Viele Beschwerden von Bürgern

Bonner Ordnungsdienst bei nächtlicher Streife überlastet

Die Anzahl der Beschwerden über Ruhestörung nimmt in Bonn stetig zu. Bei Polizei und Ordnungsamt waren es 2017 zusammen 4000.

Die Anzahl der Beschwerden über Ruhestörung nimmt in Bonn stetig zu. Bei Polizei und Ordnungsamt waren es 2017 zusammen 4000.

Bonn. Der Bonner Ordnungsdienst ist überlastet. Gleichzeitig fordert die Polizeigewerkschaft, dass Beamte bei Ruhestörung nicht mehr ausrücken sollen. Die Bürger sind genervt.

Der Stadtordnungsdienst sei nachts nicht erreichbar und brauche zu lange, wenn man ihn ruft: Immer wieder kritisieren die Bonner die Aufpasser vom Ordnungsamt, die in den Abendstunden beispielsweise bei Ruhestörungen schlichten sollen. Gleichzeitig fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), dass die Polizisten bei Lärmbeschwerden nicht mehr ausrücken sollen.

Das machen sie aktuell häufig, da der Ordnungsdienst überlastet ist. Das bestätigt auch die Stadt Bonn. Ab kommendem Frühjahr soll sich die Situation verbessern. Amtsleiter Carsten Sperling hat angekündigt, den nächtlichen Streifendienst neu zu strukturieren und personell zu verstärken.

Frank Hoffmann ist genervt. Er wohnt an der Poppelsdorfer Allee, gerade an Wochenenden kommt die Straße nicht zur Ruhe. „Oft vergeht keine Nacht, in der sich Jugendliche zwischen 22 und 2.30 Uhr auf den Bänken niederlassen und laut Musik aufdrehen“, erzählt er.

Erreiche man nach mehreren Versuchen jemanden beim Ordnungsamt, bekomme man zu hören, dass das aber „lange dauern“ werde. „Erscheint dann jemand, kann auch schon einmal eine weitere lärmerfüllte Stunde vergehen.“

Die Stadt Bonn weiß um dieses Problem. Wie schnell die Mitarbeiter vor Ort sind, hänge davon ab, wie weit sie gerade entfernt seien und wie viele Einsätze schon vorlägen. „Genaue Zeiten können wir nicht angeben, es kann zwischen zehn Minuten und einer Stunde oder länger dauern“, erklärt Carsten Sperling.

Schlechte Erreichbarkeit hat einen Grund

Und auch für die schlechte Erreichbarkeit gibt es einen nachvollziehbaren Grund: Montags bis donnerstags ab 18 Uhr und sonntags von 10 bis 1 Uhr werden eingehende Anrufe auf ein Handy des Streifendienstes umgeleitet. „Die Mitarbeiter können das Telefon aber nur bedienen, wenn es die Einsatzlage zulässt.“

Das hat Folgen für die Polizei. Denn sie springt ein, wenn das Ordnungsamt nicht erreichbar ist oder nachts keinen Dienst hat. „Der Ruf nach mehr Polizei ist laut, aber ein Anfang wäre es, wenn die Polizei sich auf ihre originären gesetzlichen Aufträge beschränken könnte“, sagt Andreas Gut, Vorsitzender der Gewerkschaft DPolG Bonn.

Laut Gesetz sind die Ordnungsämter der Kommunen für Ruhestörungen zuständig, vielerorts gibt es aber Vereinbarungen mit der Polizei. „Aufgaben einfach an die Polizei abzugeben, ist nicht die Lösung, wenn auch lange in Bonn praktiziert“, so Gut.

Die Einsatzstatistik zeigt, wie hoch die Arbeitsbelastung durch Ruhestörungen für das Ordnungsamt ist. Etwa 1500 Mal klingelte das Telefon. Bei der Polizei gab es von Juli 2017 bis Juni 2018 zusätzlich rund 2500 Beschwerden, auf die aber nicht immer ein Polizeieinsatz folgte. Der Großteil der Notrufe ging am Wochenende sowie zwischen 22 und 3 Uhr nachts ein. „Schwerpunkt sind ganz klar die warmen Monate von Mai bis August“, erklärt Helmut Pfau von der Bonner Polizei.

Lärmbeschwerden beim Ordnungsamt in Bonn im Jahr 2007

Lärmbeschwerden beim Ordnungsamt in Bonn im Jahr 2007

 

Ordnungsdienst wird bald nachts verstärkt

Diese Problematik habe man erst vor Kurzem in einem Gespräch mit Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa und OberbürgermeisterAshok Sridharan erläutert. „Und ich denke, wir haben eine gute Lösung gefunden“, sagt Pfau.

Der Stadtordnungsdienst wird ab dem nächsten Frühjahr in den Abendstunden verstärkt und neu organisiert. Die Kernzeit verlängert sich an Wochenenden und Feiertagen von 1 auf 2 Uhr. Zudem werden Mitarbeiter währenddessen in der stadteigenen Leitstelle sitzen, damit der Streifendienst die Einsätze nicht mehr vom Handy aus koordinieren muss.

Zu den bisherigen beiden Fahrzeugstreifen, zu denen immer zwei Personen gehören, kommt eine dritte hinzu. Zwei weitere Fußstreifen werden nach Bedarf eingesetzt. Letztlich ist es ein Kompromiss und eine Frage des Geldes: „Die Stadt kann nicht ohne Weiteres vollständig einspringen, da dann wesentlich mehr Personal benötigt würde“, sagt Sperling.

Ob sich die Situation spürbar entspannen wird, wird sich erst in der Praxis zeigen. „In den vergangenen Jahren sind die Lärmbeschwerden stark angestiegen. Der Trend ist, dass die Polizei häufiger zu solchen Konflikten gerufen wird“, sagt Pfau.

Er appelliert daran, zu versuchen, Probleme mit Ruhestörungen innerhalb der Nachbarschaft zu regeln. „Oftmals hilft schon ein Gespräch.“ Trotzdem sieht er auch die Entwicklung, dass die Stimmung aggressiver geworden ist. „In solchen Fällen und bei großen Gruppen ist natürlich die Polizei der richtige Ansprechpartner. Dann unterstützen wir auch das Ordnungsamt.“

Bis 1 Uhr sollten Bürger zuerst den Stadtordnungsdienstes unter 0228/773333 anrufen. Ist die Behörde nicht erreichbar oder nicht rechtzeitig vor Ort, wird die Polizei tätig. Sie hat die Rufnummer 0228/150.