Chronist der jungen Hauptstadt

Bonner Fotograf Hans Schafgans ist tot

Die Ahnengalerie der Republik: Hans Schafgans hat alle großen Politiker seiner Zeit vor der Linse gehabt. FOTO: BARBARA FROMMANN

Die Ahnengalerie der Republik: Hans Schafgans hat alle großen Politiker seiner Zeit vor der Linse gehabt.

BONN. Der Bonner Fotograf Hans Schafgans ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Ein Nachruf von GA-Redakteur Thomas Kliemann.

Wie wunderschön und elegant die Bonner Oper einmal war, wie organisch die fließenden Formen der Beethovenhalle wirkten, wie modern sich der alte Plenarsaal in den 50ern präsentierte, welche Anmut der Kaufhaus-Neubau am Münsterplatz hatte: Wir wüssten es nicht, wenn Hans Schafgans nicht in den 50er und 60er Jahren mit einem fantastischen Gespür für Architektur diese Bauten der jungen Republik in ihrer ganzen Reinheit aufgenommen hätte.

Und wenn nicht die Bonner Kunsthistorikerin Tuya Roth 2007 darüber ihre Dissertation geschrieben, die exzellenten Fotos auch online verfügbar gemacht und das Bild des in erster Linie als Porträtist bekannten Schafgans um eine wertvolle Facette bereichert hätte. Wertvoll, weil sie unterstreicht, wie Schafgans seine Stadt Bonn betrachtete: emotional zugewandt, gut beobachtend und kritisch zugleich.

Hans Schafgans, der die Menschen und Bauwerke Bonns so intensiv gewürdigt hat, der unter anderem als Leserbriefschreiber im General-Anzeiger vehement und geschliffen Missstände angeprangert hat, ist am 31. Juli im Alter von 87 Jahren gestorben. Das gab seine Familie am Freitag bekannt. Schafgans ist am 18. August 1927 in eine Bonner Fotografendynastie hineingeboren worden. Sein Vater Theo führte das Lichtbildatelier Schafgans, eine Institution, deren Wurzeln auf den Maler Johannes Schafgans zurückgehen, der 1854 in der Rathausgasse ein Fotoatelier eröffnet hatte.

Schafgans musste 1944 untertauchen

Der junge Hans Schafgans bekam aufgrund seiner mütterlichen "halbjüdischen" Abstammung Hitlers Rassegesetze zu spüren, war ab 1942 vom Unterricht am Beethoven-Gymnasium ausgeschlossen, durfte auch keine Fotografenlehre beginnen. 1944, vor der "September-Aktion" der Bonner Gestapo, musste er untertauchen, floh unter dem Tarnnamen "Hans Wiese", schlug sich im Schwarzwald durch. Zurück in Bonn erkannte er 1945 sein Herz für Lyrik und Prosa, begann ein Studium und half dem Vater beim Wiederaufbau des zerstörten Ateliers.

Schafgans fand seine Nische im väterlichen Studio: "Ich war ein bisschen menschenscheu", hat er einmal gesagt, und gestand eine "gewisse Hemmung vor der Porträtfotografie", die sein Vater so perfekt beherrschte. Also verlegte sich der Junior auf den prosperierenden Zweig der Architekturfotografie. "Die Aufnahmen lassen tief in das Werden der damaligen Bundeshauptstadt blicken und geben vielerlei Aufschlüsse in Richtung Architektur-, Sozial- und Stadtgeschichte", sagte Hans Schafgans' Sohn Boris dem GA. Er betreibt das Schafgans-Archiv, in dem das fotografische Werk des Vaters aus mehr als 60 Jahren ebenso enthalten ist wie seine literarischen, journalistischen und essayistischen Arbeiten.

Zum Porträt kam Hans Schafgans nach 1967, als er in vierter Generation das Atelier Schafgans übernahm. Er entwickelte auch hier eine Meisterschaft. Es gibt wahrscheinlich kaum einen prominenten Bonn-Besucher und keinen Politiker seiner Zeit, den Schafgans nicht vor der Linse hatte. Und viele "normale" Bonner erinnern sich an den herzerfrischenden Plausch beim Porträttermin in Schafgans' Atelier.