Strategische Fahndung

Bonner Polizei erhöht Druck auf Einbrecher

Bonn. Bei der strategischen Fahndung dürfen Beamte Personen und Autos ohne konkreten Anlass kontrollieren. Am Donnerstag war die Bonner Polizei aufgrund der Maßnahme in Godesberg-Hochkreuz im Einsatz.

Die Bonner Polizei erhöht den Druck auf potenzielle Einbrecher, und zwar mit einem neuen Instrument - der strategischen Fahndung. Im neuen Polizeigesetz verankert, dürfen die Beamten Personen oder Fahrzeuge auch ohne konkreten Verdacht kontrollieren, allerdings örtlich und zeitlich begrenzt. Für 14 Tage hat Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa die Maßnahme angeordnet, bis Ende Februar sind die Ermittler verstärkt in einigen Stadtteilen unterwegs. So auch in Godesberg-Hochkreuz, wo am Donnerstag 15 Kräfte der Hundertschaft im Einsatz waren.

An der Ludwig-Erhard-Allee, in Höhe der Rheinaue, hatten die Beamten ihre Kontrollstelle eingerichtet. Und nahmen insgesamt 19 Fahrzeuge und 27 Personen unter die Lupe, schrieben einen Bericht, verteilten ein Verwarngeld und schrieben vier Anzeigen wegen Handygebrauchs am Steuer.

Theoretisch dürften die Ermittler im Zuge der strategischen Fahndung jeden Passanten kontrollieren, jeden Kofferraum genau inspizieren. Doch das tun sie nicht, sagt Polizeihauptkommissar Martin Ophees. „Die polizeiliche Erfahrung spielt eine Rolle“, beschreibt der 36-Jährige, wie die Beamten diejenigen aussuchen, die angehalten werden.

Fahrzeug spielt bei Kontrolle eine Rolle

Viel ergebe sich aus dem Verhalten, aus der Feinmotorik und dem Gesichtsausdruck. „Ich weiß, wie sich ein Täter verhält, der auf frischer Tat ertappt wird.“ Und das häufig schon nach wenigen Sekunden. Denn viel mehr bleibt den Ermittlern nicht, wenn sie Fahrzeuge herauswinken. Deshalb vertrauten die Beamten auch häufig auf ihr Bauchgefühl.

Außerdem spielt das Fahrzeug eine Rolle. Ein weißer Kastenwagen, der schwer zu identifizieren ist, wird eher angehalten als ein roter Pkw; ein auswärtiges Kennzeichen rückt im Bonner Wohngebiet eher in den Fokus als ein einheimisches Nummernschild.

Kritische Stimmen seitens der Autofahrer gibt es nicht. „Wer nichts zu verbergen hat, dem sind die Kontrollen egal“, war sich
Installateur José de la Iglesia sicher. Er kenne selbst jemanden, bei dem vor Kurzem eingebrochen wurde, sagte ein 36-Jähriger. Und ein Kastenwagenfahrer, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen möchte, fand, „dass es noch mehr Kontrollen geben könnte“.

 

Kontrolle ohne konkreten Anlass

Dass die Polizei ihre neu gewonnenen Möglichkeiten missbrauchen könnte, sieht Kriminaloberrat Uli Sievers nicht. „Die Voraussetzungen für die strategische Fahndung sind sehr hoch gehängt.“ Man müsse hieb- und stichfest begründen, warum in einem Gebiet zum Beispiel eine erhöhte Einbruchgefahr bestehe, die Behördenleitung müsse die Maßnahme anordnen, sie sei zeitlich (auf maximal 28 Tage) und örtlich (auf Stadtteile) begrenzt. Und: Die Kontrollen seien nicht neu, es seien auch nicht mehr als vorher. Der Unterschied sei lediglich, dass ohne konkreten Anlass kontrolliert werden dürfe.

In welchen Ortsteilen und Straßenzügen die Beamten besonders aktiv werden, ergibt sich aus den aktuellen Erkenntnissen. So teilt das Landeskriminalamt jeder Kreispolizeibehörde wöchentlich die für sie relevanten sogenannten Prognosegebiete mit. Das sind Bereiche, in denen statistisch vermehrt mit Wohnungseinbrüchen gerechnet werden muss. Diese Erkenntnisse werden in das Programm Skala eingespeist und mit örtlichen Auswertungen angereichert.