Bis zu 1,5 Millionen Tiere

Bonn hat ein Problem mit Ratten

Eine Ratte im Kurpark Bad Godesberg.

Eine Ratte im Kurpark Bad Godesberg.

Bonn. In Bonn leben deutlich mehr Ratten als Menschen. Um die Schädlinge zu bekämpfen, setzt die Stadt nun auf eine neue Strategie.

Rund um den Hofgarten oder entlang des Rheinufers sieht man die Nagetiere in Bonn häufiger. Besonders in den Abendstunden huschen die Ratten aus Gebüschen hervor. Für viele sind sie nicht nur ein unangenehmer Anblick, sondern sie sind auch Überträger von Krankheiten, wie Tuberkulose oder Gelbsucht. Um die Rattenpopulation in Bonn einzudämmen, hat die Stadt Bonn die Rattenbekämpfung in diesem Monat an eine externe Spezialfirma neu vergeben.

Alle drei Jahre schreibt die Stadt den Auftrag zur Rattenbekämpfung öffentlich aus. In der Ausschreibung hatte das Tiefbauamt ursprünglich eine Summe von 500.000 Euro für die drei Jahre veranschlagt. „Die tatsächliche Auftragssumme liegt allerdings mit etwa 185.000 Euro deutlich niedriger“, teilte das Presseamt auf GA-Nachfrage mit. Die Kosten fielen geringer aus, weil die beauftragte Firma ihren Sitz in der Nähe von Bonn habe und den „jeweiligen Einsatzort schnell und günstig erreichen“ könne.

Laut Schätzung von Experten kommen auf einen Einwohner in städtischen Gebieten bis zu fünf Ratten – für Bonn würde das eine Population von bis 1,5 Millionen Tieren bedeuten. Eine genaue Statistik gibt es für die Bundesstadt allerdings nicht. „Die Rattenpopulation ist in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben“, erklärte das Presseamt. Gerade in dicht besiedelten Gegenden fänden Ratten ausreichend Nahrungsquellen. Vor allem in der Innenstadt und den Ortszentren von Beuel und Bad Godesberg mit alten Gebäuden und Kanälen leben der Stadt zufolge viele Ratten. Aber auch Grünflächen, Bach- und Flussläufe sowie Bahngleise ziehen die Tiere an. „Das Hochwasser, der Rhein, viele gastronomische Bereiche, aber auch das Verhalten der Bürger sind Faktoren, die einen Rattenbefall verstärken“, sagte ein Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma. Faktoren, die nicht nur Bonn alleine beträfen, sondern das gesamte Rheinland.

Neue Strategie senkt Kosten

Um die Population einzudämmen, setzt die Stadt an zwei Punkten an: Für den oberirdischen Bereich sind die Bürgerdienste zuständig, während das Tiefbauamt die Kanalisation überwacht. Bisher hatte die jeweils beauftragte Spezialfirma die Kanalschächte im Rhythmus von 18 Monaten komplett mit Giftködern ausgestattet. Durch eine neue EU-weite Biozidverordnung ist das nun nicht mehr möglich. „Eine toxische Beköderung auf Dauer ist verboten“, erklärte ein Schädlingsbekämpfer der Firma Apex in Köln. Die Unternehmen seien seither verpflichtet, spätestens eine Woche nach Auslegung der Köder diese auf Anbiss und Kadaver zu kontrollieren. Dadurch soll gewährleistet werden, dass keine anderen Tiere, wie beispielsweise Katzen oder Hunde mit dem Gift in Kontakt kommen.

Mit der neuen Strategie sollen auch Kosten gesenkt werden. In der Vergangenheit hatte die flächendeckende Köderverteilung zu Mehrkosten geführt. Viele Giftköder blieben unberührt. Stattdessen soll nun die Bekämpfung in den Kanalschächten an den tatsächlichen Befall angepasst werden. „Es werden also nur noch dort Köder ausgelegt, wo tatsächlich ein Rattenbefall gemeldet wird“, erklärte das Presseamt. Die Spezialisten sollen nur so lange Giftköder nachlegen, bis kein Befall mehr festgestellt werde. Im Anschluss würden alle Köder wieder aus dem Kanalschacht entfernt. Für private Grundstücke sind die Eigentümer selbst zuständig. Auch Anwohner können zur Rattenbekämpfung beitragen: Essensreste sollten auf keinen Fall in der Toilette entsorgt und Abfälle nur in geschlossen Behältern gelagert werden.

Hinweise auf Rattenbefall nimmt die Stadtverwaltung Bonn unter den Rufnummern (0228) 77 25 45 oder unter (0228) 77 41 40 entgegen.