Studie zur Weiterbildung

Bonn schöpft Bildungspotenzial nicht aus

Weiterbildung ermöglicht beruflichen Aufstieg.

Weiterbildung ermöglicht beruflichen Aufstieg.

Bonn. Rund 15,5 Prozent aller Bonnerinnen und Bonner nutzten im Jahr 2013 Angebote zur Weiterbildung. Damit lag die Bundesstadt deutlich über dem Schnitt in Nordrhein-Westfalen von 10,4 Prozent und auch merklich über dem Bundesschnitt von 12,3 Prozent.

Dennoch blieb Bonn nach seinen sozialökonomischen Rahmenbedingungen 1,8 Prozent unter seinem zu erwartenden Potenzial. Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Deutsche Weiterbildungsatlas, den das DIE im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erarbeitet hat. Die Angebote und die Nutzung der Weiterbildungsangebote sind in Deutschland insgesamt sehr gut. Aber sie schwanken nicht nur zwischen Nord und Süd sowie West- und Ostdeutschland. Während im Kreis Prignitz (Brandenburg) gerade einmal 2,9 Prozent der Einwohner an Weiterbildungen teilnahmen, waren es in Darmstadt 23,1 Prozent. „Es gibt auch regional zwischen einzelnen Kreisen erhebliche Unterschiede“, sagt Beate Beyer-Paulick, Pressesprechern des DIE.

Das zeigt sich schon im direkten Umfeld. Vor den Toren der Stadt nutzten im Rhein-Sieg-Kreis 2013 nur 11,6 Prozent der Bewohner Angebote zur Erwachsenenbildung. Damit lag der Kreis sogar elf Prozent unter den Erwartungen der Bildungsforscher.

Die Analyse der Angebotsseite zeigt auch, warum Bonn so gut dasteht. Vor allem Angebote der Unternehmen – hierzu dürften vor allem die Großkonzerne Post und Telekom sowie die öffentliche Verwaltung beitragen – sind deutlich stärker ausgeprägt als in anderen Kommunen. Sie machten im Jahr 2012 52 Angebote auf jeweils 1000 Einwohner aus. Der Rhein-Sieg-Kreis liegt dagegen mit 42,7 nur knapp über dem Landesschnitt von 42,6 und deutlich unter dem Bundesschnitt von 47,5.

Das Angebot von kirchlichen und gewerkschaftlichen Trägern war mit 0,032 sogar doppelt so hoch wie im Landes- und Bundesdurchschnitt mit 0,013 beziehungsweise 0,015 auf jeweils 1000 Einwohner. Der Rhein-Sieg-Kreis kam lediglich auf 0,007.

Ein ähnliches Bild zeichnet die Studie bei privatwirtschaftlichen Angeboten wie privaten Sprach- oder Musikschulen. Sie machten 2012 in Bonn 0,826 Angebote auf 1000 Einwohner gerechnet (Bund und Land 0,44). Auch hier lag der Rhein-Sieg-Kreis hinter Bonn, aber mit 0,58 deutlich vor Land und Bund.

Bei den Angeboten der Volkshochschule lag Bonn, das in der Vergangenheit häufig auf seine Infrastruktur mit Hauptstadtqualität hinwies, mit einem Wert von 5,2 exakt auf Landesschnitt und deutlich unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 6,9. Im öffentlichen Angebotssektor hat der Rhein-Sieg-Kreis mit 5,5 Angeboten für 1000 Bewohner sogar knapp die Nase vorn.