"Dicker-Pulli-Tag" am 7. Februar

Bonner Beamte sollen sich warm anziehen

Pullover 
könnten Mitarbeiter der Verwaltung am 7. Februar in den Amtsstuben wärmen.

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könnten Mitarbeiter der Verwaltung am 7. Februar in den Amtsstuben wärmen.

Bonn. Stadt Bonn macht mit beim „Dicker-Pulli-Tag“ am 7. Februar 2020. In den Amtsstuben wird dann die Heizung runtergedreht - als Werbung für den Klimaschutz.

Die Stadtverwaltung will sich nächstes Jahr an einem „Dicker-Pulli-Tag“ beteiligen, um für Klimaschutz zu werben. Sie greift damit die Initiative einer Beuelerin auf, die einen entsprechenden Bürgerantrag an die Stadt gestellt hatte.

Am 7. Februar sollen die Heizungen um mindestens ein Grad heruntergedreht werden. Ähnliche Aktionen gab es bundesweit schon in etlichen Städten. Der Personalrat der Verwaltung trägt das Projekt mit, fordert aber darüber hinaus weitere Maßnahmen – so solle die Kommune ihren Mitarbeitern kostenlose Jobtickets für Bus und Bahn zur Verfügung stellen.

„Mit einem Grad Temperaturabsenkung an einem Tag kann noch nicht substanziell Kohlendioxid eingespart werden“, räumt Stadtsprecherin Monika Hörig ein. Es gehe vielmehr darum, für Klimaschutz zu sensibilisieren. „Deshalb sind ergänzend zum Herunterregeln der Heizung begleitende Aktionen, Informationen zum Energiesparen und zur Reduktion von Treibhausgasen vorgesehen.“

Nachdem der Bürgerausschuss den Antrag der Beuelerin abgesegnet hatte, bildete die Verwaltung eine interne Arbeitsgruppe für den Aktionstag. Nach den Sommerferien sollen alle Dienststellen, Schulen, Kindertageseinrichtungen und Jugendzentren schriftlich zur Teilnahme eingeladen werden. Die Stadt will auch die Bonner UN-Organisationen und wissenschaftliche Institutionen anschreiben.

Für die eigenen Gebäude will die Verwaltung zudem erst prüfen, ob eine kurzfristige Temperaturabsenkung jeweils technisch möglich und sinnvoll ist – falls nicht, sollen Energieeffizienz und Klimaschutz am 7. Februar anderweitig thematisiert werden. „Die Jugendamtskollegen in der Dechenstraße müssen die Temperatur gar nicht senken, weil die Heizung sowieso nicht warm genug wird“, spottet der Personalratsvorsitzende Christoph Busch.

Nachdem der Rat vor wenigen Wochen den Klimanotstand für Bonn ausgerufen habe, fürchte der Personalrat, dass es bei „reiner Symbolpolitik“ bleibe. Betrieblicher Umweltschutz gehöre zu den Aufgaben des Personalrats. Deshalb schlage man gemäß NRW-Personalvertretungsgesetz ein Maßnahmenpaket vor.

Das sind die Forderungen des Personalrats: Alle städtischen Mitarbeiter sollen auf Wunsch ein kostenloses Job-Ticket erhalten. Bisher fahren damit laut Presseamt 2400 Bedienstete Bus und Bahn, zahlen aber selbst. Die Kommune soll auch die Leasinggebühren für Elektro-Fahrräder übernehmen und die Büro- und Technikausstattung auf einen umweltfreundlichen Stand bringen, so der Personalrat. Die städtischen Gebäude müssten zudem energetisch saniert werden. Und zu guter Letzt schlagen die Personalräte vor, die Weihnachtsbetriebsferien auf den 23. Dezember auszudehnen, um Energie zu sparen.

„Vor allem zum Job-Ticket-Vorschlag bekommen wir viel Zustimmung von den Kollegen“, berichtet Busch. Jetzt werde man Gespräche mit den Ratsfraktionen und Oberbürgermeister Ashok Sridharan führen. Das Stadtoberhaupt sagt: „Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels und eines zusätzlichen Beitrages zur Verkehrsentlastung müssen die Vorschläge intensiv bewertet werden. Als Kommune in der Haushaltssicherung muss dabei natürlich auch deren langfristige Finanzierbarkeit sichergestellt sein.“ Sridharan betont, dass Klimaschutz „nicht zum Null-Tarif zu haben“ sei.

Für die Weihnachtszeit 2019 hat Sridharan bisher Betriebsferien am 27. und 30. Dezember angeordnet. Zum Ausgleich müssen nach Angaben des Presseamts Urlaubstage oder Überstunden eingesetzt werden. Die mehr als 6000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben damit neun Tage am Stück frei. Käme Montag, der 23. Dezember, hinzu, wären es zwölf Tage.

„Da allerdings der Dienstleistungsgedanke ausreichend Berücksichtigung finden muss, hat die Verwaltung sich gegen eine Schließung am 23. Dezember entschieden“, erklärt Stadtsprecherin Hörig. Vor dem Hintergrund der Personalratsforderung wolle Sridharan aber jetzt zunächst die Regelungen der Großstädte in der Region erfragen lassen.

Weitere Informationen auf www.dicker-pulli-tag-bonn.de