So machen Sie es Verbrechern schwer

Bonner Experte gibt Tipps gegen Fahrraddiebe

Fahrradparkplatz am Godesberger Bahnhof: Auch hier werden immer wieder Räder gestohlen. FOTO: FROMMANN

Fahrradparkplatz am Godesberger Bahnhof: Auch hier werden immer wieder Räder gestohlen.

Bonn. Weniger als zehn Prozent der Fahrraddiebstähle in Deutschland werden aufgeklärt. Jürgen Dörr vom ADFC Bonn/Rhein-Sieg gibt Tipps, wie Sie es den Langfingern schwer machen können.

Alle 90 Sekunden wird in Deutschland laut Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ein Fahrrad gestohlen – die Aufklärungsrate liegt dabei bei weniger als zehn Prozent. Auch in Bonn wurden im vergangenen Jahr 2866 Fahrraddiebstähle angezeigt. In nur 4,6 Prozent der Fälle konnten die Täter ermittelt werden.

Am Samstag, 22. April, soll ein Mann gegen 12.30 Uhr ein hochwertiges Fahrrad in der Bonner Weststadt entwendet haben. Da die Ermittlungen zunächst zu keiner neuen Erkenntnis führten, hatte die Polizei auf richterlichen Beschluss das Bild des Mannes veröffentlicht. Der mutmaßliche Täter wurde fotografiert, als er das zuvor abgeschlossene Fahrrad aus der Beethovenstraße schob. Aufgrund des Fotos, konnte er nun identifiziert werden.

Die Innenstadtbereiche rund um den Hauptbahnhof oder größere Bus- und Bahnhaltestellen sowie Bildungseinrichtungen sind nach wie vor beliebte Orte, an denen die Täter zuschlagen. In den meisten Fällen nehmen die Täter die aufgebrochenen Schlösser mit.

Die entwendeten Fahrräder werden laut Polizei über Internetportale oder auf Flohmärkten weiterverkauft. Außerdem gehen die Ermittler davon aus, dass das Diebesgut auch über Hehlernetzwerke ins Ausland transportiert wird. Im ADFC Fahrradklimatest hatten die Radfahrer der Stadt Bonn die Note 4,1 gegeben. Ausschlaggebend war dabei auch die Häufigkeit der Fahrraddiebstähle.

Bonner Polizei verzeichnet weniger Diebstähle

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Bonner Polizei für das erste Halbjahr 2017 allerdings weniger Diebstähle. Daneben liege die Aufklärungsrate marginal über der aus dem vergangenen Jahr, wie die Bonner Polizei auf GA-Anfrage mitteilte. Dennoch warnt die Polizei zur Vorsicht. Aber wie kann man sein Fahrrad oder teueres E-Bike am besten vor Dieben schützen?

„Ein Grundsatz ist, dass das Fahrrad fest angeschlossen werden sollte“, erklärt Jürgen Dörr, Technik-Experte vom ADFC Bonn/Rhein-Sieg. Täter sollten das Fahrrad nicht im abgeschlossenen Zustand wegtragen können. Zusätzlich sollten Fahrradbesitzer auf den Sicherheitsfaktor ihres Schlosses achten.

Je höher der Sicherheitsfaktor, desto höher sei auch der Aufwand, die Sicherung zu knacken, so der Experte. Denn: Erkennen Diebe, dass die Sicherung nur mit großer Anstrengung und erst nach mehreren Minuten geknackt werden kann, ließen die meisten von einem Diebstahl ab. „Wenn ich mit meinem Fahrrad unterwegs bin, dann habe ich meistens zwei Schlösser dabei“, sagt Dörr.

GPS-Sender schickt Nachricht aufs Smartphone

Die Sicherheitstechnik hat mittlerweile neue Funktionen entwickelt, unter anderem verfügen manche Schlösser über Alarmanlagen, die beim Durchtrennen ein Signal von mehr als 100 Dezibel auslösen oder den Besitzer über die Bewegung des Fahrrads mittels GPS-Tracker informieren. Hierfür wird ein GPS-Sender in der Sattelstütze versteckt oder im Rücklicht eingebaut.

Wird das Fahrrad von seinem Standort wegbewegt, schickt der GPS-Sender eine Nachricht aufs Smartphone des Besitzers. In manchen Fällen wird sogar der Weg des gestohlenen Fahrrads auf einer App nachgezeichnet. Das System ist allerdings limitiert: Die Batterien des Senders reichen gerade einmal nur für einen Monat.

E-Bike-Fahrer sollten den Akku oder das Display mitnehmen, um den Anreiz für einen Diebstahl zu nehmen. Auch Tachos oder andere Geräte sollten nicht am Fahrrad gelassen werden, rät die Polizei. Gegen das Abmontieren einzelner Teile wie Sättel oder Räder schützen Schnellspannachsen, die nur mit einem individuellen Imbusschlüssel gelöst werden können. Zusätzlich bieten Händler, Polizei und der ADFC an, das eigene Fahrrad zu codieren, um es im Falle eines Diebstahls dem Besitzer leichter zuordnen zu können.