Zu genau gerechnet

Bonner Mathegenie verpasst WM-Sieg im Kopfrechnen

Pause im Café - aber nicht vom Denksport: Gert Mittring hat immer ein Sudoku-Heft dabei.

Pause im Café - aber nicht vom Denksport: Gert Mittring hat immer ein Sudoku-Heft dabei.

Bonn. Gert Mittring musste seinen Weltmeistertitel im Kopfrechnen an den Engländer Chris Bryant abgeben, da er zu genau gerechnet hatte. Trotz richtiger Lösung gab es null Punkte.

Der 17. Mai 2120 wird ein Freitag – das hat zumindest Mathegenie Gert Mittring bei der diesjährigen Kopfrechen-WM (Mind Sports Olympiad) in London ausgerechnet. Diese und andere knifflige Rechenaufgaben löste der Bonner ohne Fehler. Die Goldmedaille ging trotzdem an den Konkurrenten aus England.

„Ich habe einfach zu genau gerechnet“, erklärt der Mittring seine Zweitplatzierung. Er habe das Ergebnis einer komplizierten Wurzelrechnung mit zwei Nachkommastellen angegeben. Gewünscht war als Lösung statt 26,24 nur 26,2. Schließlich wies der Computer auch noch Mittrings Wochentags-Berechnung mit null Punkten aus. „Der Algorithmus des Computerprogramms war wahrscheinlich nur für Berechnung bis zum 21. Jahrhundert ausgelegt“, vermutet der elfmalige Weltmeister Mittring.

Das Schiedsgericht gab ihm in diesem Fall recht. Bei den Kommastellen blieb es jedoch hart: Eine so genaue Rechnung war nicht Teil der Aufgabe. Vier Punkte fehlten Mittring damit zum Sieg. „Das ist natürlich enttäuschend, andererseits habe ich mit 107 erreichten Punkten meinen persönlichen Rekord gebrochen“, sagt der 50-jährige. Seit der Gründung des Wettbewerbs 1997 hätte es noch nie eine so hohe Punktzahl im Finale gegeben. Ein Foto von der Siegerehrung konnte er leider nicht machen, da seine Kamera den Geist aufgegeben hatte –damit hatte das Rechengenie nicht gerechnet.