leerung der Papierkörbe – unter Drogenhändlern ein bewährtes Depot für Nachschub.

Dass das polizeiliche Augenmerk auf den Hofgarten womöglich einen Verdrängungseffekt erzeugen könnte, weiß auch Kaiser. „Auch diese Gefahr haben wir im Blick“, sagt er und bekräftigt sein Credo: „Die beste Prävention ist die Repression.“ Das zeige sich etwa in Tannenbusch, wo die Polizei seit 2017 die Drogenszene „aufgerollt“ habe, wie Kaiser sagt. Ein gutes Dutzend Dealer sei dabei langfristig aus dem Verkehr gezogen worden, was sich vor Ort bereits bemerkbar mache.

Auch 2017 führten die verstärkten Kontrollen in diesem Bereich naturgemäß zu einem Anstieg der registrierten Taten. Ansonsten aber fällt die Statistik 2018 für den Innenstadtbereich durchweg erfreulich aus – sieht man von der leicht angestiegenen Zahl der Körperverletzungen ab (443 nach 419 im Vorjahr). So wurde im Stadtbezirk Bonn offenbar ein einziger Handtaschenraub angezeigt. Die registrierten Raubdelikte gingen um mehr als ein Drittel zurück, ebenso die Geschäftseinbrüche. Und auch die Taschendiebstähle und die Diebstähle aus und an Autos weisen Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich auf.

Ebenso die Wohnungseinbrüche: Das hilft den 329 Bewohnern des Stadtbezirks, deren Wohnungen 2018 von Einbrechern heimgesucht worden sind, zwar nur bedingt. Der Blick aufs Ganze zeigt aber: Die Fallzahl hat sich gegenüber dem Vorjahr um 72 Delikte verringert und liegt somit 220 Straftaten unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Beuel

Wenn Vertreter der Polizei die Kriminalstatistik erklären, verweisen sie gern auf den Durchschnittswert für die vorherigen fünf Jahre. Und dieser Vergleich gestaltet sich mit Blick auf die Gesamtkriminalität für Beuel ebenso rückläufig wie für Bonn. Zwei Tätergruppen allerdings scheinen sich auf der „Schääl Sick“ weiterhin wohl zu fühlen: Fahrraddiebe und Einbrecher kann die Polizei in Beuel offensichtlich noch nicht recht einbremsen. Anders als in Bonn stieg die Zahl ihrer Taten in Beuel zuletzt wieder an. Anders als im vergangenen Jahr, als der berüchtigte „Scheibenstapler“ – ein Einbrecher mit signifikanter Methode – auch in Beuel seinen Teil zur Statistik und nach seiner Verhaftung auch zur Aufklärungsquote beitrug, gibt es diesmal keine Hinweise auf einen Serientäter. Anlass zur Freude bieten in Beuel hingegen die rückläufigen Zahlen beim Raub. Manfred Kaiser: „Wir konnten in den vergangenen Jahren viele Fälle klären, die dann auch konsequent geahndet wurden. Das wirkt sich irgendwann auf die Gesamtkriminalität aus.“

Bad Godesberg

In ihr viertes Jahr geht die Polizei in Bad Godesberg mit ihrem „Präventions- und Interventionskonzept“ – und das offenbar erfolgreich. Um weitere 382 registrierte Straftaten sank die Gesamtkriminalität und liegt nun mit 5142 Delikten deutlich unter dem Fünf-Jahres-Schnitt von 6021. Ins Auge fällt die um 14 Prozent rückläufige Zahl der Drogendelikte, also einem klassischen Kontrolldelikt. Steigende Zahlen in der Vergangenheit bedeuteten folglich auch, dass die Polizei hier besonders aktiv gewesen ist.

Als Indiz für sinkendes Interesse an der Szene in Bad Godesberg will Polizeidirektor Andreas Piastowski, Leiter der Polizeiinspektion 2, die jüngsten Zahl von 264 registrierten Taten jedoch nicht stehen lassen – ganz im Gegenteil. „Die Maßnahmen gegen die Drogenkriminalität haben Wirkung gezeigt“, sagt Kriminaloberrat Ulrich Sievers, Leiter der Kriminalinspektion 3. Denn während die Kontrollintensität unverändert hoch sei, würden weniger Taten festgestellt. Somit ist der Polizei zumindest vordergründig ein Zurückdrängen der Kriminellen in Bad Godesberg gelungen. Nicht ausschließen will Andreas Piastowski gleichwohl, dass auch die Drogenszene gemerkt hat, dass sich der Wind gegen sie gedreht hat – und ihre Tätigkeit entsprechend verlagert.

Auch für die – entgegen dem Gesamttrend – deutlich gestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche in Bad Godesberg hat die Polizeiführung eine Erklärung: So würden einer achtköpfigen Gruppe insgesamt rund 100 Einbrüche zur Last gelegt, Aktionsschwerpunkt waren laut Piastowski und Sievers Bad Godesberg und Wachtberg. Auf ihr Konto ging somit auch der Anstieg. Gute Nachricht für alle Godesberger: Die Bandenmitglieder sind in Haft, die Anklageschriften sind geschrieben. Und die Polizei kann sich eine ebenfalls überdurchschnittliche Aufklärungsquote auf die Fahnen schreiben. Der Kurpark gilt seitens der Polizei übrigens weiterhin nicht als „Brennpunkt“; allenfalls, so Piastowski, könne man an manchen Stellen über die Beleuchtung streiten. Mit Blick auf die Gesamtkriminalität hat er ein Schmankerl bereit: Sie habe in Bad Godesberg den „niedrigsten Stand seit 1975“ erreicht.

Hardtberg

„Unser Musterländle“, so nennt der Polizeidirektor bei der Präsentation seiner Zahlen den Stadtbezirk Hardtberg, statistisch ergänzt durch die Bonner Ortsteile Röttgen und Ückesdorf. Denn dort sind nahezu alle Kriminalitätsfelder zuletzt stark rückläufig gewesen, egal ob Einbrauch, Raub oder Körperverletzungen. Auch Medinghoven sei kein Brennpunkt, wenngleich „Sicherheitsgefühl und Sicherheitslage nicht immer im Einklang“ seien, so Piastowski. Zudem freue sich die Wache Duisdorf über neuen Schwung: 18 Nachwuchskräfte sorgten für eine Verjüngung der Mannschaft.