Schiff vor Malta festgesetzt

Bonner Kapitänin rettet mit Sea-Watch Flüchtlinge

Bonn. Aufgewachsen ist die 34-jährige Pia Klemp in Beuel. Zurzeit steuert sie als Kapitänin das Seenotrettungsschiff Sea-Watch-3. Das wird derzeit in Malta festgehalten und darf den Hafen von Valletta nicht verlassen.

Die maltesische Hafenbehörde gestattet die Ausfahrt nicht. „Wir bekamen ohne besondere Ausführung von Gründen keine Erlaubnis“, sagt Pia Klemp im Gespräch mit dem GA. Die 34-Jährige steuert die Sea-Watch-3, ein 55 Meter langes Seenotrettungsschiff mit 22 größtenteils ehrenamtlichen Crewmitgliedern.

Das war am 1. Juni. Die Papiere seien in Ordnung, es gebe keine offenen Rechnungen oder Beanstandungen an dem Schiff. Die Hafenbehörde habe dem Team der Sea-Watch bislang so gut wie keine Informationen gegeben.

Die Organisation aus Berlin geht von einer „politischen Offensive“ vonseiten der EU aus, die das Ziel verfolge, die Rettung von Flüchtlingen auf See zu beenden. Die Hafenbehörde hat allerdings das Recht, Schiffe vorerst an der Abfahrt zu hindern. Würde die Sea-Watch den Versuch wagen, auf eigene Faust loszufahren, riefe dies vermutlich schnell die Küstenwache auf den Plan. Zurzeit liegen weitere Seenotrettungsschiffe wie die „Seefuchs“ und die „Lifeline“ vor Malta, die keine Erlaubnis bekommen, in See zu stechen.

Zurück nach Libyen

Das Ansteuern von europäischen Häfen sei in den vergangenen Monaten immer schwieriger geworden, berichtet Klemp. Italien hat seine Häfen schon für private Seenotretter geschlossen. „Wenn das Retten zum Verbrechen abgestempelt wird, ist das bitter“, sagt die 34-Jährige. Üblicherweise läuft die Arbeit auf dem Schiff anders, als lange auf eine Erlaubnis zu warten: Wenn auf dem Radar ein Schiff sichtbar wird, navigiert Klemp die Sea-Watch-3 dorthin. Dann muss es schnell gehen: Die Schnellboote müssen ins Wasser gelassen werden, das medizinische Team muss bereit sein.

In schlechtem psychischen und physischen Zustand kämen die Menschen auf das Schiff. Besonders erinnert sich die Kapitänin an Schiffbrüchige, die teils ertranken und teils von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht wurden. Zurück also in ein Land, in denen Flüchtlinge auch als Sklaven verkauft und gefoltert würden. Die Menschen, die dabei gerettet werden konnten, wussten laut Klemp nicht, ob ihre Angehörigen tot oder verschleppt wurden.

Situation wird immer dramatischer

Rechtspopulisten bezeichnen Seenotretter wie Klemp als "Schlepper". „Wir finden die Machenschaften von diesen widerwärtigen Menschenschleppern selbst furchtbar“, sagt die 34-Jährige. Die Menschen hörten aber nicht auf zu flüchten, wie Klemp sagt, nur weil die Schiffe keine Erlaubnis zur Ausfahrt bekommen. „Da ist sonst niemand, der die Menschen rettet. Die Behördenwillkür führt zum Tod vieler Hundert Menschen.“ Laut Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer wird die Situation für Bootsflüchtlinge im Mittelmeer immer dramatischer: „Der Juni ist der tödlichste Monat seit Aufzeichnungen von Fluchtbewegungen über das Mittelmeer im Jahr 2014.“

Pia Klemp ist schon seit sieben Jahren an verschiedenen Aktionen auf See beteiligt. Darunter die Organisation „Sea Shepherd“, die Waljägern den Kampf ansagt. Auf dem Mittelmeer ist sie seit gut einem Jahr als Kapitänin unterwegs.

Unterstützung im "Bla"

Mehr als vier Jahre arbeitete Klemp in der Punkrockbar „Bla“ in der Bornheimer Straße. Ihre Tätigkeit dort ist zwar seit mittlerweile zehn Jahren vorüber, doch in der Bar erinnert sich Inhaberin Valeska Kröll noch gut an Pia Klemp. In der vergangenen Woche hörte Kröll von der gestoppten Sea-Watch. Sie entschied sich, Klemps Arbeit zu unterstützen.

Das Hausbier, das dort normalerweise zwei Euro kostet, wird nun als „Pia-Bier“ 50 Cent teurer verkauft. Die Differenz erhält Sea-Watch als Spende. „Es ist toll, dass es Leute gibt, die uns auf so eine süße Art und Weise unterstützen“, sagt Klemp, deren Familie größtenteils in Bonn lebt.