Wahlkampf

Bonn sucht den Super-OB

Jetzt weiß man zwar noch nicht, wofür er steht, aber sein Gesicht kennt nun wirklich jeder: Ashok-Alexander Sridharan

BONN. Noch vor Kurzem musste man beim Bonner OB-Wahlkampf von nordkoreanischen Zuständen ausgehen: Eine Wahl, ein Kandidat. Fertig. Dieses Jahr ist alles anders.

Ein sympathischer Mann mit gesunder Gesichtsfarbe, einer weißen Flauschmütze auf dem Kopf, Brille, Bonnorange-Krawatte und breitem Grinsen blickte von jeder zweiten Laterne - von denen es bekanntlich im Bonner Stadtbild zu viele gibt. Im Juni war er vorgeprescht mit der Plakatiererei.

Ashok-Alexander Sridharan

Jetzt weiß man zwar noch nicht, wofür er steht, aber sein Gesicht kennt nun wirklich jeder: Ashok-Alexander Sridharan. Und die deutlichste Bewerbung seit Gerhard Schröders "Ich will hier rein" steht unter dem Gesicht: "Oberbürgermeister für Bonn", im Kleingedruckten liest man ein "CDU".

Jetzt hängt er nicht mehr alleine an den Laternen. Sridharan ist zwar immer noch obenauf - die CDU scheint ziemlich große Plakatierer zu haben. Aber auf gleicher Augenhöhe mit den passierenden Autofahrern grüßt nun auch ein sehr gut durch den Starfotografen Jim Rakete ins Licht gerückter jovialer Herr mit Brille, von dem in Bonn nun jeder weiß, dass er nicht Peter, sondern Besser Ruhenstroth-Bauer heißt, in der SPD (auch kleingedruckt) ist und in der Regel nicht über Zwei-Wort-Sätze hinauskommt. "Bonn gerecht" und "Bonner Dynamik". Weiß der Teufel, was das bedeuten soll.

Fehlt noch der dritte Kandidat

Der gerne Blau tragende Tom Schmidt "packt's an" mit einer Plakatreihe, in der der graubärtige Grüne erfreulich als Ego zurücktritt, den Raum öffnet - zum Beispiel für Atmosphäre, Natur und Botschaften wie "Bonn für alle", "Miteinander nicht gegeneinander" oder den etwas holprig und umständlich geratenen Slogan "Wirtschaft fördern statt Zuständigkeitslabyrinth und Bürokratie".

Im Labyrinth der Bonner Plakate ist dank Schmidt endlich so etwas wie eine Botschaft zu finden. Ansonsten herrscht traurige Themenflaute - und dem Wähler versprochen wird gar nichts.

Einen Preis für "Unsere Stadt soll schöner werden" verdienen die drei Herren und deren Plakatdesigner nicht. Originell, gar verblüffend und witzig ist keine der drei Kampagnen, man kann nur hoffen, dass der siegreiche Kandidat im Amt dann mehr Inspiration verbreitet.

Loriot, der Humorist, Alltagsphilosoph und Kenner der Politik, sagte einmal: "Der beste Platz für den Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen." Also Geduld: Am 13. September ist der Spuk vorbei.