Rund 25000 Teilnehmer

Bonn wird zum Schauplatz der Weltklimakonferenz

Die Vorbereitungen für die Weltklimakonferenz laufen auf Hochtouren.

Die Vorbereitungen für die Weltklimakonferenz laufen auf Hochtouren.

Bonn. Die Rheinaue und das Bundesviertel werden vom 6. November an zum Schauplatz der Weltklimakonferenz. Die aufwendige Logistik und Organisation für 25 000 Teilnehmer werden im Bundesumweltministerium koordiniert.

Drei Buchstaben, zwei Ziffern, das war's. Doch das Kürzel hat es in sich. Für „Conference of the Parties“ steht das bündige COP, die Zahl dahinter für das 23. Treffen der Folgekonferenz. Das Schlagwort „COP 23“ wird stets mit Bonn verbunden bleiben. Die Weltklimakonferenz vom 6. bis zum 17. November wird zumindest die Gronau und die Rheinaue in einen Ausnahmezustand versetzen. Schon jetzt ist das Bundesviertel kaum wiederzuerkennen. Hier sind die wichtigsten Fakten zur provisorischen Zeltstadt, die dort in etwas über zwei Monaten entstanden ist:

Teilnehmer: So ganz genau weiß derzeit niemand, wie viele Delegierte letztlich wirklich kommen. Gerechnet wird mit bis zu 25.000 Teilnehmern. Neben Delegierten aus aller Welt gehören dazu die Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und mehr als 1000 Journalisten. Unwahrscheinlich ist indes, dass sich alle gleichzeitig im Bonner Süden tummeln. Vielmehr herrscht während der beiden Konferenzwochen ein munteres Kommen und Gehen. Mit dabei sind außerdem rund 600 Helfer aus dem Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen.

Bula Zone: Die Konferenz ist räumlich auf zwei Zonen verteilt. In der so genannten Bula Zone im ehemaligen Regierungsviertel rund um das WCCB und hinter den Gebäuden der Deutschen Welle finden die eigentlichen Verhandlungen statt. „Bula“ ist der Willkommensgruß der Fidschi-Inseln, dem eigentlicher Ausrichter der Konferenz. Das Willkommen gilt hier allerdings stark eingeschränkt: Einlass haben nur Kongressteilnehmer. Vom kommenden Donnerstag an ist der Bereich zwischen Heussallee und Rhein für die Öffentlichkeit komplett gesperrt und wird während der Konferenz als exterritoriales Gebiet behandelt. Zuständig für die Sicherheit ist dort nicht die Bonner Polizei: Hier patrouillieren Kräfte der UN-Polizei. Kongresszentrum und UN-Campus sind um provisorische Bauten mit einer Grundfläche von 20.000 Quadratmetern ergänzt worden. Wichtig für die Bonner: Das Rheinufer bleibt frei passierbar.

Bonn Zone: In der Bonn Zone auf der kleinen und großen Blumenwiese finden flankierend rund 400 Veranstaltungen statt, die so genannten „Side Events“. Über 35 000 Quadratmeter erstreckt sich hier die Zeltstadt, in der sich bis zu 8000 Personen gleichzeitig an knapp 40 Pavillons über die Aktivitäten der einzelnen Aussteller informieren können. Doch Achtung: Auch die Bonn Zone ist nicht öffentlich, Zugang gibt es ausschließlich mit Akkreditierung.

Transferzone: Das Gelände zwischen den beiden Bereichen wird als Transferzone bezeichnet. Die meisten Wege in der Rheinaue bleiben während der gesamten Zeit auch für die Allgemeinheit offen. Dort begegnen sich also Bonner und Konferenzteilnehmer – letztere können sich mit Elektrokleinbussen zwischen den Zonen hin- und her fahren lassen. Außerdem stehen für sie 600 Fahrräder bereit.

Zeltkonstruktion: Zelten in der Rheinaue, das hat man sich bislang anders vorgestellt, jedenfalls nicht derart massiv. Die Zeltstadt in der Bonn-Zone wird von einem Stahlgittergerüst getragen, das am Boden zusammengesetzt und hydraulisch Stück für Stück angehoben und nun bis zu neun Meter hoch ist. Darin befinden sich Messeräume, Konferenzsäle für bis zu 500 Menschen, eine Kantine, Presseräume und ein medizinisches Zentrum, Die Wände bestehen in großen Teilen aus gedämmten Leichtbauelementen. Geheizt wird mit Warmluft, die Energie erzeugt eine Kombination aus Öl und Strom. Im Inneren gibt es Aufzüge, alles ist barrierefrei zugänglich.

Verpflegung: Bis zu 1500 Menschen können in der Kantine gleichzeitig satt werden. Der Preis für ein Mittagessen liegt zwischen zehn und zwölf Euro. Beim Catering wird überwiegend vegetarisches Essen angeboten, mindestens die Hälfte der Speisen sind Bioprodukte. Lebensmittelabfälle sollen so weit wie möglich vermieden werden. Jeder Teilnehmer erhält eine Trinkflasche aus recyceltem Material und kann sich während der Konferenz an den Wasserspendern mit Bonner Wasser versorgen. Die Organisatoren sind sicher: „Eine beachtliche Zahl von Einwegbechern kann so vermieden werden“.

 

Lagezentrum: Im nahen Bundesumweltministerium behält rund um die Uhr ein Lagezentrum den Überblick über das Geschehen auf der Konferenz. So übermittelt etwa ein elektronisches Zählsystem an den Zu- und Ausgängen, wie viele Delegierte sich gerade in welchem Bereich aufhalten.

Fachfirmen: Was für ein günstiger Zufall, dass alle drei Marktführer für Zeltbauten in der für die Klimakonferenz benötigten Größenordnung ihren Sitz in Deutschland haben. Alle drei wurden für das Projekt engagiert. Das ist auch der Grund für etwas eigenwillige Design: Aus der Not heraus wurden die drei verschiedenen Zelttypen verbaut, was der Architektur anzusehen ist.

Müll: Um Abfall zu vermeiden, verzichten das UN-Klimasekretariat und die Bundesregierung weitgehend auf gedruckte Publikationen und setzen stattdessen auf digitale Dokumente. Auch das übrige Abfallaufkommen soll so gering wie möglich ausfallen. Deshalb wird – wo möglich – Recyclingmaterial eingesetzt. Den Umweltschutz haben sich die Organisatoren zertifizieren lassen.

Nach der Konferenz: Wenn alles vorbei ist, sind die Landschaftsgärtner am Zuge. Bäume wurden für die Konferenz zwar nicht gefällt. Vom Rasen der Großen Blumenwiese, dem Herzstück der Rheinaue, dürfte nach der dreimonatigen Bebauung jedoch nicht allzu viel übrig sein. Die vollständige Wiederherstellung ist im Gesamtkonzept eingeplant und soll aus dem Budget von 117 Millionen Euro bestritten werden.

Weitere Themenschwerpunkte zur Klimakonferenz und ihren Auswirkungen auf Bonn veröffentlicht der GA in den kommenden Tagen.