Institutionen in der Bundesstadt

Bonner Behörde ist Kontrollinstanz für Obst und Hölzer

Hans Christoph Eiden leitet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Mehlem.

Hans Christoph Eiden leitet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Mehlem.

Bonn. In der früheren US-Botschaft sitzt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Die Behörde befasst sich mit der Haltung von Nutztieren und vergibt Fördermittel, um Landflucht zu verhindern.

Rote Läufer und elegante Wandleuchten verleihen dem 50er-Jahre-Ständerbau in der Deichmanns Aue in Mehlem gleich oberhalb des Rheins ein besonderes Ambiente. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat 2005 in den ehemaligen Räumen der US-amerikanischen Botschaft ihr neues Domizil bezogen.

Mit einigem Stolz zeigt Behörden-Präsident Hans Christoph Eiden den Besprechungsraum im ersten Stock, wo die Hochkommissare der drei West-Alliierten, James B. Conant (USA), André Francois-Poncet (Frankreich) und Frederick Hoyer-Millar (Großbritannien), am 5. Mai 1955 die Aufhebung des Besatzungsstatuts beschlossen.

Das Grundstück soll deshalb demnächst Station auf dem verlängerten Weg der Demokratie werden. Doch auch die BLE hat eine längere Geschichte, wie ein Ensemble alter Schilder im Treppenhaus illustriert. Ihre Ursprünge sind ebenso in der „Einfuhr und Vorratsstelle für Fette“ zu suchen wie in der späteren Bundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordnung.

Was sind die Hauptaufgaben?

BALM UND BEF – das passt zusammen. Seit 1995 sind die Bundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordnung (BALM) und das Bundesamt für Ernährung und Forstwirtschaft (BEF) unter dem Dach der BLE vereint. Im vergangenen Jahr kam noch der aid-Infodienst hinzu. Damit ist die Anstalt öffentlichen Rechts heute die zentrale Umsetzungsbehörde für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Dementsprechend vielfältig sind die Aufgaben.

Für den Bund kontrolliert die BLE etwa die Einfuhr von Hölzern oder Obst und Gemüse oder im Land den Anbau nachhaltiger Biomasse. Mit drei eigenen Schiffen überwacht die Hamburger Außenstelle die Einhaltung der Fischereiquoten. Sie organisiert als Projektträger die Forschungsförderung des Bundes etwa zu ökologischer Landwirtschaft oder zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Sie lagert die Bundesreserve Getreide und die Zivile Notfallreserve und betreibt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft und das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE).

Warum und für wen ist diese Arbeit wichtig?

„Die Sicherung einer gesunden und möglichst nachhaltigen Ernährung betrifft uns alle“, wirbt BLE-Präsident Eiden. Dabei sollten die Eingriffe in die Natur möglichst maßvoll und ressourcenschonend ausfallen. Neben der Umsetzung neuer Erkenntnisse in die Praxis sei es wichtig, gesetzte Normen auch zu überwachen, um ihre Wirksamkeit zu sichern.

Wo liegen aktuelle Schwerpunkte?

Die neue Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag auf die Digitalisierung der Landwirtschaft, die Entwicklung ländlicher Räume und mehr Tierwohl festgelegt. Die BLE soll demnächst eine neue Strategie zur Haltung von Nutztieren umsetzen.

„In Deutschland wird keinem Huhn mehr der Schnabel gekürzt“, erklärt Eiden, „jetzt muss man aber auch mit ausreichend Auslauf und Beschäftigungsmöglichkeiten vom Schlupf bis zur letzten Lebensphase dafür sorgen, dass die Tiere sich nicht gegenseitig picken“. Auch der Bau eines neuen Fischerei-Forschungsschiffs im Umfang von 100 Millionen Euro beschäftigt das Haus.

Warum sitzt die Institution in Bonn?

Die Bundesanstalt kam 2005 im Rahmen des Bonn-Ausgleichs von Frankfurt am Main in die Stadt. Mehrere Standorte waren damals im Gespräch, so etwa auch die Ermekeilkaserne. Heute arbeiten rund 900 der 1400 Mitarbeiter in Bonn am Hauptsitz in Mehlem und einer Dependance im Stadtbezirk Duisdorf.

Wie zufrieden ist man mit dem Standort?

Ein schöneres Umfeld für eine Behörde sei kaum vorstellbar, glaubt BLE-Chef Eiden. Auch ist die Renovierung des Hauptgebäudes fast abgeschlossen. Für die vielen anreisenden Mitarbeiter und Gäste fürchtet Eiden indessen um die Anbindung, falls der Bahnhof Mehlem künftig seltener angefahren wird.

Mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau, dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung seien Tausende Mitarbeiter am Standort. In der Stadt vermisst Eiden Tagungsräume für mittlere Veranstaltungen von 80 bis 150 Personen „außerhalb des Luxussegments“. Ein Abriss der Godesberger Stadthalle wäre für die BLE deshalb ein herber Rückschlag.