Protest gegen geplantes Freihandelsabkommen

Bonner Buchhändler sammeln Unterschriften gegen TTIP

BONN. Für die nächsten Tage verhüllen zehn lokale Buchhändler aus Protest gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade & Investment Partnership) ihre Fenster.

Nach einer halben Stunde Protestaktion hatte Bücher Bosch im Herzen Bad Godesbergs am Samstagmorgen schon die ersten 50 Unterschriften auf der Liste. "Viele Stammkunden standen vor unseren verhüllten Schaufenstern und sprachen mit uns über die Aktion. Sie waren durch den GA-Artikel über die Hintergründe informiert", erklärte Inhaberin Gabriele Schäfer, als der erste Kundenansturm vorbei war. Wie berichtet, haben für die nächsten Tage zehn lokale Buchhändler aus Protest gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade & Investment Partnership) ihre Fenster verhüllt, neben Bosch die Park- und die Altstadtbuchhandlung, Behrendt und Witsch, Le Sabot, der kleine Laden und Köplin, Bücher Bartz, die Buchhandlung am Paulusplatz sowie Reinecke in Roleber.

Wenn, wie zu befürchten sei, durch die Abkommen die Buchpreisbindung wegfalle, kämen alle diese Geschäfte nicht mehr gegen Amazon und Großhändler wie Thalia an, erläuterte Gabriele Schäfer, während sich weitere Kunden in die Unterschriftenlisten eintrugen, die an die entsprechende EU-Kommission gehen sollen. Dabei biete die Buchhandlung an der Ecke doch neben der individuellen Beratung auch längst die Möglichkeit, jedes gewünschte Buch, wenn es nicht vorrätig sei, schon am nächsten Tag vorzuhalten. "Und das Buch kostet bei Amazon genauso viel wie bei uns." Noch, fügt Schäfer mit Blick auf das geplante Abkommen hinzu.

Sie habe das Gefühl, dass der für Buchhandlungen gefährliche Trend, nur noch bei Großhändlern Bücher zu ordern, in letzter Zeit zurückgehe. Der Leser kaufe bewusster ein. Deshalb müsse jetzt die Buchpreisbindung verteidigt werden. "Nicht nur Stammkunden, sondern auch viele Passanten haben unseren Aufruf unterschrieben", meinte Schäfer schließlich, als sie am Nachmittag gut 250 Namen auf der Liste durchging.

Matthias Hausmann und seine Frau Bärbel hatten sofort signiert. "Dieser Wahnsinn muss gestoppt werden. Wir sind doch ein Land der Dichter und Denker und schränken durch dieses Abkommen die Vielfalt unserer Buchproduktion ein", schimpften die Hausmanns. Alle, die den Untergang des Abendlands befürchteten, müssten doch eigentlich hier demonstrieren kommen. Beide Hausmanns wären durch die Änderungen sogar selbst beruflich betroffen: er als Verlagsmitarbeiter, sie als Schulbuchautorin. Es sei ein Skandal, dass sich die deutsche Kulturpolitik nicht vehement gegen das Abkommen wehre, meinte ihr Mann.