Vorfahrtschaltung an Ampeln

Bonner Feuerwehr testet grüne Welle für Rettungseinsätze

Grün geschaltete Ampeln sorgen für eine schnelle und sichere Ankunft der Löscheinheiten am Einsatzort.

Grün geschaltete Ampeln sorgen für eine schnelle und sichere Ankunft der Löscheinheiten am Einsatzort.

Bonn. Feuerwehr und Tiefbauamt in Bonn starten eine Testphase für eine grüne Welle an zentralen City-Ampelanlagen. Ziel ist es, schneller am Einsatzort zu sein.

„Je später wir eintreffen, desto höher werden die Folgeschäden“, sagte Jochen Stein, Leiter der Bonner Feuerwehr bei der Vorstellung eines schon 2017 gestarteten Pilotversuchs, der Feuerwehr freie Fahrt zu verschaffen. Keine acht Minuten sollten laut Stein zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen der Feuerwehr am Einsatzort vergehen. So stehe es im Brandschutzbedarfsplan. In der Realität ist das durch hohes Verkehrsaufkommen und trotz gut motorisierter Löscheinheiten nicht immer einzuhalten. Eine mit Martinshorn und Blaulicht angekündigte Überfahrung einer roten Ampel bedeutet für die Rettungsfahrzeuge den kalkulierten Zeitverlust von einer halben Minute, was sich bei mehreren Ampeln schnell zu Minuten addieren kann. Ein Zeitverlust, der schlimmstenfalls Menschenleben kosten könnte.

„Bereits seit einigen Jahren“, berichtet Peter Esch vom Tiefbauamt, können Busse und Bahnen die Schaltung der Ampeln im Zuge der sogenannten ÖPNV-Beschleunigung beeinflussen. Doch die Vorfahrtsschaltung für die Feuerwehr basiert auf einem weitaus komplexeren Steuerungssystem als die des ÖPNV. Während ein Sender im Bus direkten Kontakt mit der vor ihm liegenden Ampelanlage aufnimmt und sich auf diese Weise freie Fahrt verschafft, wird die „grüne Welle“ für die Feuerwehr vorausschauend von einem Verkehrsleitrechner gesteuert.

Sobald das Führungsfahrzeug eines Löschzuges seinen Einsatz aufnimmt, wird seine geplante Route zum Einsatzort vorausschauend auf Grün geschaltet, um den dort vorhandenen Verkehr bereits vor Eintreffen der Rettungsfahrzeuge abfließen zu lassen. „Ein schwieriges und anspruchsvolles Projekt“, nennt es Stein. Es führte schon 2009 über den Kontakt zum Studiengang Rettungsingenieurwesen an der TH Köln zur Bachelorarbeit von Marcel Fröhlen. Der Student hatte die Auswirkungen der Vorfahrtsschaltung auf Gesamtverkehr und Feuerwehr untersucht und ist heute in der Leitstelle der Feuerwache tätig.

Kosten belaufen sich auf mindestens 75.000 Euro

In einem Video über die Funktionsweise einer Teststrecke zwischen der Feuerwache 1 am Lievelingsweg und einem Einsatzort an der Sterntorbrücke konnte Steins Stellvertreter Carsten Scheider eindrucksvoll demonstrieren, wie eine aus drei 16-Tonnern bestehende Löscheinheit in dreieinhalb Minuten ihr Ziel erreichte. Neuralgische Verkehrsknotenpunkte am Heinrich-Böll-Ring, dem Berliner Platz bis zum Bertha-von-Suttner-Platz konnten sicher und schnell passiert werden. Die Kosten für die Software an den Ampelanlagen und die Erweiterung des Verkehrsrechners belaufen sich bislang auf 75.000 Euro. Es ist geplant, weitere Feuerwachen und weitere Fahrstrecken im Stadtgebiet mit dem inzwischen bewährten System auszustatten.

Um Verständnis bittet die Stadtverwaltung bereits jetzt die Verkehrsteilnehmer, die durch die Ampelbeeinflussung in Notfällen wenige Minuten länger vor einer roten Ampel stehen. Sie tragen damit aber dazu bei, dass dieser Moment der Wartezeit vielleicht dazu führt, Menschenleben retten zu können.