Ranking

Bonner Ökonomen in der Forschung besonders stark

Bei bezahlbarem Wohnraum für Studenten herrscht in Bonn immer noch Mangel.

BONN. Welche Hochschulen beschäftigt die forschungsstärksten Ökonomen? Nach einer Studie des Handelsblatts belegt die Universität Bonn Platz 2, knapp hinter der Uni Mannheim. Auch die Uni Köln erreicht einen guten Platz.

Wer gute Leistungen erzielen möchte, benötigt gute Leute. Und wer gute Leute haben will, muss ihnen etwas bieten - und zwar weit mehr als nur Geld. Das ist eine vergleichsweise einfache Formel, jedoch mit weitreichenden Folgen: Einige Wirtschaftsfakultäten an deutschsprachigen Universitäten haben es in den vergangenen Jahren gewagt, alte Strukturen aufzubrechen und mit ihrem Forschungspersonal neue Wege einzuschlagen. Mit dem Ergebnis, dass gerade diese Fakultäten bei einem Ranking des "Handelsblatt" besonders gut abschneiden.

Das Wirtschaftsblatt hat untersucht, welche Hochschulen die forschungsstärksten Ökonomen beschäftigt. Die Universität Bonn landete auf Platz 2, knapp hinter der Uni Mannheim. Die Wissenschaftler der Universität Köln belegten innerhalb Deutschlands Platz 4, im deutschsprachigen Raum sind sie sechster.

Als Grundlage für das Ranking nimmt das "Handelsblatt" die Veröffentlichungen der Ökonomen in den vergangenen zehn Jahren unter die Lupe. Für jede Veröffentlichung in einer der weltweit renommiertesten 1500 Fachzeitschriften erhält ein Forscher Punkte. Artikel in den Top-10-Zeitschriften bringen einen Punkt, die anderen Journale maximal 0,6 Punkte. Schreiben mehrere Forscher an einem Artikel, werden die Punkte geteilt. Aus dieser Rechnung ergibt sich dann jeweils eine Gesamtpunktzahl für eine Universität und eine für den Wissenschaftler, der am meisten forscht. (Siehe Grafik)

Bonn erhält 78 Punkte (Mannheim 81) und verbessert sich damit im Vergleich zum Jahr 2011 von Position 4 auf die zwei. Der Wissenschaftler mit der meisten Forschungsarbeit ist laut "Handelsblatt" Armin Falk, der in seiner Arbeit die Verbindung zwischen Ökonomie, Medizin und Psychologie untersucht, also wie zum Beispiel die Hirnströme auf wirtschaftliche Reize reagieren.

Die Uni Köln kann 53 Punkte verbuchen (2013: Platz 6; 2011: Platz 8). Das Ranking führt bei ihr Patrick Schmitz an. Der Vertragsökonom untersucht theoretisch wie experimentell, welche Auswirkungen vertragliche Strukturen auf Arbeits- oder Investitionsanreize haben. Der Bereich Volkswirtschaftslehre in Köln hat sich deutlich verjüngt. Früher war die Fakultät vor allem für einen praxisbezogenen Ansatz bekannt, heute wird mehr auf die Grundlagenforschung geachtet.

An beiden Universitäten hat man sich in den vergangenen Jahren dazu entschieden, auf althergebrachte Hierarchien zu verzichten und auf eine Art Gruppenarbeit zu setzen. Früher galten Professoren, Habilitanden und Doktoranden als Einzelkämpfer, heute sitzen sie thematisch gebündelt in einem Boot. Ganz nach dem Motto "Gemeinsam kann man mehr erreichen". Sie teilen sich Räume, Hilfskräfte, Sekretariate - und auch die finanziellen Mittel.

Der direkte Austausch mache die Ökonomen produktiver, schreibt das "Handelsblatt". Zudem seien die Teams entlastet worden. Bürokratische und organisatorische Aufgaben übernimmt jetzt ein Fachbereichsmanagement. "Die knappste Ressource ist Zeit zum Forschen", sagt Klaus Sandmann, Dekan in Bonn. Es sei wichtig gewesen, die Professoren zu entlasten und jungen Forschern ein spannendes Umfeld zu bieten.

Der Strukturwandel zahlt sich aus. Elf neue Professoren kann die Fakultät nun zusätzlich befristet beschäftigen. Das ist ein Drittel der zuvor 33 beschäftigen Dauer-Professoren. Das kommt Studenten und Professoren gleichermaßen zugute. Der Nachwuchs hat mehr Betreuer, die alten Hasen erhalten personelle Verstärkung.