Straße auf der Museumsmeile

Bonner CDU will Allee nach Kanzler Kohl benennen

BONN. Die Bonner CDU will eine Straße in Bonn nach Altkanzler Helmut Kohl benennen. Bislang scheiterte die Suche nach einer geeigneten Straße. Nun ist die Ratsfraktion offenbar fündig geworden.

Die Suche nach einer geeigneten Straße, der man in Bonn den Namen des Kanzlers der Deutschen Wiedervereinigung geben kann, wurde bislang von allerlei Widrigkeiten begleitet. Die CDU-Ratsfraktion hat wohl einen mehrheitsfähigen Vorschlag: Die Museumsmeile soll nach dem Oggersheimer Altkanzler benannt werden.

Konkret geht es um das Teilstück zwischen der Willy-Brandt-Allee und dem Helmut-Schmidt-Platz. Dafür ist derzeit noch Friedrich Ebert der Namensgeber. Nach dem Willen der Christdemokraten soll künftig aber nur noch das Teilstück hinter dem Trajektknoten dem ersten Präsidenten der Weimarer Republik gewidmet bleiben.

Zuvor hatte es ein langes Hin und Her gegeben, ob und wo Kohl eine Widmung im Stadtplan bekommen sollte. Den Platz mit der Fahnenaufstellfläche konnte die Stadt nicht nach dem Kanzler benennen, weil er Teil der Autobahn ist, und deren Namen vergibt das Bundesverkehrsministerium. Deswegen sollte wenigstens die Stadtbahnhaltestelle „Olof-Palme-Allee“ in „Helmut-Kohl-Platz“ umbenannt werden, schlug die Stadtverwaltung vor.

Die Stadtwerke-Tochter Bus und Bahn lehnte das zunächst ab. Das würde Fahrgäste irritieren. Zudem fielen Kosten in sechsstelliger Höhe an – für neue Schilder und das Einpflegen in Fahr- und Liniennetzpläne sowie Leit- und Sicherheitspläne. Diese Kostenschätzung scheint falsch gewesen zu sein. Die Verwaltung teilte den Gremien dann mit: „Nach nochmaliger Prüfung und Nachverhandlungen, die eine deutliche Kostenreduktion von einem sechsstelligen auf einen mittleren fünfstelligen Betrag erbrachte, ist man zu einer Umbenennung der Haltestelle bereit.“

Grüne stimmen den Vorschlag zu

Und nun also der neue Vorstoß der CDU-Ratsfraktion, der auf wenig Widerstand stößt. Der grüne Koalitionspartner habe kein Problem mit der Umbenennung, so Fraktionssprecher Hardy Lohmeyer. „Auch wenn wir das Handeln und Wirken von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl im Rückblick in vieler Hinsicht kritisch beurteilen, so hat er sich ohne Zweifel sehr um die Entwicklung der Museumsmeile verdient gemacht.“ Vor allem das Haus der Geschichte sei seinem Engagement zu verdanken. „Das Benennen einer Bonner Straße nach Helmut Kohl ist sicher angemessen, und deshalb haben wir dem Vorschlag zugestimmt.“

Aber auch die SPD ist d’accord: Jochen Reeh-Schall sagt zur Umbenennung der Allee vor der Museumsmeile in Helmut-Kohl-Allee: „Die SPD-Ratsfraktion unterstützt die Umbenennung der Allee vor der Museumsmeile in Helmut-Kohl-Allee trotz inhaltlich unterschiedlicher Positionen und seiner Fehler.“ Auch Reh-Schall würdigte, dass das Haus der Geschichte auf Kohls Initiative zurückgehe.

Das liegt allerdings auch nach der Umbenennung noch immer an der Willy-Brandt-Allee. Dennoch finden die Sozialdemokraten, dass die Museumsmeile der richtige Ort für eine nach Kohl benannte Straße sei. Man sei darüber hinaus zufrieden, weil so die Haltestelle Olof-Palme-Allee nicht angetastet werden müsse.

Linksfraktion ist gegen die Umbenennung

Michael Faber hingegen findet den Vorstoß schon ziemlich gewollt: „Wir lehnen diesen Vorschlag ab“, sagte der Chef der Linksfraktion. „Hiernach würde die Verkehrsachse entlang der B 9 aus Gründen politischen Proporzes auf kurzer Strecke gleich dreimal den Namen wechseln – Brandt, Kohl, Ebert. „Eine Straßenbenennung nach Kohl lehnen die Linken aber nicht grundsätzlich ab. Sein Name muss aber auch nicht um jeden Preis in die Straßenliste des Regierungsviertels gepresst werden“, findet Faber.

Ein Vorteil dieser Straßenbenennung: Eine Adressänderung würde nur wenige Anlieger betreffen. Sie beträfe vor allem die Unternehmen des 2016 eröffneten Business Centers mit der Hausnummer 13. Manuel Schäfer von einem dort ansässigen Versicherungsbüro wäre jedenfalls trotz auf ihn zukommender Kosten nicht ganz abgeneigt. Rein Wolfs, Chef der Bundeskunsthalle, sieht darin ebenfalls kein Problem, sondern sogar einen Gewinn: „Die Adresse der Bundeskunsthalle erhält nun Bezug zu einem der wichtigsten Akteure ihrer Gründung. Helmut Kohl hat die Idee und den Bau eines Ausstellungshauses für die Bundesrepublik Deutschland maßgeblich vorangetrieben und 1989, vor nunmehr 30 Jahren, seinen Grundstein gelegt“, erklärte er.

Und auch der Intendant des Kunstmuseums wäre einer Umbenennung nicht abgeneigt: Grundsätzlich sei er durchaus zurückhaltend was die Umbenennung von Straßennamen anbelange, so Stephan Berg. In diesem konkreten Fall könne er den Wunsch der CDU aber nachvollziehen, und begreife ihn auch nicht als parteitaktisches Manöver. „Ohne jeden Zweifel haben wir Helmut Kohl die Existenz der Museumsmeile in ihrer heutigen Form zu verdanken“, sagte Berg