Modellprojekt Lead City

Bonner Fahrverbote könnten noch abgewendet werden

Blick auf den Belderberg. Auch hier soll es Fahrverbote geben.

Blick auf den Belderberg. Auch hier soll es Fahrverbote geben.

Bonn. Können die Fahrverbote in Bonn noch abgewendet werden? Das jedenfalls hofft die Stadt Bonn - und setzt auf das Projekt "Lead City".

Noch 115 Mal schlafen, dann drohen für bestimmte Fahrzeugmodelle bekanntlich Fahrverbote auf dem Belderberg und der Reuterstraße. Und doch hegt die Stadtverwaltung offenbar noch eine gewisse Hoffnung, dass sich das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln rechtzeitig vor dem Stichtag 1. April buchstäblich in rechtlich unbedenklicher Luft auflösen könnte. Gelingen könnte das, wenn die Maßnahmen im Zuge des „Lead City“-Projekts bereits positiv in die nächsten Datenreihen hineinwirkten. Die ersten Schritte stehen nun unmittelbar bevor, am Dienstag informierten Vertreter des Verwaltungsvorstands und der Stadtwerke über den aktuellen Stand.

Fahrverbote: Gerade auf dem Belderberg mit seinem starken Busverkehr, so hatte es Richter Michael Huschens bei der Verhandlung am 8. November in Köln durchklingen lassen, dürfte durch die Nachrüstung von Bussen „ein hoher Effekt zu erzielen sein“. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, den auch Stadtbaurat Helmut Wiesner nicht überhört hatte.

Die Nachrüstung, so Wiesner am Dienstag, werde forciert – möglichst gar im Gleichschritt mit dem Rhein-Sieg-Kreis und seinen Verkehrsbetrieben, deren Busse den Belderberg ebenfalls befahren. Welche Busmodelle bestimmte Strecken bedienen, ließe sich problemlos steuern.

27 weitere Busse der älteren Generation würden im Laufe des ersten Quartals 2019 mit SCRT-Filtern nachgerüstet, kündigte Anja Wenmakers, Geschäftsführerin SWB Bus und Bahn, am Dienstag an. Langfristig verfolgen die SWB bekanntlich das Ziel, die Busflotte bis 2030 auf Elektrobusse umzustellen. Für das kommende Jahr sei die Anschaffung von sieben E-Bussen in Vorbereitung, so Wenmakers.

Aktualisierte Messwerte und neue Modellrechnung

Doch inwieweit werden sich Nachrüstungen und erweiterter ÖPNV noch auf die aktualisierten Daten auswirken, die in einem möglichen Berufungsverfahren als Grundlage dienen? Dazu wagt derzeit auch die Stadt keine allzu kühne Prognose.

Zum einen gibt es für ein Berufungsverfahren, das von der Landesregierung angestrengt werden muss, noch keinen Termin. Zum anderen müssten bis dahin – oder bis zum 1. April – für die Reuterstraße aktualisierte Messwerte und für den Belderberg eine neue Modellrechnung vorliegen, in der dann etwa die veränderte Busflotte Niederschlag findet. Ergäben sich dann Werte unterhalb des Grenzwertes von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft, so hätten sich Fahrverbote erst einmal erledigt. „Die Auskunft ist, dass wir das Ende Februar oder Anfang März bekommen“, sagte Helmut Wiesner auf Frage nach dem neuen Jahresmittelwert der Reuterstraße für 2018. Auch für den Belderberg rechne man vor dem 1. April mit einer neuen Berechnung. Parallel dazu, so teilte Wiesner ebenfalls mit, wolle die Bezirksregierung bis zu diesem Stichtag den Luftreinhalteplan neu auflegen.

Maßnahmen: So unwägbar die juristische Seite, so konkret die neuen Angebote, auf die die ÖPNV-Kunden in der vom Bund geförderten „Modellkommune“ nun zurückgreifen können – und mit denen es am Wochenende losgeht. Mit dem Fahrplanwechsel wird mit der verlängerten Buslinie 632 (Venusberg-Endenich-Nordstadt-Beuel) testweise ein neues Angebot im Halbstundentakt geschaffen.

Und abends fahren viele Bahnen und Buslinien etwa eine Stunde länger im dichteren Takt. Weitere Verdichtungen gibt es dann ab Ende August 2019 (Der GA berichtete). Bereits ab Januar lockt das 365-Euro-Ticket, gültig für ein Jahr im gesamten Stadtgebiet – leider jedoch nur für Neukunden zu haben. Und mit dem 24-Stunden-Ticket werden fünf Personen im Stadtgebiet Bonn zum Preis von einer (8,60 Euro) fahren können, mit einem Preisabschlag von rund 34 Prozent gerade ein Angebot für Paare und Familien. Den Bewilligungsbescheid über 35 Millionen Euro hatte der Bund am Montagmittag an die Bonner übermittelt – eine weitere Zwei-Millionen-Euro-Förderung steht noch aus. Sridharan sagte: „Jetzt gilt es zu sehen, ob sich mehr Kunden für den ÖPNV entscheiden.“

Alle Veränderungen im Internet auf www.swb-busundbahn.de