Literatur in Bonn

Bonner Künstlergruppe bringt 55. Zeitschrift heraus

Die Mitglieder des Dichtungsringes, (von links) Francisca Picinski, Horst Saul, Susanne Schminke, Michael Kohl, Ines Hagemeyer und Ulrich Bergmann, blicken auf 37 ereignisreiche Jahre der Künstlergruppe zurück.

Die Mitglieder des Dichtungsringes, (von links) Francisca Picinski, Horst Saul, Susanne Schminke, Michael Kohl, Ines Hagemeyer und Ulrich Bergmann, blicken auf 37 ereignisreiche Jahre der Künstlergruppe zurück.

Bonn. Die literarische Gruppe „Dichtungsring“ besteht seit 37 Jahren. Zum Namen verhalf ihr ein Zufall. Von Anfang an sind noch Ulrich Bergmann und Ines Hagemeyer dabei.

Wenn sich wie dieser Tage in Beuel die literarische Gruppe „Dichtungsring“ zur weiteren Planung ihrer zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift trifft, dann ist auch der Rückblick ein Thema. Der Vorstand mit Ulrich Bergmann, Ines Hagemeyer und Susanne Schminke erinnert sich gerne an 37 fruchtbare Jahre.

Mitbegründer und Schriftsteller Ulrich Bergmann weiß noch, wie die Bonner Studenten Hubert Katzmarz und Thomas Rugo sowie der in Bochum lehrende Romanistik-Professor Alfons Knauth nebst seinen Studenten den Weg bereitet hatten. Knauth habe in seiner Bonner Wohnung justament an seinem Waschbecken den Dichtungsring erneuert, als ihn ein Anruf mit der Frage erreichte, wie denn die kommende Literaturgruppe am besten heißen könnte.

Knauth brachte diesen kleinen, aber enorm wichtigen Wasserabdichtungsring ins Spiel. Und bei der konstituierenden Sitzung bei Kulturmanager Rugo an der Prinz-Albert­Straße sei dann laut Bergmann das Foto eines tropfenden Wasserhahns zum Leitbild der Bonner Gruppe und ihrer Zeitschrift auserkoren worden.

Interkulturell, multilingual und gattungsoffen

Dieser silberne Wasserspender prangt denn auch wieder auf der neusten Sonderausgabe der Zeitschrift „Gedichte“ zu Ehren von Ines Hagemeyer zu ihrem 80. Geburtstag. Vieles vom in den Ausgaben des „Dichtungsrings“ veröffentlichten Oeuvres der Lyrikerin, die im Brotberuf Sprachlehrerin und Übersetzerin fürs Goethe-Institut war, ist darin vereint. Und dazu ein in Bildern, Presseartikeln und Erinnerungen erfrischender Rückblick auf 37 Schaffensjahre.

Ines Hagemeyer lebte 1981 in Madrid und war dort auf diese neue Bonner Literaturgruppe aufmerksam gemacht worden. „Schick ihnen deine Gedichte. Da gehörst du hin“, habe ihr ein Bonner Philologe geraten. Und so sei Hagemeyer zu einer der treuesten „Dichtungsringer“ geworden, meint Bergmann mit einem Schmunzeln.

Interkulturell, multilingual und gattungsoffen war die Zeitschrift seit jeher angelegt. Lyrik und Prosa, konkrete und visuelle Poesie, Essay, Satire, Rezension, Brief, Hörspiel, dramatische Szenen, all das war und ist willkommen. Die Förderung junger Autoren sei dem Team immer ein Anliegen gewesen, so Bergmann. Französische, englische, spanische, portugiesische, italienische und rumänische Texte wurden in den einzelnen Heften ins Deutsche übersetzt. Auch Oskar Pastior, Friederike Mayröcker und Primo Levi haben schon zu den Autoren gehört.

Förderung junger Autoren

Herausgegeben wird die Zeitschrift seit 1984 von der Bonner Autorengruppe als gemeinnütziger eingetragener Verein. Seit 2014 erscheinen sogar zwei Ausgaben pro Jahr, jeweils im Frühjahr und Herbst. Die Finanzierung decken Abonnements und Verkauf sowie Lesungen und Spenden. „Es gibt keine öffentliche Unterstützung“, betont Bergmann.

Seit 2014 vergibt die Gruppe auch den Bonner Literaturpreis, zu dem jeweils mehrere Hundert Einsendungen ins Haus flattern, die wiederum anonymisiert beurteilt und in der Buchhandlung Böttger oder im Kurfürstlichen Gärtnerhaus prämiert werden. 2018 gewann Silke Tobeler aus Hamburg den mit 1000 Euro dotierten Preis.

Ein Blick in die „Dichtungsringe“ der vergangenen Jahre zeigt Erstaunliches. Mit viel Herzblut sind eindrückliche Prosatexte und Gedichte zahlreicher Bonner Autoren mit expressiven Aquarellbildern und Collagen der Kollegen aus der bildenden Kunst kombiniert. Die Gruppe hat im typischen, fast quadratischen Format Themenausgaben zu den Aufgabenfeldern „Aus dem Rahmen gefallen“, „Höhle“, „Labyrinth“ und „Eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit“ komponiert. Alle diese Ausgaben geben einen ansprechenden Überblick über das kreative Schaffen gerade der Bonner Szene. Für die nächste Ausgabe ist das Thema „Morgenland“ vorgegeben. Man darf gespannt sein.

Mehr Infos und Kontakt auf www.dichtungsring.org