Leerstände in Bonn

"Bonnbunt" fordert Platz für Kreativität

Ein Ausschnitt aus dem "Leerstandskalender", den die Initiative Bonnbunt wie einen Adventskalender gestaltet und im Internet veröffentlicht hat. Er zeigt leerstehende Gebäude.

BONN. Etwa 50 Bonner haben nach Angaben des Organisationsteams Ende des vergangenen Jahres "Bonnbunt - Initiative für Freiraum" gegründet. "Wir alle hätten gerne ein Areal, auf dem wir unsere Ideen verwirklichen können und auf dem wir von dem Austausch mit anderen profitieren", erklärte Lea Carstens vom Orga-Team. Allerdings fehle bisher der Raum dafür in Bonn.

Die Ziele von Bonnbunt decken sich mit denen der Kampagne "LiZ", die in der Nacht zu Sonntag ein Uni-Gebäude in Poppelsdorf besetzt hatte. Bonnbunt kritisiert den Leerstand von Gebäuden und hat deshalb einen "Leerstandskalender" veröffentlicht, angelehnt an einen Adventskalender. Dazu haben die Initiatoren an 24 nicht genutzten Immobilien Pappschilder angebracht und die Häuser auch im Internet gezeigt. "Es ging nicht darum, die Eigentümer der Gebäude irgendwie an den Pranger zu stellen", betont die Gruppe. "Vielmehr möchten wir damit auf unser Projekt aufmerksam machen."

Bonnbunt sucht kostengünstige Räume für Kreative. Clara Jobs zum Beispiel lässt regelmäßig einen Hula-Hoop-Reifen kreisen. Im Sommer ist die 28-Jährige oft in den Rheinauen oder im Hofgarten, um zu zeigen, was mit dem Reifen alles möglich ist. Wenn Jobs über einen E-Mail-Verteiler sowie soziale Netzwerke bekannt gibt, wo das nächste Hula-Hoop-Treffen stattfindet, bleibt sie meist nicht lange alleine. Zahlreiche Bonner nutzen Jobs Angebot für kostenloses Hula-Hoop-Training. "Mir macht das einfach Spaß", sagt sie knapp ihr endgeldloses Angebot. Nur im Winter hat sie Probleme, denn ohne Probenraum fällt das Training bei Regen, Schnee und Eis aus.

Lea Carstens investiert viel Zeit in Bildungsarbeit. Unter anderem klärt sie über Rassismus auf. Nebenbei kreiert sie ihren eigenen Schmuck. "Manchmal fehlt mir der Austausch mit anderen Kreativschaffenden", berichtet sie. Till Nollmann ist ein Tausendsassa. Als Industriekletterer finanziert er sich sein Studium.

Immer wieder braucht er dafür spezielle Vorrichtungen, die er sich selbst baut. Außerdem hat er ein Faible für Konzerte. "Derzeit fehlt mir aber eine Werkstatt und auch Platz, um Konzerte zu veranstalten", berichtet der 28-Jährige. Alle drei haben Probleme, günstige Räumlichkeiten zu finden. Wie ihnen geht es auch anderen Mitstreitern der Initiative, die ihre Hobbys mit anderen teilen möchten.

Die Gruppe hätte am liebsten ein Nutzungsrecht für den ehemaligen Schlachthof an der Immenburgstraße. Das Areal gehört der Stadt. Es steht seit Mitte des vergangenen Jahres leer, nachdem das Gründungszentrum und verschiedene Lebensmittel-Großhändler ausgezogen sind. Die Stadtplaner arbeiten gemeinsam mit benachbarten Unternehmen an einem Weststadt-Entwicklungskonzept, das die künftige Nutzung des Schlachthofs zum Thema hat.

Bonnbunt beruft sich mit seinen Forderungen auf die Ziele des Masterplans Innere Stadt, der zurzeit erarbeitet wird. Darin heißt es: "Last but not least müssen neben der 'Hochkultur' mehr Räume für subkulturelles Leben in der Stadt entwickelt werden, um dem studentischen Leben Freiräume in der Stadt zu geben. Planerisch bedeutet dies, Bereiche der 'Inneren Stadt' offen zu halten, damit sich dort 'kreative Milieus' bilden können."

"Nichts anderes möchten wir tun", sagt Lea Carstens. Allerdings steht im Bericht des Stadtplanungsamtes zum Masterplan auch, dass "der Erhalt und die Stärkung vorhandener Kulturangebote dabei Vorrang vor der Entwicklung neuer Angebote hat". Neue Initiativen wie Bonnbunt stehen also hinten an. "Aber wir wollen auch gar keine Fördergelder", sagt Nollmann. "Wir wollen unabhängig bleiben." Zurzeit werde an Konzept und Businessplan gearbeitet. Finanzierungsberechnungen könnten aber erst durchgeführt werden, wenn Räume zur Verfügung stehen.

Mehr im Netz unter www.bonnbunt.de