„Closer to Europe“

Bonn wirbt mit Top-Adressen und Video für Arzneimittelagentur

Bonn. Die Bewerbung aus Bonn um die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ist eingereicht. Sie könnte in Neubauten am Bundeskanzlerplatz oder auf dem Areal des ehemaligen Landesbehördenhauses einziehen.

Manchmal geht alles schneller, als man denkt: Hatte Art-Invest, der Eigentümer des Areals des einstigen Bonn-Centers , – sich bislang zu den Plänen für das Grundstück am Bundeskanzlerplatz bedeckt gehalten, so ist jetzt klar: Sollte Bonn im November den Zuschlag als Sitz für die EU-Arzneimittelaufsicht (EMA) erhalten, dann könnte die bislang in London ansässige Agentur dort in unmittelbarer Nachbarschaft zum UN-Campus eine neue erste Adresse erhalten.

In der Broschüre „Closer to Europe“, mit der die Bundesregierung bei der EU für die Bundesstadt als neuen EMA-Standort wirbt, ist jedenfalls schon einmal eine Simulation von den Büroneubauten samt Turm zu sehen, in die die mehr als 900 Mitarbeiter der EMA einziehen könnten. Auf die Frage, ob es schon konkretere Planungen zu den Neubauten gebe, sagte Arne Hilbert, NRW-Niederlassungsleiter von Art-Invest: „Bonn wie auch der neue Kanzlerplatz passen ideal zum aktuellen Profil der EMA.

Sobald hier konkrete Entscheidungen getroffen werden, werden wir die Presse proaktiv informieren.“ Auch zur Frage, wie hoch der Büroturm am Ende sein wird –erlaubt sind bis zu 100 Meter –, blieb Hilbert vage. „Die Höhe des Turms hängt von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.“

Und noch ein weiterer möglicher attraktiver Standort für die EMA wird in der Broschüre angepriesen: Es geht um das Gelände des ehemaligen Landesbehördenhauses an der Friedrich-Ebert-Allee 144, auf dem laut Bebauungsplan bis zu 110.000 Quadratmeter neue Bürofläche entstehen könnten. Der dafür zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Niederlassung Köln plane gerade den Verkauf, sagte BLB-Sprecher Frank Buch. Ein Ergebnis stehe noch aus. Der Vorzug bei dieser Adresse wäre, dass der direkte Nachbar der EMA das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sein würde. Es handelt sich um die größte nationale Zulassungsbehörde mit 1100 Beschäftigten, die Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zufolge im Verbund der EMA die zweitwichtigste Zulassungsbehörde nach der britischen ist.

Grund für den Umzug ist der Brexit

Doch erst einmal muss die EU eine Entscheidung über den künftigen Standort der EMA fällen. Wie berichtet, ist der Umzug der EMA aus London durch den bevorstehenden EU-Ausstieg Großbritanniens (Brexit) nötig geworden. Die EU hatte vor wenigen Wochen die Kriterien festgelegt, die der zukünftige Standort erfüllen muss: Dazu gehört auch, dass die EMA nach ihrem Umzug ohne Unterbrechung weiterarbeiten kann.

Weitere Kriterien sind unter anderem die Erreichbarkeit, internationale Schulen und Kitas, der Zugang zum Arbeitsmarkt für die Familienangehörigen sowie ein breites Freizeit- und Kulturangebot. „Es gibt keine Stadt, die diese Kriterien besser erfüllt als Bonn“, sagte Wolfgang Clement kürzlich bei der Präsentation der Bewerbungsunterlagen für Bonn. Der ehemalige NRW-Ministerpräsident agiert im Auftrag der Bundesregierung als Sonderbeauftragter bei der Bewerbung um die EMA, um deren Sitz indes noch 18 andere EU-Städte buhlen, darunter Stockholm, Wien und Warschau.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU), der sich seit Monaten für die Ansiedlung der EMA in Bonn starkgemacht hat, verspricht der EU: „Bei der Ansiedlung der EMA in Bonn wird sich eine eigene Abteilung innerhalb unserer Verwaltung nur darum kümmern.“