Vortrag

Bonner Forscherin untersucht Frauen in "Game of Thrones"

VoD-Nutzer lieben die HBO-Serie "Game of Thrones".

Game of Thrones

Bonn. Ein Vortrag im Haus der Frauengeschichte in Bonn hat sich mit den weiblichen Figuren in der Serie „Game of Thrones“ beschäftigt. Isabel Busch beleuchtete die feministischen, historischen oder auch linguistischen Aspekte.

Während die Fangemeinde der amerikanischen Fantasyserie „Game of Thrones“ (GoT) ungeduldig auf die Veröffentlichung der achten und damit finalen Staffel der Serie wartet, die nicht vor April 2019 über die deutschen Bildschirme flimmern dürfte, fanden sich aus unterschiedlichen Gründen zehn Zuhörerinnen und zwei Zuhörer im Haus der Frauengeschichte zu einem Vortrag von Isabel Busch ein, der sich mit den Frauenfiguren in George R.R. Martins fünfbändiger Filmvorlage von GoT, „Ein Lied von Eis und Feuer“, auseinandersetzte.

Der sehr detailreich in die europäische Geschichte gehende Vortrag von Busch führte ihr Publikum nicht ausschließlich aus der Begeisterung für die Erfolgsserie in das Haus der Frauengeschichte, deren Vereinsvorsitzende Busch ist. Sondern auch unter feministischen, historischen oder auch linguistischen Aspekten, die vor allem für eine Zuhörerin von Interesse waren, die selber als Autorin an einem Fantasystoff arbeitet, der ebenfalls auf historischen Fakten beruht.

In der von Martin konstruierten fiktiven Welt von Westeros wird die Geschichte von sieben Königreichen erzählt, die alle um den Eisernen Thron kämpfen. Die Serie fasziniert ihre Zuschauer durch die aufwendig inszenierten Kriege sowie die Machtkämpfe in den einzelnen Königshäusern mit Morden und Intrigen. Im Zentrum der ständigen Machtverschiebungen stehen die beiden Adelshäuser der Starks und der Lannisters. Zudem plant die verbannte Königsfamilie Targaryen ihre Rückkehr an die Macht.

Doktorarbeit über Geschlechterrollen in Fantasyliteratur

Für Busch, die momentan an ihrer Doktorarbeit über Geschlechterrollen in Fantasyliteratur schreibt, sind die im England des 15. Jahrhunderts als Rosenkriege bezeichneten Thronfolgekämpfe zwischen den beiden rivalisierenden Adelshäusern York und Lancaster eindeutig die Vorlage für Martins Königshäuser Stark und Lannister. Viele Details, die Autor Martin aus den Rosenkriegen übernommen hat zeugen von seiner Faszination für das europäische Mittelalter.

Busch bewundert in den bereits Anfang der 1980er Jahre erschienenen ersten Bänden der Filmvorlage des Autors seine dezidierte Auseinandersetzung mit der Geschlechterfrage, in der Frauen gleichberechtigt mit Männern dargestellt werden, und zitiert Martin mit den Worten, „I regard men and women as all human“ – ich betrachte Männer und Frauen alle als Menschen.

„Das Bild, das Martin zeichnet, hat sehr viel mit dem realen europäischen Mittelalter zu tun“, sagte Busch, die in der Fernsehserie damit auch ein Stück weit historische und politische Bildung vermittelt sieht. Denn es sei realistisch, dass Frauen im Mittelalter eine so tragende Rolle spielten, wie Martin sie beschreibt. Frauen hätten eben durchaus so mächtig und skrupellos sein können, wie es Königsmutter Cersei Lannister in der Fernsehserie ist.

In der „Mutter der Drachen“, Daenerys Targaryen, erkennt Busch das Leben der Isabella I. von Kastilien, während der Autor selbst Elizabeth I. als sein Vorbild nannte. Beiden Frauenfiguren gemein waren eine Kindheit in Armut und der Ausschluss von der Thronfolge. So, wie die Historie als Vorlage für den Fernsehstoff diente, ist es im Sinne einer unerwünschten Vorwegnahme von Inhalten der noch kommenden Folgen unangebracht, die realen mit der fiktiven Figur von Daenerys zu vergleichen. Nur so viel sei an dieser Stelle verraten, dass die einst vom eigenen Bruder verkaufte Daenerys zu den heißesten Anwärtern auf den Eisernen Thron gilt.