Emil Lohmer

Bonner Musiklegende wird 90

Die Musik begleitet Emil Lohmer durch sein gesamtes Leben. Auch mit fast 90 Jahren ist der Bonner noch fit auf den verschiedensten Instrumenten und hat stets ein Lied auf den Lippen.

Die Musik begleitet Emil Lohmer durch sein gesamtes Leben. Auch mit fast 90 Jahren ist der Bonner noch fit auf den verschiedensten Instrumenten und hat stets ein Lied auf den Lippen.

Bonn. Bonner Musiker Emil Lohmer von den „Vier Sternenburgern“ wird 90 Jahre alt. Auch im hohen Alter bleibt die Musik ein ständiger Begleiter.

„Träumendes Bonn, wie schön wors Du. Maat on Hoffjaade wegten eins dich en Ruh“, tönt es auch dem kleinen Lautsprecher auf dem Wohnzimmertisch und Emil Lohmer kommt sofort ins Schwärmen. „Das ist wirklich ein tolles Lied“, sagt er, setzt sich bequem in seinen Sessel und sing mit. Seine Stimme ist immer noch kräftig, die Textzeilen nach wie vor präsent. „Auch nach so vielen Jahren höre ich es gerne.“ Unzählige Lieder hat Lohmer während seiner 60-jährigen Bühnenkarriere komponiert und getextet. Aber: „Träumendes Bonn ist mein absoluter Favorit“, gesteht er.

1954 hat er diese musikalisch Liebeserklärung an seine Heimatstadt für die legendären „Vier Sternenburger“ geschrieben. Das Quartett bestand damals aus Sänger Peter Brust, Bassist Emil Lohmer, Rudi Morsche an der Gitarre und Addi Waldmann am Akkordeon. Rund 35 Jahren lang zogen die vier im Karneval von Saal zu Saal. Und überall forderten die Jecken lautstark nach diesem Lied.

Am Dienstag wird jedoch nicht Emil Lohmer den Ton anstimmen. Andere werden ihm ein Ständchen bringen. Denn am Dienstag, 16. Januar, wird das „bönnsche Urgestein“ 90 Jahre alt. In Lohmer schlummern allerdings noch mehr Talente als die Musik. So hat er verschiedene Bonner Ansichten – unter anderem sein Geburtshaus – gemalt, als hochdekorierter und vor allem treffsicherer Grünrock komponierte er für seine Schützen einen Marsch.

Geboren in der „Ringjass“ (Rheingasse) lebte er mit seinen Eltern im Haus der Großeltern. Weihnachten fand Klein-Emil dann einen „Quetschebüggel“ unter dem Tannenbaum. „Damals muss ich etwa sechs Jahre alt gewesen sein“, überlegt er. „Von dem Tag an war es dann wohl um mich geschehen“, lacht Lohmer. Er spielte unentwegt auf dem Akkordeon, sang bald darauf im Bonner Kinderchor und bekam mit acht Jahren Geigenunterricht. „Musik hat mir immer viel bedeutet. Am liebsten wäre ich Musiker geworden. Aber ich musste etwas Ordentliches lernen“, erzählt er. Da die Lohmers bereits seit Generationen Maler waren, lernte auch er das Handwerk. 1962 legte er die Meisterprüfung ab und leitete schließlich seinen eigenen Betrieb mit zwölf Gesellen und drei Lehrjungen.

Bekannt mit den großen Bundeskanzlern

Tagsüber wurde lackiert und gestrichen, abends und am Wochenende gesungen. Für die Familie blieb da nicht viel Zeit. Lohmer war mittlerweile verheiratet und hatte drei Kinder. Heute gehören zudem zwei Enkel zur Familie. „Ich weiß gar nicht, wie wir das alles geschafft haben. Die Arbeit im Betrieb und der Karneval“, überlegt er. „Wir hatten in der Session einen so straff organisierten Terminplan, dass kaum Zeit für etwas anderes blieb. Und es ging immer im Laufschritt, ohne Helfer, ohne Fahrer oder Manager.“

In den 1970er und 1980er Jahren kannte zwischen Köln und Bonn jeder das Quartett. Das lag sicher auch an den auffälligen Anzügen, die sich die vier jedes Jahr schneidern ließen. Vom 1. Januar bis Aschermittwoch waren häufig 220 bis 260 Auftritte zu absolvieren – je nach Länge der Session. Die Sternenburger wollten aber nicht nur „e paar Leedsche singe“. „Nein“, winkt Lohmer ab. „Wir haben immer die aktuelle Politik persifliert. Bei uns bekam jeder sein Fett weg.“ Damit trafen sie nicht nur den Geschmack ihres Publikums, sondern machten sich auch im politischen Bonn einen Namen. „Wir waren bei allen – bei Adenauer, Schmidt, Brandt und Kohl. Jeder Kanzler hat uns empfangen.“ Gerne erinnert er sich an eine Stippvisite bei Helmut und Loki Schmidt. Damals kamen die Sternenburger spontan zur Einweihungsparty der Schmidts in den Oberen Lindweg nach Dottendorf. „Wir haben uns sehr gut mit ihnen verstanden. Loki war ein echter Fan von uns. Beim Abschied habe ich zu Schmidt gesagt, er sei wirklich ein netter Kerl aber es sei schade, dass er in der falschen Partei ist“, lacht Lahmer. Nachdem sich die Sternenburger 1989 aus Altersgründen aufgelöst hatten, traten Brust und Lohmer (jetzt an der Drehorgel) als „Die zwei mit dem Dreh“ bis 2006 weiter auf.

Zur Ruhe hat sich Lohmer danach immer noch nicht gesetzt. Sechs CDs hat er seither veröffentlicht. Er komponiert, schreibt, singt und begleitet sich am Keyboard. Aktuell arbeitet er wieder an einem neuen Lied. Daran wird auch sein runder Geburtstag nichts ändern. „Wieso auch?“, fragt er. „Es kommen ja noch viele. Ich werde schließlich 104 Jahre alt“, ist sich Lohmer sicher und verabschiedet sich mit einem Liedchen auf den Lippen.