Seilbahn in Dottendorf

Bonn will eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben

Mögliche Talstation für die Seilbahn: Am Hindenburgplatz steigt man mit einem normalen Busticket in die Gondeln und ist in wenigen Minuten im Klinikgelände auf dem Venusberg.

VENUSBERG/DOTTENDORF. Die Idee elektrisiert. Ganz egal, ob man sie für genial oder verrückt hält: Eine Seilbahn von Dottendorf hinauf zu den Uni-Kliniken auf den Venusberg zu bauen, so wie es der Verkehrsentwicklungsplan vor drei Jahren erstmals anregte, ist jedenfalls ein Vorschlag, der ziemlich aus dem üblichen Rahmen fällt.

Wer schon mal mit Bus oder Auto, aber vor allem per Fahrrad mühsam auf den Venusberg gefahren ist, weiß, warum viele Leute das für eine tolle Alternative zu herkömmlichen Verkehrsmitteln halten. Die könnte dann so aussehen: Vom Hindenburgplatz - hier hat man die direkte Anbindung zur Linie 61/62 - steigt man mit einem normalen Busticket in die Gondeln der Seilbahn und ist in wenigen Minuten im Klinikgelände auf dem Venusberg.

Nur ein schöner Traum? Keineswegs: Das Stadtplanungsamt will sich nach den Ferien von der Politik den Auftrag zu einer Machbarkeitsstudie genehmigen lassen. Die ist nötig, weil fast alle wichtigen Fragen noch unbeantwortet sind: Ist eine Standseilbahn mit Schienen die richtige Wahl oder doch das System einer Schwebeseilbahn? Wird eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung favorisiert oder eine Fahrt mit mehreren Stationen durch das Klinik-Areal? Welche Gondelkapazität ist nötig? Wie kann ein sicherer Brandschutz gewährleistet werden? Und - vor allem - was kostet die Sache und wer bezahlt sie?

Die Voraussetzungen, dass es Zuschüsse für ein solches Projekt gibt, haben sich am 1. Januar jedenfalls rapide verbessert. Da beschloss das Land im neuen ÖPNV-Gesetz, dass künftig auch die Planung und der Bau von Seilbahnen als förderfähig gelten, sofern sie in den Nahverkehr integrierbar sind. Und vor dem Hintergrund, dass die Kliniken weiter expandieren werden, halten Verkehrsexperten viel von der Seilbahn-Idee.

Auch bei der Stadt Bonn ist das so: "Wir wollen die Möglichkeit von einem Fachbüro untersuchen lassen", sagt Helmut Haux, Abteilungsleiter für Stadtverkehr. "Am Ende dieser Studie kann dann stehen, dass es sinnvoll ist oder auch nicht."

Damit die Fachingeniere für ihre Untersuchung eine Basis haben, will die Stadt inhaltliche Vorgaben machen, die in nächster Zeit erarbeitet werden. Zum Beispiel: "Wir bräuchten eine Seilbahn, die eine hohe Kapazität hat, um Berufstätige zu transportieren und nicht nur Touristen", erklärt Haux. "Und sie müsste barrierefrei sein und eine Fahrradmitnahme ermöglichen."

Mit einem Vertreter der Universität haben sich die städtischen Verkehrsplaner die Seilbahn in Koblenz angesehen, die zur Festung Ehrenbreitstein führt. Demnächst werde es ein weiteres Gespräch geben, denn: "Über eine Finanzierung und Beteiligung der Uni-Kliniken ist noch nicht geredet worden." Allerdings könnte man sich auch gut vorstellen, dass sich Sponsoren finden lassen, die das Projekt mitfinanzieren, etwa Pharmafirmen.

Gleichwohl hat das Projekt auch Macken, und seien es die Schienen oder Stützpfeiler, die als Verschandeln der Venusberg-Optik im Landschaftsschutzgebiet wahrgenommen werden könnten. Und dass es sich bei den Betrieb einer solchen Bahn um ein Zuschussgeschäft handelt, wie es bei allen ÖPNV-Projekten der Fall ist, scheint ebenfalls klar.

Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie, die Ende 2014 vorliegen könnte, wenn alles optimal läuft, gilt es die Weichen zu stellen. Dann sieht man bei Investitions- und Betriebskosten klarer. "Und dann", so Haux, "setzen sich alle Beteiligten an einen Tisch."

Die Chronologie einer Idee

  • 1911: Ein Bürgerkomitee fordert, die Straßenbahnlinie von Poppelsdorf bis zur Casselsruhe zu verlängern und sammelt dafür 6000 Unterschriften. Die Stadtverordnetenversammlung lehnt die Idee jedoch einstimmig ab.
  • 1947: Eine Drahtseilbahn zu den Uni-Kliniken wird von der Stadt geplant: Die Nachfrage bei einer Firma Ernst Heckel ergibt, dass sie den Auftrag durchführen kann.
  • 1950: Der Rat fällt den Beschluss, die Bergbahn auf den Venusberg zu bauen. Noch im selben Jahr sind die Pläne bis ins Detail ausgearbeitet. Als Startpunkt ist jedoch nicht der Hindenburgplatz vorgesehen, sondern die 250 Meter weiter südlich gelegene Hinsenkampstraße. Von dort soll die 600 Meter lange Bahn mit zwei Kabinen, die sich in der Mitte begegnen, starten und auf den Venusberg führen.
  • November 1950: Es stellt sich heraus, dass Busse oder Oberleitungsbusse doch rentabler sind.
  • 1951: Die Jungfernfahrt der neuen O-Busse findet statt.
  • 1952: Bei der Abstimmung, in eine O-Buslinie oder eine Bergbahn zum Venusberg zu investieren, gibt es eine Mehrheit für die Bergbahn. Drei Monate später die Korrektur aus heute ungeklärten Gründen: Der Stadtwerkeausschuss votiert einstimmig für eine O-Buslinie zum Venusberg. Sie fährt bis 1954 im Zwölf-Minuten-Takt. Der O-Busbetrieb wird erst 1971 eingestellt.